Waffenmißbrauch in den USA

Seit längerem frage ich mich, wie die hohen Waffenmißbrauchszahlen in den USA zusammenkommen, die uns – ungerechtfertigterweise – gerne im Zusammenhang mit Straftaten in Deutschland um die Ohren gehauen werden. (Daß beide Länder nicht vergleichbar sind, wird dabei ja gerne ignoriert).

Der „Uniform Crime Report“ (UCR) des FBI gibt dazu saubere statistische Aussagen. Die rund 30.000 Schußwaffentoten bestehen aus 3 Kategorien:

  • Mord
  • Suizid
  • Unfälle

Der größte Brocken ist Suizid mit 19,392 Fällen im Jahr 2010. Da sich hier die Verfügbarkeit von Waffen kaum auf die Fallzahlen auswirkt, ist das eher uninteressant. Die Suizid-Rate in den USA ist auch eher durchschnittlich. Unfälle kommen im Schnitt häufiger vor, als in anderen Ländern, aber auch das ist nicht besonders signifikant. Übrig bleiben gut 10.000 Fälle, in denen man von „Absicht“ sprechen kann.

Darunter fallen dann aber auch Schußwaffeneinsatz durch die Polizei und bei Selbstverteidigung – die sogenannten „Justitiable Homicides“.

  • 410 Tote bei Polizeieinsätzen
  • 310 Tote durch Notwehr

Wieviele Verbrechen alleine dadurch verhindert wurden, weil das Opfer eine Waffe besass, kann nicht ermittelt werden, weil ein Großteil dieser Fälle gar nicht gemeldet und somit nicht erfasst wird. 

Für 2012 gibt es 12.765 Fälle. Betrachtet man diese, dann sind rund 10.000 der Opfer Männer. 2.800 der Opfer sind Frauen. Die höchsten Zahlen findet man in den Altersklassen zwischen 17 und 39. Es trifft etwas mehr schwarze als weiße Leute. Erstaunlich ist, daß laut Statistik häufig weiße Menschen weiße Menschen, und schwarze Menschen schwarze Menschen erschießen [Data]. Man bleibt beim morden anscheinend gerne unter sich.

Auch die Umstände sind sehr sauber aufgeschlüsselt: Murder Circumstances. Dabei muß man ein wenig vorsichtig sein, da in den USA gerne mal schlampig oder unscharf ermittelt wird. Viele US-Städte schönen ihre Statistiken um zu verschleiern, daß sie ein ausuferndes Gang-Problem haben.

Vergleicht man nun die Opferdaten durch Schußwaffenverbrechen mit denen der letzten Jahre und Jahrzehnte, so bemerkt man, daß die Zahlen beständig sinken – obwohl der (legale) Waffenbesitz in den letzten Jahren massiv zugenommen hat.

Auch hier also die Erkenntnis, daß der allergrößte Teil der Schußwaffenverbrechen in den USA mit illegalen Waffen begangen wird. Verbrecher unterliegen einem gesetzlichen Waffenverbot (wie das weltweit der Fall ist). Verbrecher kommen leicht an Waffen heran – egal, wie streng die Waffengesetze sind. Ein US-Verbrecher wird in den allermeisten Fällen eine Waffe besitzen (und sie auch benutzen) – etwas was in anderen „First-World-Ländern“ weit weniger häufig vorkommt.

Nur mal zur Verdeutlichung, was das Gang-Problem in den USA angeht:

  • Es gibt rund 800.000 extrem gewaltbereite Gangmitglieder in den USA.
  • Alleine in Houston/Texas gibt es eine Gang (Tango Blast) mit 14.000 Mitgliedern.
  • 15.000 Mitglieder der Mexican Mafia alleine in Los Angeles – zusätzlich zu über 150 anderen Gangs in L.A. Insgesamt über 40.000 Gangster.
  • Chicago und Umgebung – bis zu 100.000 Gangster.
  • In Memphis/Tennesse gibt es über 600 Gangs

Wer sich einmal ein paar Folgen von „Gangland“ (unnötig dramatisch, aber mit sehr interessanten Fakten) reingezogen hat, der kann über die Brutalität und Skrupellosigkeit dieser Gangster nur entsetzt den Kopf schütteln. Diese 8-stündige Zusammenfassung bietet einen guten Überblick:
http://www.youtube.com/watch?v=cajqhMH4GKc

So was gibt’s bei uns gar nicht. Da legen  sich jährlich tausende von Gangmembers gegenseitig um. Zusätzlich zu ihren anderen Verbrechen.

Fakt ist: Die USA sind ein Land mit massiven sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen. Die Schere zwischen arm und reicht klafft dort sehr viel stärker auf, als aktuell bei uns. Das staatliche soziale Netz ist nicht einmal annähernd mit dem in europäischen Ländern vergleichbar. Der Trend, Probleme mit brutaler Gewalt (und Waffen) zu lösen, liegt in den USA wesentlich höher als bei uns.

Könnten Waffenverbote in den USA die Probleme eindämmen? Sehr unwahrscheinlich.  Der Markt für illegale Waffen ist bestens bestückt. Ein Waffenverbot würde an der Verfügbarkeit nichts ändern. Bringen „Magazinbegrenzungen“ etwas? Nein, natürlich nicht, da sich Verbrecher nicht an die gesetzliche Begrenzung von 10 Schuß pro Magazin halten. Bringen Gesetze gegen „Assault Rifles“ etwas? Erwiesenermaßen nicht.

Einige Regeln könnten sicher verbessert werden. Sichere Aufbewahrung, besseres Training, sowie eine verpflichtende „Waffensachkundeprüfung“ (Waffenführerschein), könnte einige Unfälle verhindern, die aber im Vergleich eher marginal erscheinen. Das Gros der Mißbräuche ist aber nun mal der Einsatz von Schusswaffen durch Verbrecher. Und da nützt kein Waffengesetz der Welt.

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Ein Kommentar zu “Waffenmißbrauch in den USA”

  1. Es gibt neue Informationen zu den illegalen Waffen in den USA. Erstaunlicherweise sind dabei so gut wie keine Vollautomaten und nur wenige Langwaffen. Im Gegensatz zu den Kinofilmen bevorzugen Verbrecher in den USA Kurzwaffen und keine AR15. Ein großer Teil der halbautomatischen Langwaffen stammt aus China. Wie auch in Europa sind Drogen mit illegalen Waffen verknüpft.
    http://www.smallarmssurvey.org/fileadmin/docs/A-Yearbook/2014/en/Small-Arms-Survey-2014-Chapter-8-EN.pdf

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