Darf Schießsport Spaß machen?

Manchmal stelle ich mir die Frage ob nicht nur die Waffengegner, sondern wir uns auch selbst einreden, daß man bei einem solchen Sport keinen Spaß haben darf. Schließlich geht man mit gefährlichen, ja tödlichen Waffen um. Da ist doch an Spaß gar nicht zu denken, oder?

Nach außen wird eher selten kommuniziert, daß Schützen Spaß haben, und wenn ich mir so manche meiner über-ernsthaften Schützenkollegen ansehe, dann könnte ich das fast glauben. Aber betreibt man einen Sport, wenn er keinen Spaß macht?

Während des Trainings und auch des Wettkampfes herrscht Ernsthaftigkeit vor, danach wird über die Presse und die Politik geschimpft oder gefachsimpelt.

Rumalbern, während man eine scharfe Waffe in der Hand hält? Undenkbar. Immer ist man darauf bedacht einerseits die Sicherheitsregeln einzuhalten (Priorität Nummer 1) und ordentlich zu schießen (Priorität Nummer 2). Das alles erfordert volle Konzentration und Aufmerksamkeit, Körperbeherrschung und Disziplin. Kann das Spaß machen?

Ja! Es macht sogar enormen Spaß. Das erschließt sich aber nicht für den Zuschauer, sondern nur dem, der diesen Sport betreibt.

Immer wieder weise ich Anfänger ein, die noch nie eine Waffe in der Hand hatten und diese meist nur aus irgendwelchen realitätsfernen Actionfilmen kennen. Nach einer gründlichen Unterweisung in die Sicherheitsregeln dürfen sie den ersten Schuß machen. Die erstaunten Blicke, wenn sie feststellen, daß der Rückstoß problemlos beherrschbar ist und bei weitem nicht so schlimm wie anfangs befürchtet. Die erste Freude überhaupt die Scheibe getroffen zu haben, bis hin zu wilder Begeisterung, wenn eine .357er Magnum sich mit lautem Krachen und riesigem Feuerball in Richtung Zielscheibe entlädt. Oder das breite Grinsen einer jungen Dame, die sich nach einigen Übungs-Schüssen mit kleineren Kalibern, an eine .44er Magnum gewagt hatte und erst damit aufhörte, als die Munition komplett verbraucht war. Dirty Harry lässt schön grüßen – da behauptet niemand mehr, daß die Super-Magnum-Klasse nur was für gestandene Mannsbilder ist.

Trotz allem ist diese Freude kontrolliert. Sie äußert sich nicht in wilden Kriegstänzen oder Umarmungsorgien wie auf dem Fußballfeld. Die Sicherheit geht immer vor. Und trotzdem macht es viel Spaß. Die tiefe Befriedigung, wenn die Treffer dicht nebeneinander nahe oder im Zentrum der Scheibe liegen. Das gute Gefühl, den eigenen Körper zu beherrschen, Atmung und Schuß mit dem Pulsschlag abzustimmen. Die innere Ruhe und Gelassenheit, die eintritt, wenn man das Ziel aufnimmt – ein meditatives, zen-artiges Erlebnis, das sich erst mit der Zeit allmählich entwickelt.

Bei jedem einzelnen Schuß muß neu abgestimmt werden … Körperhaltung … Puls … Atmung … zielen … abziehen in exakt dem richtigen Augenblick.

Das ist kein Sport für Leute, die ihre Emotionen oder ihre Handlungen samt allen möglichen Konsequenzen nicht im Griff haben. Es ist eine Art Meditation mit Knalleffekt. Es ist immer auch ein Kampf mit sich selbst – gegen den inneren Schweinehund, der zu Nachlässigkeit und Leichtsinn auffordert.

Nichts ist befriedigender und macht mehr Spaß, als diesen inneren Schweinehund zu besiegen. Egal, ob man sich im Wettkampf gegen andere misst, oder als Freizeit-Schütze gegen das eigene Ergebnis von letzter Woche.

Ja, verdammt! Schießen macht Spaß!

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3 Kommentare zu “Darf Schießsport Spaß machen?”

  1. ad 1) Kennst Du eigentlich Eugen Herrigels „Zen in der Kunst des Bogenschießens“? Für das statische Schießen (zumindest LuPi und KK) ist das für mich die beste Darstellung, welchen Zustand man erreichen möchte (was sicher jeder Schütze anders sieht).

    ad 2) Nachdem angeblich Schießen ja so „männlich“ ist, möchte ich nochmal auf den Bildband Chicks with Guns von Lindsay McCrum hinweisen – wobei Sportschießen m.E. nie besonders „männlich“ war, z.B. ist der Ehrenpräsident des Schützenverband Saar Frau Oberstaatsanwalt i.R. Ute Krämer.

    Gruß
    Dingo

  2. Herrigels Buch habe ich schon mit 16 Jahren gelesen. Wirklich verstanden habe ich es erst, als ich selbst durch diesen Erkenntnisprozess durch war – mit Ende 30. Ich schieße fast ausschließlich GK (KK zum üben für die Präzision). Und das „Zen-Gefühl“ ist bei Druckluft und KK sicher leichter zu erreichen.

    Girls with guns: http://www.youtube.com/watch?v=APv0U_XaK_E
    Ich bin beim schießen mit derartigen Monsterkalibern bei weitem nicht so entspannt, wie diese Dame. Bewundernswert!

  3. Warum hat man als Waffenbesitzer, Sportschütze, oder als jemand der einfach gefallen an Waffen findet, das Gefühl bzw. Bedürfniss sich dafür rechtfertigen zu müssen? Hat man etwas unrechtes getan oder das gar vor? Nein! Die österreichische Regierung hat mit der verschärfung des Waffengesetzes 1996 eine ganße Branche so gut wie ruiniert. Ich selber war dadurch betroffen und habe damals meinen Job verloren. Und jedesmal, wenn wo ein Amoklauf oder ein Verbrechen mit einer Schußwaffe begangen wird – bekommen Waffenbesitzer Gewissensbisse und denken sie müssen sich Schuldig fühlen oder rechtfertigen. Aber das muss aufhören! Autos sind auch potentiell gefährlich und können als „Waffe“ eingesetzt werden – sie töten tatsächlich täglich weit mehr Menschen als legale Schußwaffen in einem ganzen Jahr. Und fühlen sich Autofahrer kollektiv schuldig, wenn wo ein Unfall passiert!? Denken unsere Regierungen bei einer jeden tötung durch ein Auto plötzlich darüber nach diese zu verbieten, oder den Alkohol der oft dafür verantwortlich ist. Gesetzte verhindern keine Straftaten! Ich habe auf meinem Blog auch ein Video veröffentlich, in dem ein Wissenschaftler klar darlegt, dass ein restriktives Waffengesetz die Kriminalitätsrate nicht senkt, sondern sogar erhöht: http://www.waffen-blog.com/mehr-schusswaffen-weniger-verbrechen/

    Wir müssen als Community einfach viel stärker und selbstbewusster Auftreten, uns vernetzen und dürfen uns nicht vor der Öffentlichkeit verstecken oder uns unsere Leidenschaft nehmen lassen!

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