Das Outfox-World Blog und eine seltsame Weltsicht

Das Outfox-World-Blog, das anscheinend von vielen Jägern gelesen wird, schreibt über einen „gefährlichen Waffenboom“. In dem Artikel werden eine Menge sehr zweifelhafte Behauptungen aufgestellt, die ich mir hier mal näher ansehe:

Quelle:
http://www.outfox-world.de/blog/gefahrlicher-waffen-boom-das-alles-gibt-es-zu-bedenken.html

So wird schon im ersten Absatz behauptet:

Die Deutschen bewaffnen sich. Was wir lesen, hören oder (fern)sehen, lässt bisweilen den Schluss zu, dass Köln und Düsseldorf der Wilde Westen der Republik werden. Doch kaum einer kennt die Fakten.

Um dann gleich im nächsten Absatz gleich ein paar Falschaussagen zu tätigen, die der Autor/Journalist durch ein bisschen Recherche hätte vermeiden können:

In Deutschland liegt das Gewaltmonopol prinzipiell beim Staat. Nur der Staat hat das Recht, im Notfall physische Gewalt gegen Menschen anzuwenden. Waffenbesitz zur Selbstverteidigung ist prinzipiell verboten. In Deutschland ist aber Bürgern, die keine Vorstrafe haben, unter bestimmten Voraussetzungen der Besitz von Waffen bzw. entsprechender Munition gestattet.

Der erste Satz ist richtig – bezieht sich aber überhaupt nicht auf Selbstschutz. Das Gewaltmonopol ermächtigt den damit Beliehenen zu hoheitlichem Handeln und hat überhaupt keine Berührungspunkte zu Selbstverteidigung, Nothilfe und Notstand, die in den §§ 32-35 StGB geregelt sind.

Daß nur der Staat das Recht hätte, im Notfall physische Gewalt gegen Menschen anzuwenden, ist also definitiv falsch. Wie kommt der Autor auf so einen unsinnigen, realitätsfernen Gedanken? Wird da schon wieder Selbstverteidigung mit Selbstjustiz verwechselt oder gleichgesetzt?

Ebenfalls falsch ist, daß der Waffenbesitz zur Selbstverteidigung verboten ist. Nur ist die Genehmigung zum führen einer Feuerwaffe sehr schwer zu erlangen. Andere Selbstverteidigungswaffen sind dagegen meist schon ab 18 Jahren frei erhältlich und legal zu führen. Schreckschuß- und Gaswaffen benötigen einen „kleinen Waffenschein“, der im Prinzip nur Geldschneiderei ist.

Einen „großen“ Waffenschein gibt es nicht. Es gibt nur den Waffenschein, der zum führen von scharfen Waffen berechtigt und den „kleinen Waffenschein“, der zum führen von Schreckschußwaffen berechtigt.

Weiter unten geht es um die Genehmigung von „kleinen Waffenscheinen“:

Wie viele Anträge überhaupt genehmigt werden, ist noch nicht ersichtlich. Die Behörden werden sicher mit hoher Sensibilität die Anträge prüfen.

Wie bei einem Antrag auf eine WBK oder einen Waffenschein wird ein Auszug des Bundeszentralregisters angefordert. Da wird überhaupt nichts mit „hoher Sensibilität“ geprüft, sondern einfach das Standardverfahren angewendet. Alles andere wäre nicht statthaft.

Ansonsten ist dieser Artikel, bis auf ein paar gegoogelte, teilweise zusammenhanglose Fakten reichlich oberflächlich. Einige Absätze sind reine Zeilenschinderei und haben überhaupt nichts mit dem Thema Selbstschutz und Selbstverteidigung zu tun.

Fazit: Hätte man sehr viel besser machen können, wenn man jemanden gefragt hätte, der sich damit auskennt. Man hat den Eindruck, daß der Autor kein eigenes Fachwissen zum Thema und nur Internet-Suchmaschinen bemüht hat. Richtig peinlich wird es, wenn man sich das Rechtsverständnis des Autors anschaut. Er entzieht in seinem Text dem Bürger seine Bürgerrechte. So etwas kommt in der Medienlandschaft häufig vor und suggeriert, daß der Bürger gefälligst ein „braves Opfer“ zu sein hätte und alles ertragen müsste, was Staat oder auch Verbrecher ihm zumuten. Nichts könnte weiter von unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung entfernt sein. Das geht in Richtung totalitäres Gedankengut!

2 thoughts on “Das Outfox-World Blog und eine seltsame Weltsicht”

  1. !!! Nicht nur als Jäger, bin auch ich über diesen Artikel gestolpert !!!

    Auch sind mir absolut fachliche Unbegriffe wie:
    „Insgesamt waren … Pistolen und Gewehre im Nationalen Waffenregister registriert … “
    Hier kennt der Autor noch nicht einmal die Begriffe Kurz- und Langwaffen.
    Revolver, Handböller, etc. werden also nicht im nationalen Waffenregister registriert?

    Wieder einmal war dieser komplette Beitrag ohne Autorennennung ein Beleg dafür, dass ein Mitglied der Presse, durch die vollkommene Abwesenheit von sachlicher- und fachlicher Kompetenz, aber vor allem durch Abwesenheit von Wahrhaftigkeit mit seinem Beitrag glänzt; und nur der eigenen, aber doch so guten Moral, sowie seiner Inkompetenz in Sachen Realität, Rechnung trägt.

    Danke an den Autor >lawgunsandfreedom< für die Analyse des Beitrages, die ich so nicht hätte nieder- aber zu 100% unterschreiben kann.

  2. In der Summe solcher „Unbedarften“ Artikel kommt man bei Zusammenfassung der transportierten „Inhalt“ unweigerlich zu dem Schluss das es sich um Auftragsarbeiten handeln könnte.

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