Vorurteile

Was haben sich Sozialpsychologen abgestrampelt, um die Grundlagen von Vorurteilen deutlich zu machen. Vorurteile haben sie als Urteile auf Basis von Null- bis keiner Information beschrieben, Urteile aufgrund irrelevanter Merkmale, die eben einmal absolut gesetzt werden, Urteile aufgrund von Emotionen.

Vorurteile sind ein Shortcut, der genutzt werden soll, um sich in der Welt zurecht zu finden. Insofern entsprechen sie dem Stereotyp. Sie unterscheiden sich jedoch in einer Reihe von Punkten von Stereotypen, die im Gegensatz zu Vorurteilen nützliche kognitive Verkürzungen darstellen, die Orientierung geben. Dagegen hindern Vorurteile bei der Orientierung, denn sie sind (1) auch durch empirische Fakten nicht zu korrigieren, basieren (2) auf affektiven Reaktionen, die keiner sachlichen Diskussion zugänglich sind und werden (3) ohne Ansehen der Person auf Angehörige einer bestimmten Gruppe übertragen.

[…]

Man kann also feststellen:

  • Vorurteile sind nicht veränderbar und gegen jede Art von falsifizierenden Fakten resistent.
  • Sie werden als Wall gegen die Realität errichtet, um keine falsifizierenden Fakten zur Kenntnis nehmen zu müssen.
  • Sie basieren auf Emotionen und sind deshalb keiner Veränderung zugänglich.

Entsprechend stellen sich die Träger von Vorurteilen als unfähig und unwillig dar, mit einer komplexen Umwelt umzugehen und sich an die Veränderungen der sie umgebenden Umwelt anzupassen.

Seltsamerweise finden wir viele Personen, die mit Vorurteilen hantieren, als hinge ihr Überleben an deren Aufrechterhaltung, ausgerechnet unter denen, die von sich behaupten, sie seien offen, sozial, gut, fortschrittlich, an der Emanzipation aller interessiert und wollten nur das Beste, jedenfalls für sich und ihresgleichen.

Das Zitat habe ich aus einem Artikel von Sciencefiles.org geklaut. (Original-Quelle)
Da geht es eigentlich vor allem um Sozialwissenschaften, Gender, etc. Die Autoren sind selbst Sozialwissenschaftler, allerdings welche von der seltenen Sorte, die tatsächlich auf wissenschaftlicher Grundlage arbeiten und gegen das ideologische Geschwurbel antreten, das viele der heutigen Sozialwissenschaftler auszeichnet.

BTT: Jedes Vorurteil — egal ob es gegen Schwule, Heterosexuelle, Linke, Rechte oder auch Waffenbesitzer geht — ist ein Armutszeugnis für denjenigen der es äußert. Besonders irritiert mich, daß gerade Leute, die von sich behaupten intellektuell, progressiv und aufgeschlossen zu sein, erstaunlich häufig mit solchen Vorurteilen „argumentieren“.

Beispiel: „Jeder Waffenbesitzer wird früher oder später jemanden umbringen, weil Waffen töten“. Ein klassisches, häufig geäußertes Vorurteil. Es impliziert, daß Waffenbesitzer gefährlich sind, weil sie Waffen haben. Es impliziert weiterhin, daß eine Waffe von sich aus tötet oder zumindest ihren Besitzer zum töten anstiftet. [1]

Jede halbwegs intelligente Person mit gesundem Menschenverstand, wird über solche Aussagen lachen und sie leicht zu widerlegen wissen. Nur, daß jedes logische und sachliche Gegenargument an einer Mauer von Ignoranz, Arroganz und Inkompetenz abprallt. Das sind die Auswirkungen von Vorurteilen, denen man täglich ausgesetzt ist.

Es geht nicht um lernen, begreifen und wissen. Es geht nur darum, recht zu haben — um jeden Preis. Realität und Wissenschaftlichkeit stören nur in einer Welt, die von Meinungen, Annahmen, Vorurteilen und Ängsten regiert wird.

Menschlich … allzu menschliches …

[1] Nach dieser (meist absolut gesetzten) Annahme ist dann jeder, der ein Feuerzeug mit sich herumträgt ein potenzieller Brandstifter und Feuerteufel, jeder Computerbesitzer ein potenzieller Hacker und CyberKrimineller, jeder Messerbesitzer ein Messerstecher, jeder Kamerabesitzer ein Kinderschänder, jeder Autofahrer ein mörderischer Raser …

Natürlich ist niemand frei von Vorurteilen. Sie sind ja auch ausgesprochen bequem. Man sollte allerdings nicht blind an seinen Vorurteilen festhalten, sonst setzt man sich selbst ins Unrecht.

„Das Vorurteil ist einer der größten Schurken in der Besetzungsliste der Geschichte. Es benutzt die blanke Unkenntnis als Waffe.“
―Peter Ustinov

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