Bundeslagebild Waffenkriminalität 2012

Bundeslagebild Waffenkriminalität 2012

Das BKA hat vor einiger Zeit das Bundeslagebild Waffenkriminalität 2012 veröffentlicht.

Ergebnis:
Wie immer: sinkende Fallzahlen – ganz unabhängig vom Waffenrecht und unabhängig von der Anzahl der Waffen (ob legal oder illegal).

Wie üblich wird nur in einem Nebensatz zwischen legalen, illegalen und freien Waffen unterschieden, obwohl die genauen Zahlen immer erfasst werden. (Jeder Polizist muß ein entsprechendes Formblatt ausfüllen, wenn bei einer Straftat eine Schußwaffe im Spiel war – selbst, wenn es eine Spielzeugpistole für Saugnapfpfeile war). Erfahrungsgemäß kann man davon ausgehen, daß die Mißbrauchsquote von Legalwaffen sich im niedrigen, einstelligen Promillebereich finden wird.

Wie üblich wird die bescheuerte Formulierung „mit Schußwaffe gedroht“ & „mit Schußwaffe geschossen“ verwendet. Auch wenn mit einer Spielzeugpistole gedroht und mit Plastikkügelchen geschossen wurde, dann zählt das so, als wäre eine scharfe Waffe beteiligt gewesen.

Im Berichtsjahr 2012 wurden 431 Waffen an Tatorten i. Z. m. Straftaten nach dem StGB sichergestellt. In 68,5 % der Fälle handelte es sich um erlaubnisfreie Gas-/Alarm- und Luftdruckwaffen. Der Anteil der erlaubnispflichtigen Schusswaffen betrug 31,5 %. Von diesen befanden sich 3,9 % in legalem Besitz.

Kleine Rechenaufgabe: Wie viele legale Waffen waren beteiligt? Sind zwei einfache Dreisätze – sollte auch für Rechenlegastheniker zu schaffen sein.

Um eine Relation herzustellen:

Es gibt in unseren Landen rund 5.500.000 legale, registrierte Waffen in den Händen von 1,45 Millionen Bürgern. Fünf dieser legalen Waffen wurden missbräuchlich verwendet. Dabei ist noch nicht mal aufgeführt, ob es Opfer gab, oder nicht. Dazu gibt es mindestens 20.000.000, aber bis zu 40.000.000 illegale Waffen. Davon sind ~124 Stück zu Verbrechen verwendet worden. Sowohl bei den legalen, wie auch bei den illegalen Waffen sind die Mißbrauchszahlen lächerlich niedrig. Weit, weit niedriger, als man anhand der Menge annehmen/befürchten könnte.

Das oben verlinkte PDF behauptet außerdem, daß das Nationale Waffenregister (NWR) im „Wirkbetrieb“ einen Nutzen entfalten würde. Daß das nicht stimmt, steht hier. Die Kanadier haben ihr Waffenregister wieder eingestampft, nachdem sie 2 Milliarden kanadische Dollar reingepumpt hatten und sich letztendlich herausstellte, daß es keinerlei Sicherheitsgewinn gab. Deutschland hätte auf das zentrale, unsichere Register leicht verzichten und sehr viel billiger die einzelnen Waffenbehörden vernetzen können.

Fazit:
Wieder mal macht die Benutzung von scharfen Schußwaffen bei allen erfassten Straftaten grade mal 0,2% aus. Wer da eine erhöhte Gefährdung für die Bevölkerung durch illegale oder gar legale Schußwaffen reininterpretieren will, der sollte dringend einen Anfängerkurs in Statistik besuchen.

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4 Kommentare zu „Bundeslagebild Waffenkriminalität 2012“

  1. Eine Verständnisfrage: 5,5mio legale Waffen gegenüber 20-40mio illegaler? Ist das ein Tippfehler oder hat theoretisch jeder 2. eine illegale Schusswaffe? Oder verstehe ich den Absatz nur falsch?

    1. Die offiziellen, behördlichen Schätzungen (BKA/LKA) gehen von mindestens dem 4-fachen der legalen, registrierten Waffen aus. Bei den üblichen „Sicherheitskonferenzen“ habe ich aber von hochrangigen Beamten auch schon Zahlen von 30 – 40 Millionen gehört.

      Nach Milchmädchenrechnung könnte tatsächlich in jedem 2. Haushalt eine scharfe Waffe vorhanden sein. Die Verteilung ist aber wahrscheinlich ganz anders.

      Die 20 Millionen lassen sich sogar größtenteils belegen. Das waren die Waffen (Büchsen, Flinten, diverse Kurzwaffenmodelle), die bis 1972 ab Volljährigkeit ohne Registrierung und Genehmigung erworben werden konnten. Anhand der Handelsbücher (auch Otto, Neckermann + Quelle-Versand – ja, damals konnte man eine großkalibrige Flinte einfach im Versandhandel kaufen) kommt man auf die Zahl von ca. 20 Mio. Nur ein geringer Teil (ca. 300.000 Stück) davon wurde nach der Änderung des Waffengesetzes behördlich gemeldet.

      Noch nicht eingerechnet waren Waffen aus den beiden Weltkriegen und anderes Schießzeug, das – gut versteckt – das Kriegsende überlebt hatte. Dazu kommt noch all das, was die letzten 40 Jahre über die Grenzen geschmuggelt wurde.

      2 kräftige Peaks gab es beim Fall der Mauer und beim Balkankrieg. Die aus der Ex-DDR abziehenden russischen Soldaten haben damals ihre Makarovs und AK-74 manchmal gleich kistenweise gegen Schnaps und Bargeld vertickt.

      20 Millionen sind also die Untergrenze, die sich auch größtenteils belegen lässt – wenn auch sicher etliche alte KK-Büchsen inzwischen in den Kellern verrostet sind. Die 30-40 Millionen sind Schätzungen. Wie realistisch die sind, kann ich nicht beurteilen. Diese Zahlen sind aber durchaus möglich.

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