Bundestagswahl – Meinungen gegen Tatsachen

Eine Meinung hat heutzutage selten etwas mit Tatsachen zu tun. Meinungen werden von Medien, Politik, von Industrie und NGOs gemacht und selten darauf überprüft, ob die „Tatsachen“, die damit verbreitet werden auch wirklich stimmen.

Der Bürger pickt sich das heraus, was ihm – seinem Bauchgefühl nach – am besten in den Kram passt. Klingt etwas plausibel, dann wird es nicht überprüft. Passt eine Behauptung zu den eigenen Vorurteilen … wozu noch nachforschen? Schließlich ist selber denken anstrengend und das vermeidet Mensch ja gerne. Und die eigenen Vorurteile sind einem ja lieb und teuer. Die müssen geschützt werden.

Also haben wir wieder mal Bundestagswahl und lassen Oberflächlichkeiten oder selektive „Wahrheiten“ (vulgo „Meinungen“) durch Medien und Politiker über uns ausschütten. Die Tatsachen und Fakten bleiben auf der Stecke, weil uns sowohl Medien, als auch politische Parteien, immer nur einseitig „informieren“.

Um mir eine echte, gute Meinung zu bilden, brauche ich aber wenigstens zwei Sichtweisen oder Positionen. Dazu benötige ich seriöse, nachprüfbare Fakten. Leider bekomme ich immer nur Teilaspekte oder Ideologie geliefert. Deshalb muß ich mir meine Fakten so gut wie immer selbst zusammen suchen. Das kostet viel Zeit und Energie.

Diese Zeit und Energie kann ich aber nicht für alles aufbringen, was mich interessiert, oder was ich für wesentlich halte. Deshalb fällt es mir schwer mir eine eigene Meinung zu bilden. Die vorgefassten Meinungen von Medien und Politik will ich aber nicht übernehmen, da sie immer unvollständig sind und nur teilweise durch Fakten belegt werden. Da bin ich als jemand, der im Schnitt 10-12 Stunden täglich arbeitet, einfach überfordert. Man muß sich ja auch mal erholen und neue Kraft tanken. Das fällt aber schwer, wenn man sich mit den Behauptungen in Medien und Politik rumärgern muß.

Seien wir doch mal ehrlich zu uns selbst und sehen uns die Tatsachen an.

Das kleinere Übel in der Politik gibt es nicht mehr (wenn es das je gegeben hat). Die Arroganz und Inkompetenz der Politiker geht uns schon lange auf die Nerven. Keine der beiden großen Parteien kann und will ernsthaft etwas an den Umständen und Zuständen verändern. Beide Seiten bekämpfen Probleme mit Mitteln, die mittel- und langfristig noch größere Probleme schaffen. Die anderen Parteien sind Marginalitäten – effektiv haben wir ein „Ein-Parteien-System“ mit zwei unterschiedlichen Flügeln. Korrupt, lobbyhörig und egozentrisch.

Man will uns Angst vor radikalen Parteien machen, um uns an die Wahlurne zu treiben. Gewählt wird trotzdem immer eine der beiden großen Parteien und ein dazugehöriges, meist marginales Anhängsel . Nach der Wahl hat der Bürger nichts mehr mitzureden. Daß die Wahlversprechen sowieso nur Lügen sind, um den uninformierten und damit leichtgläubigen, oder hoffenden Bürger an die Urne zu bringen, ist längst bewiesen und von hochrangigen Politikern bestätigt.

Was bleibt?

Seit rund 60 Jahren haben wir die Wahl zwischen Union und SPD. Die steigbügelhaltenden Klein-Parteien, die früher durchaus noch Akzente setzen konnten, sind inzwischen unwichtig geworden. Unser Mitspracherecht als Souverän erschöpft sich darin, daß wir Parteien wählen, die nicht das tun, was wir wollen. Minister werden nicht die Politiker, die wir wählen, sondern die Leute, die von der Parteispitze dafür bestimmt werden. Dabei ist Fachwissen für diesen Posten weitgehend unwichtig. Die eigentliche Arbeit machen die Staatssekretäre und die Angestellten in den Ministerien. In diesen festgefahrenen Apparaten kann auch ein wirklich engagierter Minister nicht viel verändern.

Könnten Wahlen etwas verändern, dann wären sie verboten!

So zynisch das klingt, das Zitat hat einen sehr wahren Kern. Änderungen im herrschenden System sind marginal. Hoffnungsvolle Parteien wie die Grünen, die mal als Bürgerrechtspartei angetreten sind, kommen nun restriktiver und paternalistischer daher wie die Unionsparteien. Die FDP, die mal wirklich eine liberale Bürgerrechtspartei war (wovon Frau Leutheusser-Schnarrenberger ein einsames Überbleibsel ist), betreibt nun weitestgehend Klientelpolitik.

Was wähle ich also? Pest oder Cholera?

Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Früher habe ich SPD, FDP und Grüne gewählt – in den 80ern. Das war aber, bevor ich angefangen hatte, mich ernsthaft mit Politik zu beschäftigen. Nur haben die Rot-Grünen all das, was Schwarz-Gelb schlecht gemacht haben, noch schlechter gemacht. Mein Vertrauen ist inzwischen auf Null. Nicht mal meine eigene Partei – die Piraten – halte ich derzeit für wählbar. Die anderen angebotenen „Alternativen“ sind genau so schrecklich.

  • Werde ich mich in die größte Wählergruppe, die „Nichtwähler“ einreihen?
  • Werde ich doch meine Piraten wählen? (Trotz dem ganzen Genderwahnsinn)
  • Werde ich die AfD wählen? Nur um die etablierten Parteien zu ärgern?
  • Werde ich „Die Partei“ wählen? Wäre ebenfalls eine Protestwahl?

„Sit back – look stupid“

Keine der zur Wahl stehenden Parteien kann mich überzeugen. Eigentlich kann ich auch langfristig denken und den Zusammenbruch des Systems oder eine Revolution abwarten. Bisher ist noch jede Demokratie in den Totalitarismus abgeglitten.

Um es mit Robert A. Heinlein zu sagen:

Demokratie basiert auf der Annahme, dass eine Million Menschen klüger sind als ein Mensch. Wie war das gleich? So ganz begreife ich die Logik nicht.
Die Leben des Lazarus Long, Zwischenstück (aus den Tagebüchern), S. 370

Autokratie basiert auf der Annahme, dass ein Mensch klüger ist als eine Million Menschen. Sehen wir uns das noch einmal an. Wer entscheidet? Die Leben des Lazarus Long, Zwischenstück (aus den Tagebüchern), S. 370

Übrig bleibt nur noch die Anarchie ohne Kollektivzwang – wie das aber in einer globalisierten Welt funktionieren soll, in der die meisten Menschen durch Armut und Unwissenheit (auch in der sogenannten „Ersten Welt“) klein gehalten werden, das weiß ich auch nicht.

2 thoughts on “Bundestagswahl – Meinungen gegen Tatsachen”

  1. Im Moment geht es mir ganz ähnlich wie dir. Auch bei mir ist politisch im Moment echt die Luft raus, ich bin ziemlich desillusioniert. Ich hatte große Hoffnungen auf die Piraten gesetzt und gedacht „wow, geil, endlich mal mit Fakten arbeiten und nicht nur mit Meinungen“. Aber die Piraten haben sich verändert, sie haben einen sehr lauten Flügel bekommen, der einfach nur nervt. Sollte es langfristig so sein, dass sich dieser Flügel auch im Parteiprogramm durchsetzt, werde ich die Piraten endgültig verlassen. Schade. Eine gute Idee wird derzeit von ein paar Spinnern vor die Wand gefahren. Aber vielleicht muss das im Politikgeschäft zwangsweise so kommen…

  2. Auch mir geht es so. Meine Wahlentscheidung basierte einzig und allein auf Haltung der Parteien zur Jagd und zum Waffenrecht. Letztes Mal hatte ich die Piraten gewählt, die ja Entscheidungen auf Grund von Fakten fällen wollten. Diese Haltung verlor sich aber bei den Entscheidungen zum Waffenrecht und dem Verhalten gegenüber der AG Waffenrecht.

    Da, wie im Artikel richtiger Weise aufgeführt, wir keine Möglichkeit haben auf die Entscheidungen in der Politik einzuwirken, werde ich meine Wahlentscheidungen davon abhängig machen, bei welcher Partei ich das Gefühl habe, das meine Freiheiten als Bürger am besten gewährleistet sind.
    Sollte dies auf keine Partei mehr zutreffen werde ich nicht mehr wählen!

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