Der Hollarius und seine persönlichen Ängste

Der Pirat Hollarius hat einen Antrag in’s Liquid-Feedback gestellt. Hat als Leithammel laut geblökt und viele Schafe folgten ihm. Schön aus dem Bauch raus, statt – wie es Piraten geziemt (und im „piratigen Ansatz“ gefordert wird) – sich selbst in die Pro und Contra der Thematik einzuarbeiten oder sich wenigstens gründlich zu informieren anstatt demjenigen nachzudackeln, der am lautesten schreit.

Etliches in diesem Antrag ist sachlich falsch, schlecht recherchiert und man kann sehen, daß Hollarius, wie er auch selbst in seinem Blog schreibt, eher nach Gefühl als nach (Fach-)Wissen handelt.

Hollarius hat Angst. Er hat Angst vor dem Mißbrauch von Schußwaffen. Darf er gerne haben, wenn ihm das gut tut.

Angst kann man mit Information bekämpfen. Muß er also Angst haben? Wenn man die Statistiken des BKA zu Rate zieht, dann ist diese Angst völlig unbegründet. Es ist also seine persönliche Angst und aufgrund dieser Angst will er ein Gesetz. Lieber Hollarius, wie wäre es mit einem komplett zensierten Internet, damit auf keinen Fall Bombenbauanleitungen und Kinderpornographie in die Hände von Bürgern kommen? Was Du hier treibst bringt keine Sicherheit. Die Briten haben das schon versucht – es hat nicht geklappt. Aber es hat dem friedlichen Schießsport auf der Insel sehr geschadet. Die Kriminalitätsrate ist seit dem Handgun-Ban gestiegen – gibt sogar offizielle Dokumente dazu. Das interessiert Dich aber nicht. Du willst keine Angst mehr haben und willst, daß die Ursache Deiner Ängste aus Deinem Weltbild verschwindet … in dem Du was verbieten willst.

I like to tell you something. This ain’t gonna happen. Du lebst in der Illusion, daß das Verbot von Gegenständen die Dir Angst machen, auch allgemein mehr Sicherheit bringen. Der Beleg, daß das nicht funktioniert ist bereits mehrfach erbracht. Aber diese Argumente interessieren Dich in Deinem Tunnelblick nicht. Emotionen/Gefühle zählen für Dich mehr als Fakten. Die Verwendung von größtenteils oberflächlichen und nicht verstandenen Informationen ordnest Du vollständig Deinen diffusen Bedrohungsgefühlen unter.

Wer hat da was davon? Wird diese Aktion mehr öffentliche Sicherheit bringen? Nein – denn der Schußwaffenmißbrauch ist sowieso schon minimal und auf die hauptsächlich bei Verbrechen benutzten illegalen Waffen wirkt es sich überhaupt nicht aus. Den Schaden haben ein paar Millionen friedliche Sportler und Jäger. Aber die interessieren Dich nicht. Die haben sich gefälligst Deinen persönlichen Ängsten unterzuordnen. Sehr demokratisch, sehr liberal und freiheitlich … NOT!

Eins der Piratenmottos lautet „Freiheit statt Angst“ – Du dagegen möchtest die Freiheit mehrerer Millionen Menschen (die keinerlei Gefahr darstellen) einschränken, um Deine persönliche Angst zu bekämpfen. „Wer Sicherheit der Freiheit vorzieht, der wird am Ende beides verlieren“ – das trifft voll und ganz zu. Die Konsequenzen Deines Denkens und Handelns sind Dir anscheinend egal. Kurzsichtiges politisches Denken hat dieses Land in die Lage gebracht, in der es heute ist. Du befeuerst solches Denken auch noch. Du wirst eine „Scheinsicherheit“ erzeugen, genau das, was die Waffenrechtsverschärfungen in den letzten Jahren waren. Hat’s was gebracht? Nein. Es war sinnlose Symbolpolitik … genau das, was wir Piraten ständig anprangern und nicht haben wollen. Warum machst Du so was?

Gut 700 Piraten (von über 30.000 Parteimitgliedern) stimmen Hollarius‘ seltsamer Argumentation im LQFB zu. Haben diese Piraten sich mal unabhängig informiert? Die allermeisten ganz sicher nicht, sonst hätten sie anders abgestimmt, bzw. sich enthalten. Sind diese Leute alles Deppen? Wage ich nicht zu beurteilen. Sind es echte Piraten, die die Ansprüche und Ziele der Piratenpartei kennen und unterstützen? Das wage ich zu bezweifeln.

Was bei dieser Abstimmung gelaufen ist, ist genau das, was wir Piraten nicht wollen. Wir wollen sachliche, rationale, liberale und sinnvolle Regelungen haben. Einfach blind dem Leithammel nachlaufen, das passt nicht zu Piraten. Einfach aus dem Bauch raus ein paar oberflächlichen Behauptungen und Forderungen zuzustimmen ist auch nicht im Sinne der Piratenpartei. Unser Konzept ist ein anderes. Wir wollen eben nicht so handeln wie die Grünen, die Roten, die Gelben oder die Schwarzen. Wir wollen es anders machen – und vor allem besser und gerechter.

Der Antrag ist ein Schandfleck, denn er belegt, daß unser Idealismus und unser Arbeitsansatz durch einige wenige Agitatoren empfindlich gestört werden kann. Und es belegt, daß das piratige Prinzip bei den Antragsunterstützern wohl nicht angekommen ist.

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4 Kommentare zu “Der Hollarius und seine persönlichen Ängste”

  1. Bravo!
    Die angesprochenen mögen sich ärgern, aber beleidigt wurden sie nicht.

    Wäre ich bei Facebook würde da nun ein „Gefällt mir“ stehen…

  2. „Der Antrag ist ein Schandfleck, denn er belegt, daß unser Idealismus und unser Arbeitsansatz durch einige wenige Agitatoren empfindlich gestört werden kann.“

    Dem ist nichts hinzuzufügen. Leider sind auch die Piraten nicht gegen populistischen Forderungen immun. Da hilft nur eins: Weiter die Fakten aufzeigen, bis es irgendwann verstanden wird.

    Gut Schuss!

    Marc

  3. So isses, Motorradblogger. Aber wenn ich den Schaden sehe den dieser populistische Verbotsschwachsinn angerichtet hat und die Arbeit das wieder aufzuklären, fasse ich mich an den Kopf. Vor allem was LQFB angeht, so zweifle ich immer mehr an dem Sinn dieses Tools.

    Gruß

    Peter

    1. Das LQFB würde ich nutzen, wenn ich mir schnell nur die Anträge aus AGs anschauen könnte. Bei denen gehe ich davon aus, dass sie vorab ihren Antrag auf Fakten, Piratengrundideen und mögliche Mehrheitsfähigkeit abgeklopft haben.

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