Keine Ahnung haben, aber kräftig ranten und um sich treten …

Das ist was, was ich den Piraten ständig ankreiden kann. Eine kleine, aber laute Minderheit mimt den Meinungsmacher, obwohl sie von den Themen, auf denen sie rumhacken, bestenfalls oberflächliche Ahnung haben.

Markus Kompa hat dazu einen schönen und sehr treffenden Blogbeitrag gemacht.

http://www.kanzleikompa.de/2012/11/12/piraten-ranten/

Es gibt in der Piratenpartei eine ganze Menge Fachleute. Aber denen wird mißtraut. Sie könnten ja „Eigeninteressen“ haben, sie könnten ja „Lobbyisten“ sein … was auch immer.

Das mit den Eigeninteressen ist richtig. Jeder der in einer Partei ist, hat gewisse Interessen, die er vertreten sehen möchte. Und gerade die Leute, die am lautesten brüllen, haben ebenfalls Eigeninteressen. Diese nehmen sie aber (wahrscheinlich) als gut und richtig und wichtig wahr. Dinge, die sie nicht beurteilen können oder wollen, werden dann gerne schlecht gemacht. Da sprechen dann wieder eher die Emotionen und Egozentrik statt der rationale, sachliche Verstand.

Im Beispiel von Stadler geht es um eine Petition, die gut gemeint, aber schlecht gemacht war. Jemand mit Interesse und Engagement hat einen Text erstellt, der an dem eigentlichen Thema fast haarscharf vorbeiging.

Das wäre nicht passiert, wenn dieser Jemand sich mit ein paar Fachleuten (in dem Fall Juristen) zusammengesetzt  und einen ordentlichen Text ausgearbeitet hätte. Ich unterstelle G-B. Kramm nur die besten Absichten. Aber gut gemeint ist halt noch lange nicht gut gemacht. Es wird aus der „Ich“-Perspektive gehandelt, statt aus der „Wir“-Perspektive. Aber dargestellt wird es als „wir“-Perspektive.

Jemand der sich mit dem Thema nicht auskennt muß davon ausgehen, daß derjenige, der einen Antrag schreibt, sich gründlich mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Bruno kennt sich zweifellos mit dem Thema aus und kann es gut vertreten. Aber wenn es um juristische Feinheiten geht, da hätte er lieber einen Fachmann fragen sollen. Wieder mal hat emotionales Engagement das Sach- und Fachwissen geschlagen und etwas versaut, was man hätte besser machen können.

Ich kenne eigentlich gutes Teamwork vor allem aus den AGs in der Piratenpartei. Da sitzen die Fachleute. Ja – die haben Partikularinteressen, sonst wären sie nämlich nicht in der Partei. Sie haben genauso ein gerüttelt Maß an Sachverstand und Expertise. Das wird aber gerne von den emotionalen Schreihälsen einfach ignoriert. Denn die wissen es ja besser. Schließlich haben sie die gerechten Gefühle für sich gepachtet und die sind wichtiger als Zahlen, Daten und Fakten.

 

Was die BT-Kandidatur von Udo Vetter angeht, haben wir dasselbe Problem. Da haben wieder so ein paar gutmenschliche Schreihälse moralische Ansprüche, denen sie wahrscheinlich selbst nicht gerecht werden. Aber die Betroffenen sollen diese Ansprüche erfüllen. Statt dessen kommt es wieder zu Unterstellungen, Verdächtigungen und Beleidigungen aufgrund von Vorurteilen.

Als Piraten haben wir eigentlich einen sachlich-rationalen Ansatz. Die Schreihälse haben einen moralisch-emotionalen Ansatz. Was haben die hier eigentlich zu suchen? Ein Gate, ein Shitstorm, eine Wut-Welle, nach der anderen. Wie soll man da zielgerichtet arbeiten? Vor allem, wenn man sich im Politikbetrieb noch gar nicht richtig zurechtgefunden hat.

Zusätzlich haben wir ein massives Problem mit Leuten, die Freiheit und Sicherheit durch Verbote erzeugen wollen. Das probieren schon die Grünen  (und fast alle anderen Parteien) … funktioniert nicht. Egal, wie oft man es probiert. Man könnte hier aus der Geschichte lernen. Aber manche Piraten haben offensichtlich kein Geschichtsbewusstein/-wissen oder Gorbatschow’s Ausspruch vergessen: „Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist gezwungen sie zu wiederholen“. (Original von George Santayana).

Hallo Piraten! Aufwachen! Wir werden von emotionalen Schreihälsen und Verbotsfanatikern unterwandert. Wir werden schon als eine zweite „autoritär-grün-linke“ Partei gesehen, stellen uns aber selbst als links-liberal dar.

Wollen wir das? Ich ganz sicher nicht! Die Grünen und die Linke gibt es schon. Dafür bräuchte es keine Piratenpartei.

Also – klarmachen zum ändern! Aber erst mal das eigene Deck schrubben … diese verlogene emotionale Rumkotzerei ist nicht nur unästhetisch, sie stinkt auch.

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