„Die gute, alte Zeit“ … War früher alles besser?

Das fragt Dr. Zakrajsek auf Querschüsse.at und kommt zu dem Schluß, daß wir zwar einer selektiven Wahrnehmung unterliegen, was früher besser war, aber das sich eins ganz sicher zum schlechteren verändert hat:

„Die Jugend“™ hat keine Manieren, keinen Respekt und keine Disziplin mehr. Höflichkeit oder Rücksichtnahme? Fehlanzeige! Anderen Leuten mal die Tür aufhalten, damit ihnen das Ding nicht ins Gesicht fällt? Wozu das denn? Selbstdarstellung per Twitter und Facebook sind da viel wichtiger als andere Leute. Elementare Freundlichkeit? Meist wird man einfach angeblafft. Sogar die 68er, die im Nachkriegsmuff aufgewachsen sind, hatten Manieren. Ihre Kinder und Enkel haben diese aber kaum noch.

Ich habe mir mal angesehen, wie sich Schüler heutzutage in der Schule verhalten und muß Dr. Zakrajsek beipflichten. So etwas wäre in meiner Schulzeit nicht durchgegangen. Wir waren „erzogen“ – d.h. wir haben in den 60ern und 70ern ein Set von Verhaltensregeln von unseren Eltern mitbekommen, das es uns ermöglichte reibungsloser, zumindest aber weit weniger rücksichtslos durch die Welt zu kommen. Da waren sicher auch ein paar veraltete und überkommene Regeln dabei – geschadet haben die aber nicht. Wenn’s mal eine Rauferei gab, dann war Schluß, wenn der Gegner am Boden lag – heute wird nachgetreten bis das Opfer schwer verletzt oder tot ist.

Die Eltern vieler Kids heutzutage sind meist nicht besser. Ich-bezogen, überfordert, unaufmerksam, aber extrem anspruchsvoll und sehr selektiv in ihrer Wahrnehmung.

Kein Wunder, daß es anscheinend üblich ist, nur noch die eigene Befindlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen. Was einem nicht passt wird ausgeblendet, ignoriert und bekämpft – wir leben in einem Zeitalter des Narzissmus und es ist kein Wunder, wenn diese Krankheit inzwischen grassiert und sogar noch von den Medien befeuerte wird. Und damit kommen wir zu einem der möglichen, vielleicht sogar wahrscheinlichsten Grund für Amokläufe.

Ein Kind, das keine Erziehung hat, das keine positiven Vorbilder von seinen Eltern bekommen hat, sucht sich Vorbilder. Dabei landet es aber nicht bei „Idealen“ sondern „Idolen“. Das sind keine Vorbilder – aber in Bezug auf Selbstdarstellung, Egoismus, Überheblichkeit geben sie den Kids ein Beispiel. Narzissten im Sinne der Definition. Ein bisschen Narzissmus schadet nicht – aber der übersteigerte, krankhafte Narzissmus, der uns aus den Medien entgegenschlägt, der beeinflusst unsere Kinder, die ja keine echten, positiven Vorbilder haben. Also imitieren sie diese „Idole“ und wenn sie dann nicht die Anerkennung bekommen, die sie erhoffen, erwarten, ja sogar fordern, dann bekommen wir im Extremfall einen pathologischen Narzissmus – eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Psychologen sehen diese Entwicklung mit Sorge (Zeitalter des Narzissmus – Christopher Lasch und „Narzissmus, die Wiederkehr – Bierhoff/Herner). Man braucht sich nur mal die Führungspersönlichkeiten von Konzernen oder Banken, Stars in den Medien und Politiker anzusehen um den Narzissmus grassieren zu sehen.

Das beeinflusst also unsere Kinder, die die meiste Zeit vor der Glotze verbringen und den Rest der Zeit bei Facebook ihre eigene eingebildete Wichtigkeit pflegen. Vor allem Social Communities wie Facebook unterstützen narzisstische Naturen und narzisstisches Verhalten. Das Beispiel von Fernseh-Formaten wie DSDS oder „Germanys Next Top Model“ ist prägend für viele Kinder und Jugendliche, die Aufmerksamkeit und Zuwendung von ihrer nächsten Umgebung wollen und glauben, daß dieses Blendwerk das ist, was sie brauchen um akzeptiert und anerkannt zu werden.

Manche Kinder/Jugendliche steigern sich derart in dieses falsche und verlogene Weltbild hinein, daß sie depressiv und/oder aggressiv werden, wenn sie nicht das bekommen, was sie erwarten. Narzissten halten sich selbst für die Größten und Besten. Sie halten sich für allen anderen Menschen überlegen und sind schnell beleidigt, wenn die eingebildete Grandiosität von außen nicht anerkannt wird. Psychologen nehmen an, daß die meisten Amokläufer Züge von krankhaftem Narzissmus aufwiesen. Fast jeder Amokläufer war bisher wegen Depressionen in psychologischer oder psychiatrischer Behandlung – oft mit Hilfe von Medikamenten.

Der Schluß liegt nahe – und etliche Publikationen und Forschungen scheinen das zu belegen – daß unsere Gesellschaft gewaltig fehlsteuert. Krankhafte oder falsche Verhaltens- und Denkweisen werden als normal und wünschenswert propagiert. Man braucht sich also nicht wundern … tut es aber doch …

Und da kommen die von Marshal McLuhan geprägten und von Andy Warhol propagierten „15 Minutes of Fame“ ins Spiel. Bekommt ein extremer Narzisst nicht seine gewünschte Aufmerksamkeit, dann kann es sein, daß er ein Fanal setzen will. Viele der Kranken, die nicht das Glück haben sachkundige, psychologische Hilfe zu bekommen, werden depressiv und/oder setzen ihrem Leben durch Suizid ein Ende – nach dem Motto „… jetzt zeige ich es Euch und dann tut es Euch leid“. Für einen sehr, sehr kleinen Teil dieser Narzissten reicht das nicht. Sie wollen sich an einem Teil der Welt, von der sie ihre eingebildete Kränkung erfahren haben, mitnehmen. Sie wollen sich „rächen“ und ein Zeichen setzen.

Das Ergebnis ist dann im schlimmsten Fall ein Massaker. Das ist aber nicht dem Tatmittel geschuldet, sondern einer kranken Gesellschaft, die nicht merkt, daß sie ihre DropOuts mit Verve selbst heranzüchtet.

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3 Kommentare zu “„Die gute, alte Zeit“ … War früher alles besser?”

  1. Dem ist nichts,aber auch garnichts mehr hinzuzufügen….ausser,sind wir,die Generation 50+ nicht mitschuldig ? Wir haben das doch erst möglich gemacht das unsere Gesellschaft so entgleist…

    Ein nachdenklicher Bürger Baujahr 60

    1. Konnten die Leute während der Weimarer Republik (in den „Goldenen Zwanzigern“) ahnen, daß ihre Handlungen und ihr Verhalten in einem „Dritten Reich“ enden würden? Nachträglich ist man immer schlauer und kann kluge Dinge behaupten und mit den Fingern auf die (vermeintlich) Schuldigen zeigen.

      Gesellschaften sind unglaublich komplex und es gibt nur sehr wenige Wissenschaftler, die fachübergreifend die Dynamik und Handlungs-Konsequenzen von ganzen Völkern erforschen. Die müssen dann auch noch zu den richtigen Schlußfolgerungen kommen. Das ist mMn. fast unmöglich. Man kann vielleicht vereinzelt Trends vorhersagen. Aber auch die sind mit Vorsicht zu genießen und in Bezug auf andere Faktoren zu beurteilen. Zu viele Faktoren und Variablen – das überfordert sogar Leute, die sich hauptberuflich damit beschäftigen. Und wie will man gegen einen schleichenden Trend vorgehen, wenn man ihn gar nicht bemerken kann, weil man mit viel unmittelbareren Problemen beschäftigt ist?

      Das funktioniert leider nicht. Zumindest habe ich noch keine Möglichkeit für mich gefunden. Man kann noch so aufmerksam sein – irgend etwas wichtiges übersieht man immer. Aber man kann und muß gegensteuern, sobald ein Problem erkannt ist. Wir haben, um Toleranz und guten Willen zu zeigen, schon so oft nachgegeben, daß wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Damit muß jetzt Schluß sein.

  2. ZITAT :
    Wir haben, um Toleranz und guten Willen zu zeigen, schon so oft nachgegeben, daß wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Damit muß jetzt Schluß sein.
    ZITAT Ende.

    Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht ! Migranten in der 3. Generation können noch immer kein vernüftiges Deutsch sprechen,geschweige schreiben.verlangen aber ihrerseits das man sie versteht !?
    Integration,ein Schwert das mehr als zweischneidig ist.Politiker die aus profolierung herraus meine gutes tun zu wollen (oder nur weil sie sonnst nichts zu melden haben und von der Materie absolut keine Ahnung haben ! )
    Und mal ehrlich unter uns : welcher Politiker,egal welcher FARBE,hat den ahnung von seinem Posten ?
    Ich mache jetzt schluß,sonnst fange ich an zu….nee nee,dann kommt die Zensur und wieder ist der Leser der Dumme 😉

    Gruß aus Cux

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