Ein paar Gedanken zur Waffenschein-Debatte

Im vorherigen Beitrag ging es um die Petition „Waffenscheine für Frauen„. (Was ungerecht wäre, weil Männer sogar in höherem Maße von Gewalt betroffen sind, wie die Statistiken beweisen). Gehen wir also von Gleichberechtigung – wie im Grundgesetz Artikel 3 gefordert – aus und beziehen wir uns auf beide Geschlechter.

Der Art. 2, Absatz 2, im Grundgesetz lautet:

(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.

Daraus folgen u.a. die Paragraphen 32 – 35 StGB

… und die entsprechenden Regelungen.

Die Forderung ist ja nicht „Waffen für Jedermann“ – sondern Schußwaffen für Leute, die sich bedroht fühlen. Im Prinzip müsste Selbstschutz/Selbstverteidigung als Bedürfnisgrund für die Behörden völlig ausreichen. Trotzdem wird dieses Bedürfnis von den Behörden nur extrem selten anerkannt und von der Politik seit Jahren mehr und mehr eingeschränkt.

Auch werden andere Hilfsmittel zur Selbstverteidigung immer stärker reguliert und sogar verboten. So sind Elektroschocker nur noch mit Zertifikat erlaubt, Teleskopschlagstöcke darf man besitzen, aber nicht mitführen und Pfefferspray ist prinzipiell nur zur Tierabwehr erlaubt. CS-Gas hat meist eine bescheidene Wirkung und für Schreckschußwaffen braucht man einen kleinen Waffenschein – wenn man die Waffe außer Haus mitführen will. Entsprechend gibt es Einschränkungen für Messer – aber kein halbwegs intelligenter Mensch möchte einen Gegner so nahe heran kommen lassen, oder?

Daraus folgt, daß der gesetzestreue Bürger immer mehr in seinen Möglichkeiten eingeschränkt wird – im Gegenzug aber die Position des Täters gestärkt wird. Anscheinend will man keine wehrhaften Demokraten, sondern Opfer.

Was für Voraussetzungen sollte man für einen Waffenschein ansetzen?

Zunächst einmal die Bedingungen, die heutzutage schon an jeden Sportschützen gestellt werden:

  • Zuverlässigkeit
  • geistig und körperlich fähig mit Waffen umzugehen
  • Waffensachkunde
  • regelmäßiges Training
  • sichere Aufbewahrung (wenn die Waffe nicht getragen wird)

Sollte man den geistigen Zustand des Antragstellers überprüfen?

Darüber kann man steiten. In Östereich ist eine MPU in manchen Fällen Pflicht, in anderen Ländern interessiert das überhaupt nicht. Tatsache ist, daß eine MPU immer nur eine Momentaufnahme ist und die Kriterien, nach denen getestet werden soll, reichlich unzuverlässig zur Beurteilung sind. Man könnte beim lesen der Testfragen den Eindruck bekommen, daß da nur jemand Geld machen will, ohne tatsächlich valide Ergebnisse liefern zu können. Meiner Meinung nach, kann man drauf verzichten. Das ist so ein typischer Versuch Scheinsicherheit zu erzeugen.

Was wäre zwingend notwendig?

  1. Zuverlässigkeit
    Das heißt daß die Person, die den Waffenschein beantragt, ein supersauberes Führungszeugnis haben muß. Straftaten jeder Art schließen Waffenbesitz aus. Politische und religiöse Extremisten sind sowieso außen vor. (Und auch, wenn jetzt die Social Justice Warriors aufheulen – gewisse ethnische Gruppen würde ich nach dem Schweizer Modell ebenfalls ausschließen).
  2. geistig und körperlich fähig
    Wer erkennbar einen psychischen Schaden hat, oder gewisse Formen von Geisteskrankheiten hat, ist heute schon vom Waffenbesitz ausgeschlossen. Das gilt auch für Menschen, die nicht die volle Kontrolle über ihren Körper haben. Als Altersgrenze würde ich 18 oder 21 Jahre ansetzen.
  3. Waffensachkunde (Schulung)
    Wer mit Waffen umgehen will, der muß sich damit auskennen. Man muß mit der Technik und den rechtlichen Bedingungen vertraut sein. Vor allem die Regelungen zu Notwehr/Nothilfe müssen verstanden sein.
  4. regelmäßiges Training (Standard und Verteidigungsschießen)
    Wer mit seiner Waffe nicht regelmäßig trainiert, der verliert seine Fertigkeiten. Sicherheitsregeln, Handhabung und Treffsicherheit müssen immer wieder geübt werden, damit man im Notfall nicht sich selbst oder Andere verletzt.
  5. den Willen im Notfall Gewalt anzuwenden (Mindset)
    Hier sehe ich eine der größten Hürden bei der bewaffneten Selbstverteidigung. Ohne die unbedingte Entschlossenheit, mich gegen unrechtmäßige Angriffe mit einer tödlich wirkenden Waffe wehren zu wollen, nützen mir all die vorgenannten Voraussetzungen nichts. Wir leben in einer sehr pazifistischen Gesellschaft. Den meisten Menschen fällt es extrem schwer Gewalt auszuüben – was im Prinzip sehr gut ist. Wer es aber im Notfall nicht schafft, diese Konditionierung beiseite zu schieben, kann trotz Schußwaffe zum Opfer werden.
  6. sichere Aufbewahrung
    Niemand will, daß die minderjährigen Kinder an die Waffe rankommen und Schaden verursachen – oder sonstige Unbefugte Zugriff erlangen können.

Kommentare – Anregungen – Ideen – Kritik?

CCW-Training für Frauen in den USA:

Ausführliche Infos in englisch:

3 thoughts on “Ein paar Gedanken zur Waffenschein-Debatte”

  1. Sie haben in allem Recht und legen es vernünftig dar. Und da ist der Haken: Behörden-„Denken“ (wenn mir mal die Übertreibung erlaubt sei) ist das Gegenteil von Vernunft. Über solche Vorschläge lachen die Politiker doch nur. Die Stimmen der Hoplophoben sind zahlreicher – Entscheidung gefällt😦

  2. Nicht nur, dass der Verfasser in allen Punkten Recht hat und es auch sehr vernünftig darlegt.
    Ich bin der Meinung, dass wir nicht wie bisher in kleinen Schritten zurückweichen sollten, sondern forsch, vorwärts unsere Bürgerrechte einfordern sollten!

    Zitat aus der Jagd in Bayern Nr.1-2016 zu dem Vorstoß der EU-Kommision bezüglich Halbautomaten:
    „… Der BJV appelliert daher an die politischen Entscheidungsträger, die geplanten Verschärfungen – sofern notwendig – mit Augenmaß vorzunehmen. …“

    Da bleibt einem doch der Mund offen stehen.
    Was für eine Anbiederung an die Politik seitens eines Betroffenen.
    Anstatt die Rechte freier Bürger ohne Wenn und Aber einzuklagen und verbunden mit der Drohung, dass wenn die Politik sich über diese Rechte hinwegsetzt, ihnen der Wind aber steil von Vorne ins Gesicht blasen wird, sucht man hier einen Konsens, bei dem immer nur die Freiheit Abstriche machen muss.
    Und das trotz dem besseren Wissen, dass darüber kein Mehr an Sicherheit zustande kommen wird.

    Nein! – Nein! – Nein!

    Ich plädiere, wie der Verfasser, dass massenweise Anträge auf Waffenschein bei den Behörden eingehen sollten und sich nicht die politische Doktrin von Herrn J.C.Junker durchsetzt.

    Zitat aus Der Spiegel, 27. Dezember 1999 – in Die Brüsseler Republik
    „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“,

    Aufwachen! Jetzt!
    Unsere Kinder und Enkel werden es uns danken!
    (Obwohl ich mir hier schon genug wäre! :-))

  3. Also, ich bin Schweizer…..

    Ha-Pe hat es erfasst.

    Man muss fordern nicht zurückweichen, und als solches wird jede konstruktive Mitarbeit an Plänen wie sie Juncker vorschweben, von diesem empfunden.
    Natürlich geht es nicht nur darum, Frauen mit Waffenschein zu versehen.
    Das heisst, natürlich mit Waffentragschein, nicht nur der Besitz muss erlaubt sein, auch das Tragen. Und gerade da haben wir Schweizer nämlich auch ein Problem.
    Nur schon das mitführen einer Waffe mit einem aufmunitionierten Magazin macht hier mittlerweile Probleme, da untersagt.
    Ich denke aber, würden sich Frauen finden die das vorantreiben, es würde sich eher was ändern, denn Frauen gelten in unserer Vorurteilsbeladenen Politikerzunft ja als weniger Aggressiv und folgedessen sogar als besser zum führen einer Waffe geeignet.

    Die Politik will ja das tragen einer Waffe überhaupt nur dann andenken, wenn der betreffende schon nahezu ein Masochist ist der sich lieber foltern lässt anstatt zu schiessen. Die Frage wer die Waffe besser einzusetzen wüsste, die wird geflissentlich vermieden.
    Gender und Co lassen grüssen, denn dort gibt nur noch gleiche unter gleichgemachten. Männer sind jedoch sicher besser konditioniert um sich und andere zu verteidigen.
    Trotzdem wäre die Mitarbeit der Frauen sehr sehr wünschenswert.

    ———————————————————-

    Von den 6 Punkten die als Voraussetzung für das Waffentragen angedacht werden, kann man einigen zustimmen.

    Ausländer sollten das Privileg sicher nicht zugestanden bekommen, Migranten der ersten Generation auch nicht. Die Schweiz hat da so ihre Erfahrungen gemacht, gerade auch mit Waffen die im Krieg in Jugoslawien eingesetzt wurden.
    Ein sauberes Strafregister wäre vernünftig, aber nur wenn Bussen oder andere Dinge die mit Gewalt nichts zu tun haben, dabei nur minim gewichtet werden. Nicht Flensburger Punkte sollten hier entscheiden.

    Wenn in der Schweiz jemand eine Busse hat die 250 Franken übersteigt, und das hat man hier schnell mal bei einer Geschwindigkeitsübertretung, so wird sie ins Strafregister eingetragen. Dort bleibt sie 3 Jahre und in der Zeit gilt das beim Waffenerwerb als Vorstraffe wegen eines „Vergehens“. Hat man 2 oder mehr solche Einträge im Strafregister, bekommt man keinen Waffenerwerbsschein mehr. Denn es ist per Gesetz ein wiederholtes Vergehen oder Verbrechen.
    Ein Tragschein dürfte dann auch gefährdet sein, wobei es diese in der Schweiz ja eben fast kaum gibt.
    Angesichts der Blechpolizistendichte hierzulande, schafft es wohl niemand mehr ohne Busse längere Zeit ein Auto zu fahren.

    Man sollte die „Zuverlässigkeit“ nicht an Dingen festmachen die mit Gewalt und Waffen nichts zu tun haben.

    Es ist nämlich auch so, das solche Personen die auch gerne mal zu schnell fahren ein genau gleiches Sicherheitsbedürfnis haben wie solche die nur gerade mit 50 über die Autobahn schleichen.

    Da es aber Grenzfälle gibt und auch klare Fälle in denen man eine Waffe nicht zum Tragen freigeben kann, wegen jugendlichem Alter, einer echten Straftat, wegen der fehlenden Staatsangehörigkeit, so muss man mindestens wirksamen Ersatz zulassen.
    Elektroschocker und Pfefferspray als Minimum….?

    Wie stillt man das Bedürfnis nach Sicherheit von jenen Personen die für das Waffentragen nicht infrage kommen……?

    Wenn Deutsche immer nur das Mantra von Gesetzestreuen Waffenbesitzer vor such hertragen, so zeigen sie damit vor allem das sie eben gute Untertanen sind, denn sie machen ein Recht von Unterwürfiger Staatstreue abhängig.

    Das ist übrigens ein Punkt der sehr störend ist, gerade im Angesicht der andauernden Rechts und Verfassungsbrüche der Deutschen Regierung.

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