3D-Druck und das Waffenrecht

3D Druck hat das Potenzial für eine neue industrielle Revolution. So wie das Internet den freien Austausch von immateriellen Dingen erheblich vereinfacht hat kann 3D Druck dies, zumindest in gewissem Umfang, für materielle Dinge ermöglichen. Selbst relativ komplexe Formen können so leicht an jedem Ort hergestellt werden.

Wie bei jeder industriellen Revolution wird es dabei Gewinner und Verlierer geben. Verlierer sind  bei solchen Veränderungen letztlich die, die von den alten Strukturen leben und den Wandel nicht mitmachen, sondern verhindern möchten.

Wenn nun jeder Bürger in die Lage versetzt wird Ersatzteile und ganze Produkte als Konstruktion aus dem Internet zu laden und selbst auszudrucken, befürchten schon viele Unternehmen wieder den Untergang der Marktwirtschaft. Dabei wird es nur wieder ein mal zu einer Veränderung kommen, die neue Möglichkeiten für Verbraucher und Anbieter schafft. So wie das Ende der Dampfmaschine nicht das Ende der Industrie war und weder die Audiokassette, noch die CD-R, oder das Internet die Musikbranche umgebracht haben, das hätte diese aber fast selbst geschafft durch ihre lange Weigerung sich den neuen Vertriebswegen anzupassen.

Mit dem 3D Druck wird es ähnlich sein: Ein Teil des Marktes verändert sich, schafft neue Spielregeln und neue Chancen. Aber nicht jeder will sich den neuen Regeln anpassen und so wird aus einigen Ecken immer wieder DRM oder eine andere Art der Überwachung des 3D Drucks gefordert um zu verhindern, dass urheberrechtlich geschützte Formen ausgedruckt werden.

Da dies aber auf nicht viel Gegenliebe stößt, braucht man offensichtlich ein stärkeres Argument. Wie gut, dass es Leute gibt, die sich damit befasst haben Teile von oder sogar ganze Schusswaffen mit 3D Druckern her zu stellen. Jetzt wurde in Japan sogar jemand verhaftet, der sich tatsächlich mehrere Waffen mit seinem 3D Drucker hergestellt hat (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Japan-Verhaftung-wegen-Waffenherstellung-mit-dem-3D-Drucker-2185625.html)

Also hat man da doch ein ganz wichtiges Argument, warum 3D Druck nicht einfach so von jedermann gemacht werden darf!

Nein, hat man nicht. Zumindest nicht mehr Argument als man mit der gleichen Begründung für ein Verbot des freien Verkaufes von Werkzeug hätte. In jedem Baumarkt bekommt man nämlich das Werkzeug und Rohmaterial zu kaufen das man für den Bau einer Schusswaffe benötigt. Immerhin ist die Büchsenmacherei kein ganz neues Handwerk mehr und die Grundprinzipien von modernen Schusswaffen sind seit über 100 Jahren bekannt.

Mit einem 3D Drucker kann man natürlich eine Schusswaffe mit weniger handwerklichem Geschick herstellen. Allerdings mit sehr gemischten Ergebnissen.

Preiswerte Drucker arbeiten nicht besonders präzise, die Teile benötigen viel Nachbearbeitung und das Ergebnis hat gute Chancen nicht zu funktionieren, oder beim ersten Schuss zu explodieren. Drucker die präzise Teile, oder sogar Teile aus Metall, drucken können sind sehr teuer und werden als industrielle Werkzeugmaschinen eingesetzt. Bei weiterer Verbesserung der Technik wird das natürlich zunehmend einfacher. Nur fehlt dann immer noch die Munition.

Schießpulver (bzw. Nitropulver) lässt sich aber mit einem 3D Drucker nicht herstellen. Die Munition muss dann also doch wieder auf dem Schwarzmarkt erworben werden, wo man für wenige hundert Euro auch illegal Waffen aus industrieller Produktion bekommen kann (von der Polizei geschätzt wird, dass etwa 20-30 Millionen illegale Waffen in Deutschland existieren).

Bleibt das Argument, dass die Plastikpistole aus dem 3D Drucker sich nicht mit dem Metalldetektor finden lässt. Zumindest bleibt das Argument so lange bis man es sich wirklich ansieht. Da ist dann wieder das Problem der Munition. Plastikgeschosse haben nur eine sehr eingeschränkte Wirkung, ein Metallgeschoss findet der Detektor. Und normale Schusswaffen sind aus gutem Grund aus Metall. Plastik ist schlecht dazu geeignet den Kräften und dem heißen Gas eines Schusses stand zu halten. Die Waffe wird so zum erheblichen Risiko für den Schützen.

Was bleibt also übrig? Ein neuer Weg entweder eine sehr teure, oder eine extrem unzuverlässige Waffe zu produzieren für die man dann immer noch keine Munition hat. Gegenüber den Optionen mit frei erhältlichem Werkzeug eine Waffe zu bauen, oder gleich auf dem Schwarzmarkt zu kaufen ergibt sich also keine nennenswerte Verschlechterung der Sicherheitslage.

Offensichtlich ist die tatsächliche Absicht den 3D Druck an die Kette zu legen. Dazu wird die weit verbreitete Angst vor illegalen Schusswaffen instrumentalisiert. Bleibt nur der Rat sich keine Angst einreden zu lassen, 3D Druck ist keine gefährliche Technologie und muss frei bleiben.


Umfangreicher Artikel zum Thema:https://waffr.piratenpad.de/3Ddruck

Anmerkung:
Das ist eine Pressemeldung, die von der AG-Waffenrecht in der Piratenpartei für die Piratenpartei erstellt wurde. Autor: @TheBug0815

One thought on “3D-Druck und das Waffenrecht”

  1. Dazu sind durchaus einige ergänzende Anmerkungen nötig.
    Der in den Medien ins völlig unsachliche gehypte Waffendruck ist natürlich mit den bezahlbaren Druckern ein nicht ungefährlicher Witz. Immerhin lassen sich damit einfache Treibspiegel und Magazine jeder Art fertigen, zwei Bereiche die von Waffengegnern gerne mit extremer Kontrolle überzogen werden . Diese Druckerspielereien zeigen auch dem letzten Einfältigen das hier eine wirksame Kontrolle nicht möglich ist!
    Das war zwar auch vor den Plastikspritzen nicht möglich, aber ein Mindestmaß an handwerklichen Fähigkeiten war schon erforderlich.
    Waffen aus dem Baumarkt und die zugehörige Munition sind schon länger Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, nur um mal wieder hierauf zu verweisen:

    Pfeiffer, F. (2011): Wer keine Waffe hat kann nicht schießen!?–HÖV, Bremen.

    Darin wird gezeigt das weder Schusswaffe noch Munition durch das WaffG irgendwie wirksam in der Verbreitung beschränkt werden können.
    Auch alle Komponenten für Munition sind, entgegen den Bestimmungen der Norm SprengG allgemein zugänglich und jederzeit verfügbar.

    Ausf die üblichen, deliktrelevanten Schussdistanzen, sind nicht metallische Geschosse gegen Weichziele durchaus ausreichend wirksam, zudem haben auch die üblichen Detektoren mit einigen Metallen schon Schwierigkeiten.

    Zudem sind seit Jahrzehnten Kurzwaffenrohre aus „metallfreier“ Hochleistungskeramik verfügbar, Waffenteiel aud Kohlefasermaterial auch, nur um auf die allgemeien Sicherheitslage zu verweisen. Da stellen Billigplastepistolen absehbar kein erweitertes Risiko dar.

    Gruß Peter

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