Gewaltmonopol und Opferhaltung

Weil ich gerade drüben bei Katja die Zwischenüberschrift ”Vertrauen in das Gewaltmonopol des Staates ist nicht vorhanden” gelesen habe …

Das Gewaltmonopol ermächtigt die damit Betrauten, Gewalt im Auftrage der Gesellschaft – im Rahmen der gültigen Gesetze – auszuüben.

Es bedeutet nicht, daß niemand Gewalt (z.B. im Zuge der Selbstverteidigung oder der Nothilfe) ausüben darf. Wenn ich angegriffen werde, habe ich das Recht mich zu verteidigen. Dazu gibt es im Strafgesetzbuch die §§ 32 – 35 und im ”Bürgerlichen Gesetzbuch” die §§ 227 – 231.

Es ist eigentlich einfach, zwischen diesen erlaubten Gewalthandlungen und der verbotenen Selbstjustiz zu unterscheiden. Trotzdem scheint es, als könnten das vor allem Journalisten und Politiker nicht. Auch Leute, die gebetsmühlenartig wiederholen, daß nur ”der Staat” zur Ausübung von Gewalt berechtigt sei, haben offensichtlich Probleme bei dieser eigentlich sehr simplen Differenzierung.

Woran liegt das?

Ein Grund könnte sein, daß viele Leute die betreffenden Gesetze nicht kennen, aber andererseits sollte der gesunde Menschenverstand zwischen diesen Sachverhalten, auch ohne Gesetzeskenntnis problemlos unterscheiden können.

Auch ein ”Vogel-Strauß-Verhalten” wäre denkbar. Echte Gewalt ist den meisten von uns fern. Deshalb sieht man nicht hin und verdrängt, daß manche Gefahren in der Statistik wahrscheinlicher sind als andere. (Die Wahrscheinlichkeit, daß man Opfer einer schweren oder gefährlichen Körperverletzung wird liegt immerhin bei ca. 1:600. In Großstädten liegt diese Wahrscheinlichkeit viel höher, auf dem Land viel niedriger, aber sie ist immer präsent. Auch in vermeintlich ”sicheren” Gegenden).

Ein weiterer Grund dürfte sein, daß für die meisten Leute Gewalt etwas sehr abstraktes ist. Etwas, was man im Fernsehen in den Nachrichten, oder im Krimi sieht (vielleicht sogar goutiert, in der Sicherheit des eigenen Fernsehsessels), oder in der Tageszeitung liest. Viele Menschen zucken aber schon bei einem lauten Wort zusammen, oder versuchen sich zu verkriechen, wenn ein paar Meter entfernt ein lautstarker Streit statt findet.

Kaum jemand kennt echte Gewalt und fast jeder macht sich selbst zum leichten Opfer, da wir es eben nicht gewohnt sind, unsere unsere gesetzlichen Rechte und unsere unveräußerlichen Menschenrechte aktiv zu verteidigen.

Wir können als Gesellschaft immer weniger mit Gewalt, die uns entgegengebracht wird, angemessen reagieren. Immer häufiger ruft man den ”Großen Bruder” in Form der Staatsmacht. Aber in vielen Fällen kommt die Staatsmacht zu spät. Denn das ”Machtmonopol” ist so gut wie nie vor Ort, wenn es darum geht, Gewalt von den Bürgern abzuwenden. Also ist Selbsthilfe angesagt.

Selbsthilfe kann viele verschiedene Formen annehmen.

Die Polizei rät Verbrechensopfern auf keinen Fall Widerstand zu leisten und alles zu tun, was der Verbrecher will, in der irrigen Annahme, daß, wenn es nur um Sachwerte geht, diese leicht zu verschmerzen sind. Aber was ist mit der Psyche der Opfer? Diese wird ebenfalls schwer beschädigt. Sogar Leute, die nicht direkt betroffen sind wie Zeugen einer Gewalttat kann das treffen: http://de.wikipedia.org/wiki/Posttraumatische_Belastungsstörung

Verbrecher und Gewalttäter wissen darum, daß sich 1.) die allermeisten Leute nicht selbst verteidigen können oder wollen und 2.) daß die Behörden den Bürgern raten, brave Opfer zu sein, damit ”die Situation nicht eskaliert” – dabei ist die Situation schon eskaliert und müsste nachdrücklich und konsequent beendet werden.

Sicher – niemand kann gezwungen werden, sich selbst zu verteidigen. Das wäre auch gegen die persönliche Selbstbestimmung und die Freiheit des Einzelnen gerichtet. Aber anders herum, kann man aus denselben Gründen auch nicht die Selbstverteidigung für alle verbieten, nur weil man selbst zu feige, nicht willens, oder nicht in der Lage ist, sich zu verteidigen.

Der Ratschlag der Behörden, ein gutes, willfähriges Opfer zu sein, ist Unsinn. Damit ermuntert man die Verbrecher nur. Wenn es die Situation und die eigenen Fähigkeiten erlauben, dann sollte man einem Verbrecher oder Gewalttäter deutlich zeigen, was man von seinem Ansinnen hält.

Es kann nicht angehen, daß die Behörden dem Verbrecher quasi die Arbeit erleichtern, indem sie dem Bürger von Selbstverteidigung abraten und im gleichen Zug auch noch sämtliche effektiven Verteidigungsmittel verbieten, oder so regulieren, daß sie wirkungslos werden.

Gewaltfreie Kommunikation und Deeskalationsstrategien sind sicher interessante Werkzeuge. Aber sie helfen nur sehr begrenzt in solchen Situationen. Im Gegenteil – das kann es in Einzelfällen sogar schlimmer machen.

Deshalb: ”Sei friedlich und freundlich, aber trage immer eine Waffe.”

Jetzt kommt natürlich das Argument, daß eine Waffe einem ein falsches Selbstbewusstsein verschaffen würde. Das ist nur begrenzt richtig. Denn ein unsicherer Mensch, der eine Waffe trägt, verändert sein Verhalten. Er geht und steht anders und strahlt Selbstvertrauen und Kraft aus. Die gesamte Körpersprache verändert sich und Verbrecher sehen so etwas. Verbrecher und Gewalttäter gehen instinktiv auf schwächere, nicht verteidigungsbereite Menschen, los. Wer aber mit selbstbewusster Körperhaltung daherkommt, der strahlt eben Stärke aus und kennzeichnet sich dadurch als Gegner – nicht als Opfer.

Wir müssen als Bürger aus dieser anerzogenen Opferhaltung raus. Sie erleichtert Verbrechern und Gewalttätern ihre Arbeit und lässt die Opfer mit seelischen Schäden zurück, die nicht weniger schlimm sind als physische Wunden.

Dazu müssen wir unsere innere und äußere Haltung ändern – auch gegenüber gewissen ”Autoritäten”, die sich anmaßen zu wissen, was gut für uns ist. „Autoritäten“, die durch Personenschutz und andere, privilegierte Mechanismen vor der Realität, der die normalen Bürger täglich ausgesetzt werden, geschützt sind.

8 thoughts on “Gewaltmonopol und Opferhaltung”

  1. Eben, das Gewaltmonopol begründet hoheitliches Handeln und hat nichts mit „Gewalt“ zu tun.

    Mit dem Notwehrrecht allerdings auch nicht. Richtig ist das der angemessene Umgang mit verschiedenen Stuifen von Gewalt nicht mehr gelernt wird, wer sich dafür interessiert wird bestenfalls als seltsam angessehen. Eigentlich muss die ganze Palette von Deeskalation bis zum Kampf ums Überleben mit allen Mitteln bekannt sein, um zweckmäßig handeln zu können. So wie bisher züchtet die Gessellschaft nur wehrlose Schafe, wobei das vielleicht auch gewollt ist?

  2. Justiz kann mehr als lustig sein. Wo du bei dem einen Richter eine ziemlich üble Strafe bekommen würdest kannst du bei einem anderen Richter fast schon mit Freispruch und Schadenersatz nach Hause gehen. Wen wundert es also das die Deutsche Justiz etwa 600 Fehlurteile pro Tag (!) tun soll. Rechnet man sich das Unrecht zusammen bleibt vom dem was eigentlich Gesetz ist kaum noch was übrig und natürlich mag die Spitze des Eisberges darin liegen das jene die da falsch geurteilt haben ohne große Folgen rechnen müssen und weiter munter in Amt und Würden die absurdesten Dinge , auch in deinem Namen tun. Wenn der Mensch nicht so grenzenlos Wahnsinnig wäre bräuchten wir lediglich die Grundgesetze oder wer es biblisch mag die zehn Gebote.

  3. Nachtrag…. für all meine Kritiker die denken ach der alte Levi der spinnt:

    schaust du hier:
    http://www.sueddeutsche.de/panorama/unschuldig-hinter-gittern-wie-die-deutsche-justiz-ihre-opfer-im-stich-laesst-1.1456053

    http://www.spiegel.de/thema/justizirrtuemer/

    … man man sich selbst die Mühe macht wird man auf wahrlich extrem schlimme Aspekte kommen die Tag ein tag aus Tatsache in Deutschland und anderen Ländern sind.

    1. Solange noch so ein absurdes Verfahren, wie beim NSU-Komplex möglich ist, fällt es schwer noch unglaubwürdigere Geschichten zu erfinden!

      Und der Fisch stinkt auch hier vom Kopf her, wenn schon Parteien die Posten der Bundesrichter unwidersprochen besetzen dürfen!

      Weisungsgebundene StA´n tun dann ein übriges….

  4. Das Perfide am Ganzen ist doch dass man ständig von Personen, die angeblich das Gewaltmonopol unseres Staates vertreten, aufgefordert werden sich nicht gegen Gewalt und Raub zu wehren.

    Gleichzeitig fordern genau diese Personen, die selber rund um die Uhr durch Personenschützer,
    gepanzerte Autos und Alarm gesicherte Villen geschützt sind, sich vor die Kameras stellen
    und vom Bürger Zivilcourage fordern.
    Doch was ist wenn ein Bürger Zivilcourage zeigt ? Eigentlich genau das Gegenteil was erstens vom Bürger gefordert wird : sich vor der Gewalt zu beugen.

    Der couragierte Bürger ruft 110. Der couragierte Bürger wird zum Zeuge. Der Couragierte Bürger wird zur Aussage vor Gericht geladen. Der couragierte Bürger wird von dem Täter, oder seiner Sippe, bedroht und zieht seine Aussage zurück…

    Der couragierte Bürger mischt sich ein. Er kann das Verbrechen verhindern und der Täter wird verhaftet. Der Täter, natürlich durch einen guten Anwalt vertreten, zeigt den couragierten Bürger wegen unverhältmässige Gewalt gegen seine Mandanten an….und wird für sein engagiertes eingreifen- bestraft.

    Der couragierte Bürger wehrt sich wehemend gegen einen Angriff ,seiner Unversehrtheit, Raub Überfall, versuchte Vergewaltigung. Der/die Täter werden durch die Gegenwehr verletzt oder sogar getötet. Der couragierte Bürger, bzw. Bürgerin muß sich danach wegen schwerer Körperverletzung und/oder fahrlässigen Totschlag vor Gericht verantworten…

    Die Täter, womöglich mit Migrationshintergrund, bekommen Bewährungsstrafen, Sozialstunden
    (was auch immer das ist) oder Aggression abbauende Maßnahmen in Übersee. Vom deutschen Steuerzahler zu zahlen.

    Das Opfer jeder Gewalttat bleibt alleine. Kein runder Tisch, keine Lichterketten…keine Mitleid.

    Und „ALLE“ wundern sich warum es PEGIDA gibt ?

    VIRIBUS UNITIS!

    1. Jan,
      das unsser politische Klasse weitgehend schmerzfrei und saturiert ist, muss mir keiner erzählen.Die wissen durchaus das Sie sehr priviligiert sind und warum sollte sich dann etwas ändern? Der Bürger ist als ungehorsames Stimmvieh eh ersetzbar, zum Beispiel durch besonders gepamperte Einwanderergruppen die dann hofentlich auch die „richtige“ Partei wühlen, sobald sie dürfen…

      Das angesprochene Problem mit der Würdigung von Notwehrhandlungen ist durchaus zweiseitig! Vielen Bürgern fehlt schlicht die Ausbildung zur Lageeinschätzung sowie die Rechtskenntnis. Dazu kommt auch ein bemerkenswert überentwickeltes Täterverständnis durch verwirrte Sozialromantiker und Medien.

      Auch wird von Justiz und Politik das Clan-Problem noch weitgehend ignoriert, außer die Herrschafften werden selbst bedroht oder, wie neulich in Bremen vorgeführt. Dort wollte offenkundig die OK dem genehmen Innensenator einen Gefallen tun und hat mit Schauermärchen über Waffenanfragen durch Islamisten eine ziemliche Welle verursacht. Bis mal die Kollegen nachgerechnet haben was die Transportgewichte angeht…
      Aber bezeichnend wie reaktionslos die Bürgerschaft solche Unfähigkeit in der Gefahrenabwehr hinnimmt!

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