Warum schweigen die Lämmer?

Professor Dr. Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ – Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements.

Vortrag an der Christian Albrechts Universität Kiel, am 22.06.2015

Sehr empfehlenswert:

9 thoughts on “Warum schweigen die Lämmer?”

  1. Die Berichterstattung über den Amoklauf ist geardezu ein Lehrbuchbeispiel für das Empörungs- und meinungsmanagement:
    * Narkotisierung der Rezipienten durch Informationsflutung
    * Erzeugung von Furcht (Es könnte uns alle treffen)
    * Festlegung des Meinungsspektrums
    * Ständige Wiederholung zur Steigerung eines vermeintlichen Wahrheitsgehaltes

    Habe dazu einen Blogbeitrag verfasst:
    http://volkert.caliber-corner.de/2015/07/24/der-amoklauf-von-leutershausen/

    1. Interessant auch die Betonung des Cannabiskonsums. Es kommt recht selten vor, daß Cannabis Psychosen auslöst – in klinischen Versuchen wurde belegt, daß die Droge sogar konträr wirken kann. In Verbindung mit einer Schizophrenie allerdings kann Cannabis Krankheitsschübe auslösen.

      Tatsache ist auch, daß es in Deutschland viele 100.000 Cannabis-Konsumenten gibt, die keinerlei Anzeichen von irgendwelchen geistigen Störungen zeigen. Es muß also schon eine psychische Disposition angelegt sein, damit Cannabis so einen radikalen Effekt haben kann.

      Eine psychische Krankheit, in Verbindung mit Psychopharmaka und Cannabis wird vermutlich eher zu Halluzinationen und Psychosen führen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist zumindest erhöht.

      Daß der Täter Esoteriker sein und archaische Rituale durchgeführt haben soll, ist auch so eine Nebelkerze. Alles außerhalb des jüdisch-christlich Weltbildes ist der breiten Masse weitgehend unbekannt. Esoterik wird auch schnell mit Satans-Kult und Dämonenbeschwörung gleichgesetzt. (Daß gerade die christlichen Kirchen auch nichts anderes machen als „archaische“ und – für Außenstehende – geradezu absurd erscheinende Rituale durchzuführen, die aber quasi gesellschaftlich anerkannt sind, macht solche Anmerkungen geradezu lächerlich).

      1. Wenn der Täter bereits an einer Psychose litt, welche wahrscheinlich mit Psychopharmaka „therapiert“ wurde ist das schon gefährlich genug.
        http://www.welt.de/fernsehen/article113712547/Die-moerderischen-Nebenwirkungen-von-Glueckspillen.html
        Wenn dann noch weitere psychoaktive Substanzen ( hier Cannabis) unkontrolliert ins Spiel kommen wird es u.U. brandgefährlich.

        Dass der Täter irgendwelche esoterischen Kreisen anhing könnte ein Zeichen für eine etwas divergente Realitätswahrnehmung sein.

        Von der Religion zum Wahn und umgekehrt ist es manchmal nur ein kleiner Schritt.
        .

        1. Wahn kann sich auf die unterschiedlichsten Arten äußern. Übersteigerte Religiosität ist nur eine davon.

          Ähnlich wie bei Ballerspielen sind das meist Symptome eines tieferliegenden Problems.

  2. Ein ganz netter Vortrag. Aber streitbar. Prof. Mausfeld beteuert zweimal, daß man den Manipulationen des „Meinungs- und Aufmerksamkeitsmanagements” selbst dann nicht entgehen kann, wenn De- und Rekontextualisierung von Fakten (vulgo: Lügen) rational faßbar sind. M. E. gibt es genau zwei Wege aus diesem Dilemma: den passiven hat Homer an Odysseus vorgeführt (schränke deine Handlungsfreiheit so ein, daß du dem gesäuselten Meinungsgift absolut gar nicht erst folgen kannst), der aktive bestünde darin, den Sirenensang gar nicht erst entstehen zu lassen (bei Odysseus‘ Crew halfen notfalls Ohrstöpsel aus Wachs; radikaler wäre das Vernichten der manipulativen Infrastruktur). Aber ist die Situation schon reif für eine solche radikale Lösung (weil nämlich u.. a. nicht mehr in der Lage ist, die Vorbereitung oder gar Durchführung derartiger Veränderungen zu verhindern)?

    1. Ich würde den Sirenen-Viechern ja mit einer Schrotflinte und Ohropax zu Leibe rücken. Leider erlaubt das Gesetz so radikale Lösungen mit zweifelhafter Wirkung nicht.

      Man muß wohl abwarten, bis der Zeitgeist endlich begriffen hat, daß man das Ende der Fahnenstange erreicht hat.

      1. … die Verschrotflintung wäre ein Lösungsvorschlag, der der zweiten Strategie entspricht, mit der im Vortrag genannten Manipulation umzugehen.

        Was mich in diesem Zusammenhang aber auch brennend interessiert, ist das von Dir genannte „Ende der Fahnenstange”. Wird der Zeitgast diesen Zustand sehen, akzeptieren und als Startpunkt nuer Handlungsmaximen erkennen können? Und werden dann neue Manipulationsstrategien angewandt? Oder kommt es einfach zu einer (erneuten) Umwertung der Werte: Fahnenstange ist blöd – zurück zu den „Wurzeln”?

        1. Hm – so, wie viele Leute heutzutage reagieren, rechne ich eher mit einer Werteverdrehung via Neusprech. Das „zurück zu den Wurzeln“ schwebt immer im Raum, ist aber konservativ und wird deshalb von den ewiggestrigen „Progressiven“ abgelehnt werden.(Hatte mich erst vertippt und „Prograssiven“ geschrieben – passt auch ^_^).

          Freudiges anerkennen von Fehlern und entschlossene Korrektur hat, meiner Meinung nach, in der Geschichte noch nie stattgefunden.Der Zeitgeist ist leider in seiner Wahrnehmungsfähigkeit recht eingeschränkt.Aber mit anderen Manipulationsstrategien darf man rechnen – allerdings keine „neuen“, sondern die alten in neuem Gewand und in anderen Farben.

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