Statistik – der Zusammenhang zwischen Waffen und Gewaltverbrechen

Der Volksmund geht von der Prämisse aus: „Mehr Waffen, mehr Verbrechen – also auch mehr Tote“.

Wenn aber Wissenschaftler und Forscher wie John Lott, Gary Kleck oder Dr. Christian Westphal diverse Statistiken auf den Wahrheitsgehalt dieser Annahme überprüfen, dann stellt sich immer heraus, daß eher das Gegenteil der Fall zu sein scheint.

In diesem ausgezeichneten Blogbeitrag von Volker werden die verfügbaren Zahlen aus den USA graphisch aufbereitet. Volker zeigt sehr gut auf, was es mit den „amerikanischen Verhältnissen“ wirklich auf sich hat: http://volkert.caliber-corner.de/2014/07/25/amerikanische-verhaeltnisse/

Und dieser Artikel belegt, daß in einer Hochburg des Verbrechens die Kriminalität massiv einbricht, sobald den Bürgern erlaubt wird, eine Schußwaffe zur Selbstverteidigung zu führen: Here’s What Happened to Crime in Chicago After Illinois Finally Passed Concealed Carry Law

Der geographische Faktor

Noch ein wichtiger Hinweis, der nicht in die Ausführungen von Volker eingeflossen ist: Es gibt einen messbaren und signifikanten Einfluß der geographischen Position eines Ortes auf Gewalttaten. In nördlicher gelegenen Regionen kommt es augenscheinlich zu weniger Gewalt als in südlicheren Gegenden. Hitzköpfe sind häufig weiter im Süden zu finden, während die kühlen Köpfe sich eher im Norden sammeln.

In dieser Untersuchung der beiden Psychologen  Nesbitt und Cohen wird klar festgestellt, daß es im Süden der USA wesentlich gewalttätiger zugeht als im Norden: http://www.press.uchicago.edu/Misc/Chicago/712842.html

Es scheint – wie in vielen Teilen der Welt – ein Problem mit „Stolz“ und „Ehre“ zu geben. Das Exzerpt aus dem Buch „Culture of Honor“ ist zwar ein ziemlich langer, aber sehr erhellender Text, der auch erklären könnte, warum Menschen mit Herkunft aus südlichen Ländern eher zu Streit und Gewalt neigen als Menschen, die aus nördlicheren Regionen kommen. Das ist ein kulturelles Phänomen, das sich aber auch abschwächt, weil Menschen sich an ihre Umgebung anpassen. Dennoch ist die Gewaltrate durch Menschen mit südlicher Herkunft meßbar höher. (An dem Klischee „Temperament wie ein Südländer“ ist was dran und es ist wissenschaftlich belegbar).

Noch ein Artikel, der belegt, daß Menschen, die aus südlich gelegenen Bundesstaaten der USA kommen eher zu Gewalt neigen.
http://crimeclt.blogspot.de/2011/04/south-most-violent-region-in-nation.html

Auch belegen diese Studien, daß Gewalt ein gesellschaftliches Problem ist und keines, das mit Testosteron oder Waffenbesitz zusammenhängt. In Texas ist legaler Waffenbesitz sehr häufig – trotzdem ist die Verbrechensrate (vor allem in den Städten) recht hoch. Dies ist aber der „Gang-Culture“ in den großen Städten, aber auch zunehmend in ländlicheren Gegenden, geschuldet und nicht dem legalen Waffenbesitz gesetzestreuer Bürger. Die Gangs legen sehr großen Wert auf ihr Territorium, auf Stolz und Ehre. Diese „Werte“ werden prinzipiell mit Gewalt verteidigt. Nur selten kommt es zu zu brüchigen Allianzen.

Es lassen sich für die USA ein paar sehr signifikante Muster ausmachen, wo die Gründe für Gewalt (auch Waffengewalt) zu suchen sind:

  1. In Städten ist die Kriminalität traditionell höher. Wo es viele Menschen gibt, kommt es auch zu mehr Gewalt (Bevölkerungszusammensetzung, Arbeitslosigkeit, Ghettoisierung, etc.)
  2. Ethnische Unterschiede (je höher der Anteil an Schwarzen und Latinos, desto mehr Gewalt. In homogeneren Umgebungen kommt es, auch im Süden, zu weniger Gewalt. Schlechte Nachricht für „Multi-Kulti“, aber das geben inzwischen auch viele Verfechter dieser Ideologie zu).
  3. Soziale Unterschiede. Da Schwarze und Latinos oft schlechter qualifiziert sind, bekommen sie nicht so leicht Arbeit und rutschen schneller in Arbeitslosigkeit und Kriminalität ab. Gleiches gilt für „White Trash“ – Weiße, die ebenfalls nicht ausreichend qualifiziert sind). Gegenbeleg sind die Einwanderer mit asiatischen Wurzeln, die sehr viel Wert auf gründliche Ausbildung und Integration legen.Gewalt entsteht auch sehr viel häufiger in Bereichen wo Menschen fast ausschließlich von staatlicher Hilfe leben. Eine Frage von Motivation und Selbstverständnis?
  4. „Gang-Culture“ – ein Phänomen, das es in Deutschland in dieser extremen Ausprägung nicht gibt. (Wer sich die unglaublichen Auswüchse in den USA ansehen will: Es gibt eine etwas reißerische aber sehr informative Doku-Serie darüber). Gerade in der Gang-Culture manifestiert sich der Glaube, daß sich Verbrechen eben doch lohnt. Schnell und einfach verdientes Geld, wenn man nur brutal und rücksichtslos genug ist.
  5. Ökonomische Gründe. Wirtschaftliche Probleme, Niedergang der Industrie, hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Ausbildung und schwindende Arbeitsplätze verschärfen das Problem.
  6. Geographische Lage. Wie oben angemerkt ist die „Stolz-und-Ehre-Kultur“ in südlichen Ländern stark ausgeprägt.
  7. Rassismus ist in den USA – wie in vielen anderen Ländern auch – stark ausgeprägt und sorgt für Vorurteile und Benachteiligung. Rassismus geht davon aus, daß andere Ethnien weniger leistungsfähig, intelligent, oder lernfähig sind, als „Weiße“. Ein Trugschluß, der leicht widerlegt werden kann, wenn die Chancen-Gleicheit verbessert und auch angenommen wird.
  8. Jeder US-Bundesstaat ist unabhängig von Washington, hat eine eigene Regierung und ein eigenes Rechtssystem. Jedes Kaff hat eine eigene Polizei, mit eng begrenzter Jurisdiktion und unterschiedlichen finanziellen Mitteln. Die Gesetzeswerke ähneln sich zwar weitgehend, haben aber teilweise signifikante Unterschiede, wie z.B. Revolving-Door-Justice – wo Straftäter gleich wieder auf freien Fuß gesetzt, statt verurteilt und eingesperrt zu werden. Ähnliches lässt sich auch in vielen Fällen bei der deutschen Justiz beobachten.

Fazit: Es sind halt nicht die Waffen – schon gar nicht die legalen Waffen – die Gewalt und Verbrechen begünstigen. Es sind primär die ökonomischen, die gesellschaftlichen und die sozialen Faktoren, die dazu führen.

Gegen die illegalen Waffen der Verbrecher ist kein Kraut gewachsen. Kein Gesetz kann sie eindämmen – sie sind ja längst verboten.

3 thoughts on “Statistik – der Zusammenhang zwischen Waffen und Gewaltverbrechen”

  1. Vielen Dank für den Hinweis auf den geographischen Faktor.
    Ich schaue mir die Quelle mal bei Gelegenheit genauer an.
    Allerdings werde ich, wenn überhaupt, nur sehr vorsichtig auf diese Thematik eingehen. Zu leicht wird man sonst das Opfer der Bessermenschen. Die sind nämlich alle im Besitz einer Waffe die imho gefährlicher ist als jede Handfeuerwaffe:

    Grüße
    volker t

    1. Tja – wenn man gegen vorherrschende Ansichten und Ideologien mit Fakten angeht, dann wird gerne scharf geschossen. Geht ja gar nicht, wenn die vorherrschende und politisch korrekte Meinung mit belegbaren Tatsachen widerlegt wird, obwohl man die Realität plakativ und offensichtlich vor Augen hat. Kennt man ja zur Genüge, dieses Verhalten …

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