Der „gesunde“ Menschenverstand

Man kennt das … da kommen einem die Leute mit ihrem „gesunden Menschenverstand“. Wirft man zur Kontrolle von Behauptungen, die mit „gesundem Menschenverstand“ gemacht wurden, einen Blick in die Statistiken, dann merkt man schnell, daß es mit diesem Konstrukt „gesund“ und „Verstand“ bei vielen Menschen nicht weit her ist.

Über die Jahre habe ich etliche meiner Meinungen, Vorurteile und Prägungen zu den Akten legen müssen. Manchmal war das schmerzhaft, wenn man sich in der Öffentlichkeit mit einer offensichtlich falschen Meinung lächerlich gemacht hat, oder wenn eine seriöse, wissenschaftliche Statistik genau das Gegenteil eines tiefsitzenden Vorurteiles belegte. Es ist hart, wenn man sich eine falsche Haltung angewöhnt hat, und diese dann verändern muß.

Leider halten sehr viele Menschen an ihrem „gesunden Menschenverstand“ fest, selbst dann, wenn man ihnen klipp und klar beweisen kann, daß ihre Meinung falsch und vorurteilsbehaftet ist. Dann hört man den alten Satz „glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“, und ähnlichen billigen Gemeinplätzen, die eine Aussage ungeprüft und pauschal diskreditieren sollen.

Der „gesunde“ Menschenverstand war früher vielleicht mal gesünder (was ich persönlich bezweifle, bis ich statistische Beweise dafür habe). Heutzutage ist es nichts weiter als eine Ausrede, das eigene Denken und Handeln nicht verändern zu müssen.

Es gibt natürlich falsche und gefälschte und missinterpretierte Statistiken. Ein Mensch mit wirklich „gesundem Menschenverstand“ wird diese Daten selbst überprüfen und ihnen nicht blind vertrauen. Als prominentes Beispiel kann man das statistische Material, das die Waffengegner verwenden, genauer ansehen.

Da findet man sehr schnell falsche bzw. verdrehte Zahlen und Behauptungen, die seit Jahrzehnten nicht korrigiert wurden. Dazu Studien, deren wissenschaftlicher Anspruch mehr als zweifelhaft ist, da Quellen, Rahmenbedingungen und Methodik nicht offengelegt sind. Zusätzlich werden alte, überholte psychologische „Erkenntnisse“ bis zum erbrechen widerholt, was diese auch nicht richtiger macht, da neuere Studien längst das Gegenteil belegt haben.

Das sind dann die falschen Studien, denen die Waffengegner vertrauen. Da hegt deren „gesunder Menschenverstand“ keine Zweifel an den Zahlen – schließlich passen sie wunderbar zu den Vorurteilen. Da wird kein Verdacht gehegt, daß die Statistiken, die psychologischen Studien, die soziologischen Behauptungen, überholt, falsch oder gefälscht sein könnten.

Gesunder Menschenverstand? Wer sich darauf beruft, der verwendet ihn meist nicht richtig.

Für simple, primitive Sachen, wie z.B. seine Hand nicht ins Feuer zu legen, reicht der Menschenverstand aus. Sobald es komplex wird, versagt dieser Mechanismus auf ganzer Linie.

2 thoughts on “Der „gesunde“ Menschenverstand”

  1. Wenn ich das so lese kann ich größten Teils nur beipflichten, muss aber zugleich gestehen das ich des öfteren dafür halte, den „gesunden Menschenverstand“ öfter wieder ein zu setzen bzw überhaupt mal wieder zu trainieren und zu fördern.
    Meiner Meinung nach beschränkt dieser sich auf wenige aber essenzielle Dinge:
    Die Fähigkeit sich beide Seiten einer Situation an zu schauen/hören und daraus eine relativ neutrale Beurteilung zu erstellen um sich dann eine eigene Meinung zu bilden.
    Ja ich weiß, das ist recht kurz gefasst, kommt aber der Sache sehr nahe🙂
    Und nein es ist nicht einfach gedanklich erstmal an den Punkt zu kommen um diesen Weg halbwegs beschreiten zu können.
    Je mehr Emotionen dabei sind desto schwieriger wird es .

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