Angst und der innere Ur-Affe

Angst ist eine Emotion. Sie spricht ein evolutionsgeschichtlich sehr altes Hirnareal an. Ein sehr primitives und eingeschränktes Steuerzentrum, das aber – eben weil es alt ist – auch sehr dominant sein kann. Angst kann ein sehr wichtiges Gefühl sein, denn sie zeigt Gefahren an, denen begegnet, auf die reagiert werden muss.

Leider ist die Risikowahrnehmung und die Risikokompetenz der meisten Menschen zu schlecht entwickelt um sauber zwischen realen Gefahren und imaginären Gefahren zu unterscheiden. Deshalb bewerten die meisten Leute ein Gefahrensignal oft völlig falsch.

Wo kommt eigentlich so ein Gefahrensignal her?

Außer Stammhirn, Kleinhirn und Großhirn haben wir noch das sogenannte „Bauchhirn“. Es ist ein dichtes und sehr komplexes Nervengeflecht das Magen und Verdauungstrakt umgibt und es ist der Ursprung der meisten Gefahrensignale und Warnungen. Mit Hilfe von Gefühlen kommuniziert es mit den – anscheinend übergeordneten – Gehirnteilen.

Evolutionsgeschichtlich ist das Bauchhirn weit älter als das, was als grau-rosa Masse zwischen unseren Ohren residiert. Und ein Großteil der Entscheidungen, die wir treffen, wird von Signalen dieses sehr primitiven Hirns beeinflusst.

  • Denn dieses kennt nur zwei Zustände: wohlfühlen und unwohl fühlen
  • Und bei letzterem gibt es drei Reaktionen: Erstarrung, Angriff oder Flucht

Nun ist dieses „Emotionszentrum“ – nennen wir es mal den „inneren Uraffen“ – ziemlich leicht aus der Fassung zu bringen. Die meisten seiner Warnsignale sind nämlich einfach nur Fehlalarme. Mit der „modernen Welt“ kommt er nicht zurecht. Er ist auf „Urzeit“ getrimmt und ist in dieser Evolutionsstufe stehengeblieben. Er kann nicht mehr als „fressen“ – „vermehren“ – „überleben“ – wie ein Pantoffeltierchen oder ein Strudelwurm.

Dem Uraffen kann man nicht mit Vernuft oder Verstand kommen. Wenn er etwas wahrnimmt, was er als Gefahr deutet (und davon gibt es eine Menge), dann fängt er das toben an, klettert auf den nächsten Baum und wirft mit Ästen oder Bananen.

Jetzt wird’s komplizierter …

Der Homo sapiens nimmt in seiner Vermessenheit an, dass der seine Entscheidungen verstandesmäßig und logisch trifft. Nichts könnte der Realität ferner liegen, denn das Bauchhirn ist bei vielen Menschen mehr oder weniger dominant. Bilder, Symbole und Erfahrungen prägen uns. Wird nun ein Faktor als Gefahr interpretiert, dann übernimmt das Bauchhirn das Kommando. Dem hat sich vor allem das Großhirn samt dem gesunden Menschenverstand und der Logik zu unterwerfen. Diese beiden Fähigkeiten könnten den Affen im Zaum halten – leider ist es oft meist umgekehrt.

Äußert man z.B. einen „Triggerbegriff“ so fängt der Affe – der alles, was damit zusammenhängt als Gefahr empfindet – das wüten an. Die Denkfähigkeit wird durch diesen uralten Schutzmechanismus so sehr reduziert, dass sie sich fast ausschließlich auf die Beseitigung dieser „Gefahr“ konzentriert. Zwar glaubt ein Mensch, der in diesem Panik-Zustand ist, dass er logisch und folgerichtig denken kann – Tatsache ist aber, dass er so stark fokussiert ist, dass er das „Problem“ gar nicht aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und analysieren kann. Er will es auch gar nicht. Er will dass die Angst weggeht. Er will sich wieder wohlfühlen und das geht nicht, so lange eine echte oder eingebildete Gefahr seine Existenz zu bedrohen scheint.

Dieses Bild ist jetzt absichtlich stark vereinfacht und überzeichnet, damit man den Mechanismus, den jeder Mensch in sich trägt, besser verstehen kann.

Wie kriegt man den Affen in den Griff?

Das ist nicht ganz einfach. Zuerst muss man sich selbst gegenüber zugeben können, dass man sich vom inneren Uraffen (fehl)steuern lässt. Das erfordert Analyse und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Menschen, die herausgefunden haben, wie sie selber ticken, fallen nicht mehr so leicht auf einen Fehlalarm herein, da sie ihre Denk-, Emotions- und andere Verhaltensmuster kennen und vielleicht sogar größtenteils im Griff haben.

Abschalten/eliminieren kann man den Affen nicht. Dazu ist er zu alt und zu fest verdrahtet. Der Uraffe an sich ist ja nicht schlecht – er ist nur sehr begrenzt. Begriffsstutzig trifft es ganz gut. In Zeiten echter physischer Gefahr ist er ein unschätzbarer Helfer. Aber da er vieles nicht begreift und das was er nicht begreift als Gefahr interpretiert, bekommen wir viel zu oft eine Gefahrenmeldung, obwohl keine Gefahr besteht.

Man kann aber trainieren, dass – statt den Affen einfach von der Leine zu lassen – man erst mal die Angst und Panik unterdrückt und nachsieht, ob und welche Gefahr tatsächlich besteht. In den meisten Fällen löst sich das Ganze in ein Illusionswölkchen auf und der Puls beruhigt sich wieder. Dann können Verstand, Logik und analytische Fähigkeiten ihre Arbeit tun und mit der Zeit und etwas Übung, die negative, Angst auslösende Programmierung verändern.

Manche Leute geraten schon beim Anblick einer Spinne in Panik. Der Affe rastet aus und tut das, was er am besten kann: Angreifen und totschlagen oder davonlaufen. Andere Leute haben Angst vor offenen Plätzen oder engen Räumen. Da reagiert der Affe mit Panik und einem Fluchtreflex. Das sind echte Phobien, die sich durch Desensibilisierung und/oder mit professioneller psychologischer Hilfe gut behandeln lassen. Leute mit solchen Phobien leiden darunter und sehen ein, dass sie Hilfe brauchen.

Bei Menschen, die Angst vor Waffen haben, ist es nicht ganz so einfach. Meist handelt es sich nicht um eine echte Phobie, sondern um einen Wahn. Diese Leute erkennen nicht, dass nicht die Waffen das Problem sind – sondern nur ihre eigene Angst davor. Waffengegner haben eine Wahnvorstellung. Das ist jetzt nichts besonders ungewöhnliches. Viele Menschen haben die eine oder andere kleine Wahnvorstellung und leben im Alltag ganz prima damit. Problematisch wird es dann, wenn dieser Wahn andere Menschen einbezieht und projiziert wird.

Der Wahnhafte erkennt seinen Wahn ja nicht. Er empfindet ihn als real, als „wahr“, und wird auf keinen Fall davon ablassen. Er wird Ausflüchte erfinden, Argumentationen verdrehen und sogar lügen, nur um seine persönliche Wirklichkeit nicht zu gefährden.

Je nach Grad und Ausprägung des Wahnes kann man mit einer gesunde Portion Realität in Form von Zahlen, Daten und Fakten kontern. In anderen Fällen wäre die Behandlung durch einen guten Therapeuten angebracht.

Glücklicherweise muss man meist nicht so weit gehen. Viele Leute, die etwas gegen Waffen haben, sind oft nur furchtbar uninformiert. Woher sollten sie auch seriöse Informationen bekommen?

  • Die Medien? Die verbreiten seit Jahrzehnten Vorurteile, Unwahrheiten und schüren die Angst.
  • Die Politik? Macht dasselbe wie die Medien.
  • Fachliteratur? Warum sollte man sich über etwas informieren, was einen nicht interessiert, was man eigentlich nur weghaben möchte?

Also behält man das im Kopf, was man so nebenher aufschnappt und was einem die Medien vorsetzen und das ist ein Konglomerat aus Vorurteilen, Halbwissen, Propaganda und Hollywood-Impressionen. Realitätsgehalt? Seien wir mal großzügig … maximal 5%.

Jetzt haben viele Menschen aber einen sehr doofen Mechanismus, der sich am besten mit dem alten Witz umschreiben lässt: „Ganz schön viel Meinung für so wenig Ahnung“!

Nun – dagegen kann man etwas tun. Informationen gibt es genug. Aber – die Leute, dies sich mit dem Thema Waffen auskennen, das sind halt meistens Waffenbesitzer. Da man aber leider vor Waffen und Waffenbesitzern Angst hat, werden die nicht gefragt. Die könnten einen ja einfach über den Haufen schießen – oder? (Warum sollten die das tun? Aber Angst kennt keine Logik). Außerdem sind die Waffenbesitzer ja die Waffenlobby – und Lobby ist böse. Bei so vereinfachten, oberflächlichen Denkprozessen kann man die Komplexität des Themas gar nicht erfassen. Warum auch – man will ja nur seine Angst weghaben und das geht am besten wenn man gegen den angstauslösenden Gegenstand kämpft. Handelte es sich um einen Leoparden, den könnte der ängstliche Ur-Affe mit seinen Kumpels vielleicht verjagen oder totschlagen. Aber wir sind ja keine Affen im Dschungel – obwohl wir uns in diesem Moment so verhalten …

Also werden die Experten nicht gefragt und man begnügt sich mit den gefilterten und immer negativen Informationen anderer Waffengegner. Denn Waffen sind „böse“ – da kann man ja gar nichts gutes dran finden. Bei den Waffengegnern ist man sich einig. Es herrscht Harmonie und kuscheliger Flausch. Das „Feindbild“ zeichnet sich klar ab.

Fazit:

Aufgrund vager (aber als konkret empfundener) Angstgefühle geht die Denkfähigkeit in den Keller.

Ist es nicht traurig, dass viele Menschen weltweit lieber den Affen von der Leine lassen, statt ihren Verstand zu gebrauchen? Eine Emotion ist sicher ein wichtiges Signal – nämlich fast immer ein Signal, dass bei einem selbst etwas nicht stimmt. Wenn man jedoch sein Denken und Handeln unhinterfragt einer Emotion unterstellt, dann kann da nur Unsinn dabei rauskommen.

Was passiert, wenn man Angst empfindet? Der Wikipedia-Artikel ist da recht gründlich: http://de.wikipedia.org/wiki/Angst

2 thoughts on “Angst und der innere Ur-Affe”

  1. Genau umgekehrt wird ein Schuh daraus! Die Menschen hören zu wenig auf das „Baugefühl“.
    Immer wenn der Kopf den Bauch überstimmt kann man davon ausgehen das die Entscheidung falsch ist. Dies habe ich nicht nur bei mir selbst sonder auch in meinem Umfeld betrachtet. Der Grund ist dass das „Bauchgefühl“ sich nicht durch Falschinformationen belügen lässt.

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