Mythos Waffe

Warum reagieren manche Leute derart extrem, wenn man ihnen sagt, daß man Waffenbesitzer (Jäger, Sportschütze, Sammler) ist? Was spielt sich in den Köpfen von Waffengegnern ab?

Zuerst mal kann man davon ausgehen, daß für die meisten Menschen überhaupt keine Vorstellung davon haben, was eine Waffe ist, was Waffenbesitz bedeutet und was Waffenbesitzer für Menschen sind.

Das erste Bild, das der unbedarfte Bürger im Kopf hat sind die aus Action-Filmen und Kriegsberichte aus dem Fernsehen. Dieses Bild hat aber nichts mit der realen Welt zu tun. Es ist eine durch und durch mythische Vorstellung von Waffen und deren Besitzern.

In der Vorstellung von Waffengegnern muß – anhand dieser Vorstellung – ein Waffenbesitzer ein Mensch sein, der in den Krieg ziehen, kämpfen und töten will. Oder jemand, der die „Helden“ in den Action-Filmen nachäffen will – vielleicht um ein psychisches Defizit oder zu geringes Selbstbewusstsein zu kompensieren. Vielleicht gibt es auch die Vorstellung vom paranoiden Einzelgänger, der glaubt er müsse sich gegen eingebildete Feinde verteidigen.

Die Realität ist recht profan. Von Heldentum oder psychischen Defiziten keine Spur. Wahnsinn? Fehlanzeige. Obwohl manche Waffengegner schon den Besitz einer Waffe als Anzeichen von Wahn und Irrsinn interpretieren, auch wenn sie selbst von Psychologie überhaupt keine Ahnung haben.

Was macht diesen „Mythos Waffe“ aus, aufgrund dessen auf den Waffenbesitzer Eigenschaften und Bilder projiziert werden, die in der Realität überhaupt nicht vorhanden sind?

Sieht man sich die Situation aus der Sicht des Waffenbesitzers an, dann wird aus diesem sinistren, sensationsgeschwängerten und fehl-psychologisiertem Bild wieder ein ganz profanes:
Ein Waffenbesitzer hat seine Waffen zu einem bestimmten Zweck. Nämlich zur Jagd, zum Sport, als Sammelobjekt oder zum Selbstschutz.

Er interessiert sich dafür als Werkzeug zur Jagd, weil es gewisse Vorschriften gibt, die für unterschiedliches Wild auch unterschiedliche Waffen mit unterschiedlichen (Leistungs-)Merkmalen vorschreibt.

Er hat seine Waffen für den Sport, der durch eine große Vielfalt an Disziplinen ebenfalls unterschiedlichste Waffen erfordert. Mancher Sportler beschränkt sich auf wenige Disziplinen, andere wechseln nach Lust und Laune. Schließlich soll Sport Spaß machen und entspannen. Leistungssportler sind die wenigsten Schützen. In den USA nennt man die Hobby-Schützen „Recreational Shooter“. Dafür gibt es keinen angemessenen deutschen Begriff. „Freizeitschütze“ kommt dem nahe, aber es geht um Spaß, Spannung, Entspannung … auf eine erholsame Weise, ohne den Wettkampstreß, den andere Sportschützen dagegen sehr mögen.

Wieder andere sammeln Waffen aus technischem Interesse, aus ästhetischen Gründen oder als Wertanlage, wobei in Deutschland nur der Aufbau einer historisch wertvollen Sammlung als Begründung gilt und sehr engen Grenzen unterworfen ist.

In allen Fällen spielen neben technischen Daten, der Verwendungsbestimmung oder Historie auch die Ästhetik und ein – nennen wir es mal – Besitzbewusstsein herein.

Waffenbesitz ist den meisten Leuten wohl deshalb ein Buch mit sieben Siegeln, weil sie überhaupt keinen Bezug zu Waffen haben, weil sie sich nicht damit auskennen (oder gar auskennen wollen), weil sie Angst vor etwas haben, das sie nicht kennen, weil sie einer Ideologie folgen, die Waffen in jeder Form unterschiedslos ablehnt.

Deshalb wollen viele Leute reflexartig alles verbieten, was ihnen Angst macht – obwohl sie meist nichts drüber wissen. Dabei erliegen diese Menschen der Illusion, daß etwas, was verboten wird, auch tatsächlich verschwindet – was einiges über die Weltfremdheit solcher Forderungen – und der Realitätswahrnehmung der Leute, die so etwas wollen, aussagt.

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Ein Kommentar zu “Mythos Waffe”

  1. Die naive Vorgehensweise von einigen Waffengegnern weist gewisse Parallelen zu Kleinkindern auf, die sich die Augen zuhalten und dann glauben unsichtbar zu sein, weil sie ihr Gegenüber auch nichtmehr sehen können. Das mag recht amüsant sein, hat aber in öffentlichen Diskussionen keine nenneswerte Argumentationskraft und sollte deshalb von Politikern und Medien etwas kritischer beäugt werden, als es derzeit geschieht.

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