Waffen sind Männersache

Klar, muß ja so sein. Der Mann, als Archetyp des Ernährers/Jägers, als Familienvater/Verteidiger, aber auch als Soldat oder Gewalttäter hat traditionell eine Affinität zu Waffen. Wird von manchen Psychologen behauptet, wird wohl stimmen. (Der letzte Satz ist ironisch gemeint. Es gibt etliche, viel neuere Studien, die dieses alte Klischee durchaus in Frage stellen).

Klischees sind was wunderbares – sie mögen zwar, oberflächlich gesehen, einen wahren Kern haben, aber sorgfältig betrachtet sind sie halt nur grobe Holzschnitte, die der Realität nicht unbedingt gerecht werden.

Man redet Frauen seit Jahren ein, daß sie die weichen, nachgiebigen, vermittelnden und vor allem friedlicheren und pazifistischeren Persönlichkeiten wären. Außerdem sind Frauen generell gegen Waffen. Oberflächlich gesehen scheint das tatsächlich zuzutreffen. Das Bild wird von den Medien so gezeichnet, so stellt es sich in den Köpfen der Bevölkerung dar. Aber stimmt das Bild?

Gerade in den letzten Jahren nimmt der Anteil der Frauen bei den Sportschützen und vor allem bei den Jägern kontinuierlich zu. Warum halten sich die Frauen nicht an das Bild, das die Gesellschaft von ihnen hat (oder haben will)? Haben wir zu viele starke (nicht selten bewaffnete Frauen) in amerikanischen Action-Filmen, als neues Rollen-Beispiel?

Bei einigen wenigen Frauen mag das der Fall sein. Andere dagegen stellen die alten Rollenbilder in Frage und dringen ganz selbstverständlich in die sogenannten Männerdomänen ein. Das ist etwas, was den Soziologen auffällt und worüber sie dann Studien schreiben, die niemand liest.

Daß Frauen in den Schützenvereinen aber schon immer eine feste Größe waren – wenn auch als Minderheit – das wird gerne übersehen. Viele der Schützen bei Olympia sind Frauen. Sehr erfolgreiche übrigens. Beim schießen mit großkalibrigen Flinten (Trap & Skeet) spielen sie bei der Weltspitze ganz vorne mit, genauso wie bei den Druckluft- und Kleinkaliber-Disziplinen.

Auch der Biathlon ist eine der Paradedisziplinen für die Frauen. Da schweigt sogar der Waffengegner. Vermutlich weil er nicht weiß, daß da mit scharfen Waffen geschossen wird. Bis 1977 sogar mit Großkaliber-Gewehren. Übrigens: Biathlon ist, wie die meisten klassischen Sportarten, eine „militärische/kriegerische“ Disziplin. Denn sehr viele populäre Sportarten haben/hatten einmal einen militärischen Zweck.

Aber auch bei den Schießsportarten die nicht olympisch sind, haben die Frauen seit vielen Jahrzehnten einen festen Platz – im Allgemeinen ziemlich weit vorne. Korreliert man die sportlichen Ergebnisse mit denen der Männer, dann weiß man, warum es nach Geschlechtern getrennte Wettbewerbe gibt. In diesem Fall allerdings anders als bei den „physischen“ Sportarten, bei denen Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer den Männern meist einen Vorteil vor den Frauen geben. Beim Schießsport ist es auch mal anders herum. Denn die Frauen liegen bei diesem Sport mit den Männern oft Kopf an Kopf. Die Regelung sorgt also ausnahmsweise dafür, daß das Gros der Männer nicht unter „ferner liefen …“ in der Ergebnisliste steht. Manche Schießsportarten (wie das Silhouetten-Schießen) kennen gar keine geschlechtliche Trennungen zwischen Mann und Frau und das Alter ist im großen und ganzen sowieso egal.

Schießen (Sport und Jagd) ist also keine „unweibliche“ Betätigung. Es ist definitiv keine Sportart, die auch nur ansatzweise einer Gender-Trennung unterliegen sollte oder gar müsste. Diese Trennungen nehmen nur Ewiggestrige und Ideologen vor.

Seit einigen Jahren erlebe ich, daß nicht nur Töchter, Freundinnen und Lebensgefährtinnen von Sportschützen Pulverdampf schnuppern, was die häufigste Art ist, wie Frauen zum Schießsport kommen, sondern daß kleinere Gruppen von 2-5 Frauen auf dem Schießstand auftauchen, ganz gezielt nach einem Probetraining fragen, oder „einfach mal schießen“ wollen.

Das an sich ist schon, verglichen mit früher, ziemlich ungewöhnlich. Denn die erst mal distanzierte Atmosphäre und die Männerdominanz in den Vereinen lädt normalerweise nicht dazu ein, spontan und unbefangen einfach etwas neues auszuprobieren.

Es ist jedenfalls spannend zu sehen, wie selbstbewusst und unbefangen Frauen an etwas herangehen, was ihnen laut Rollenbild (sowohl dem traditionellen, als auch dem modernen) nicht zugestanden wird. Da bekommt man Fragen, die ein Mann kaum in dieser Form – wenn überhaupt – stellen würde:

Wie funktioniert das?
Wie hält man die Waffe richtig?
Wie lädt man richtig?
Gehört das Magazin so oder anders herum rein?
Wie stark ist der Rückstoß?
Wie fest muß ich zupacken?
Wie zielt man richtig?

Schon nach der mündlichen Einweisung (die fachkundig und didaktisch sein sollte) legt sich ein Großteil der Nervosität und nach den ersten Schüssen, erst in Kaliber .22 und dann auch diverse Großkaliber ist die unterbewusste Einstellung „… so was macht frau nicht“ völlig weg.

Statt dessen (wie bei allen Anfängern) Begeisterung, breites Grinsen und der Wunsch nach mehr.

Zugegeben … viele Frauen wollen nur mal ausprobieren, eine neue Erfahrung machen, und kommen dann nie wieder. Aber auch das ist völlig in Ordnung, denn es ist schon sehr viel wert, wenn man jemandem den Unterschied zwischen Kino und Realität begreiflich machen kann. Aber andere kommen immer mal wieder (und bringen Freunde und Bekannte mit) und manche bleiben, weil sie wirklich Spaß an der Sache haben.

Ich jedenfalls freue mich immer wieder darüber, wenn jemand eine neue Erfahrung machen will – egal ob männlich oder weiblich, egal ob „mal ausprobieren“ oder mit längerfristigem Interesse (das sich sowieso oft erst nach ein paar unverbindlichen Trainingseinheiten einstellt).

Also, werte Damen – keine falsche Scheu vor Dingen die Ihr nicht kennt und vor denen man Euch Angst macht, oder bei denen man Euch einreden möchte, es wäre nichts für Euch. Mitreden kann man am besten, wenn man es ausprobiert. Ich habe immer noch den Spruch einer Schnupperschützin (Dipl. Soz-Päd.), die ihre 2 Freundinnen eigentlich nur mit großen Vorbehalten begleitet hat, im Kopf: „Ich verstehe nicht, was jetzt daran so schlimm sein soll, macht doch Spaß!“

Und was die steigende Zahl an Jägerinnern angeht, da sprechen die Zeitungsberichte Bände:

Frauen und Jagd – Süddeutsche Zeitung

Wenn Frauen jagen – WamS

Johanna geht jagen – HAZ

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ein Blog über Politik und das Studium in Konstanz

Nachdem ich mich gerade mit deutscher Gesundheitspolitik beschäftigt habe, indem ich eine fiktive Rede für einen Bundestagsabgeordneten der CDU für einen kleinen Wettbewerb erstellt habe, möchte ich mich nun einem ungleich kontroverseren Thema widmen, mit dem man im staatsgläubigen Deutschland sofort als verrückter Psychopath verschrien wird. Daher vorweg: genauso wie eine Verschärfung des deutschen Waffenrechts nötig ist, ist eine Entschärfung notwendig. Deutschland hat glücklicherweise eine vergleichsweise niedrige Gewaltkriminalitätsrate und der Staat in den meisten Gegenden noch das Gewaltmonopol. Wenn man jedoch hört, dass bei jemanden eingebrochen wird und die Polizei einen wegen Überlastung vertröstet, fragt sich, wie lange dies noch der Fall sein wird…

Ich selbst bin beileibe kein Freund von Waffen und jeglicher Gewalt, hatte gar noch nie eine Schusswaffe in der Hand und würde es vermeiden wollen, diese jemals zu benutzen. Sämtlicher initiierender Gewalt – das unterscheidet mich von linken Pseudo-Pazifisten – stehe ich aus libertärer Grundperson ablehend…

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Waffe = Gewalt?

Waffen werden von vielen Menschen ausschließlich mit Gewalt in Verbindung gebracht. Dabei sind die Besitzer legaler Waffen die allerletzten Leute, die verbrecherisch oder gewalttätig wären. Denn wäre das der Fall, dann dürften sie gar keine Waffen besitzen.

Sportschützen schießen auf Scheiben. Ausübung von Gewalt liegt ihnen fern. Trotzdem wird das von den Waffengegnern ständig behauptet. Wenn sich ein Waffenbesitzer gegen solche Unterstellungen verwahrt, wird ihm Lüge unterstellt.

• Es wird behauptet, daß es dem Schützen ausschließlich um die Zerstörung des Zieles geht.
• Es wird behauptet, daß Waffen ausschließlich zum töten geeignet wären.
• Es wird behauptet, daß jeder Waffenbesitzer früher oder später jemanden bedrohen, verletzen oder töten wird
• Es wird behauptet, daß Besitzer legaler Waffen atavistische Züge hätten
• Es wird behauptet, daß Waffenbesitzer unzuverlässig und labil wären
• usw. etc. pp.

Die Waffengegner verwenden immer wieder dieselben diffamierenden Behauptungen und Unterstellungen und lassen keinerlei Gegenargumente gelten. Echte Argumente die sich durch Fakten belegen lassen, liefern sie dagegen nicht. Immer wieder wird eine handvoll Einzelfälle als Begründung für schärfere Gesetze und Verbote mißbraucht. Jeder belegte Beweis gegen die Behauptungen wird in sein Gegenteil verkehrt, ignoriert oder einfach lapidar vom Tisch gewischt.

Aus wenigen tragischen (aber sensationell aufgemachten) Einzelfällen kann keine allgemeine Gesetzgebung konstruiert werden, das ignorieren die Verbotsfanatiker. Verhältnismäßigkeit, Bürgerrechte oder statistische Daten interessieren nicht. In Bezug auf das Waffenrecht, werden viele Leute, die sich als Demokraten bezeichnen zu Diktatoren und Tyrannen. Sie selbst sehen sich als moralische Instanz, die das „Gute“ und den „Frieden“ erhalten und schützen wollen. Sie sind die „Guten“, der Waffenbesitzer ist der „Böse“. In diesem schwarz-weiß Bild gibt es keine Graustufen.

Der fast religiöse Eifer vieler Waffengegner lässt sich nur psychologisch erklären. Aber was ist es? Ängste, Minderwertigkeitskomplexe, Macht- und Kontrollgier? Oder einfach nur Unwissen oder der Unwillen sich selbst zu informieren, statt hundertfach Falschaussagen und Lügen nachzuplappern?

Tatsache ist, daß viele Anti-Waffen-Lobbyisten ein geschlossenes Weltbild haben und ausschließlich mit falschen Grundannahmen argumentieren. Sie müssen etwas aus ihrer Welt entfernen, das ihnen Angst macht, oder ihnen nicht passt. Das versuchen sie mit allen, ihnen zur Verfügung stehenden Methoden zu erreichen. Lüge, Verleumdung, Unsachlichkeit, Unterstellung, Emotionalisierung, Diffarmierung, Stigmatisierung und Diskriminierung – das alles ist ihnen selbst, als Mittel zum Zweck, erlaubt. Wehrt sich ein Waffenbesitzer, indem er diese Methoden aufzeigt, wird ihm unterstellt, die Tatsachen zu verdrehen. Denn der Waffengegner hat die Deutungshoheit – er alleine bestimmt, was wahr, richtig und gerecht ist.

Je mehr Menschen die Lügen einer kleinen Minderheit glauben, desto mehr Freiheit, Wahrheit, Toleranz und Demokratie geht verloren. Am schlimmsten und verlogensten ist es, daß die Gegner des legalen Waffenbesitzes ihre Ziele im Namen dieser Ideale verfolgen. Aber – wieder die Deutungshoheit – sie glauben die moralische Pflicht zu haben und nehmen sich das Recht dazu.

Die Geschichte belegt, daß die Leute, die die Freiheit anderer – aber auch die eigene – für eine erhoffte/versprochene Sicherheit aufgeben, beides verlieren. Auch das sehen die Gegner nicht. Dafür denken sie zu einseitig und kurzsichtig.

Die Waffenbesitzer sind spät dran. Sie haben sich viel zu lange nicht gewehrt, haben erduldet sind faule Kompromisse eingegangen, die fast immer zu ihren Ungunsten waren. Stück für Stück sind seit dem ersten Waffengesetz der Weimarer Republik 1922 die Rechte beschnitten worden. Selten aus Gründen der Sicherheit – auch wenn dies immer behauptet wurde.

Es geht immer um Macht und Kontrolle. Jemand der sich (wenigstens theoretisch) wehren könnte, ist nicht so leicht zu kontrollieren und zu unterdrücken, wie jemand, der sich nicht wehren kann, oder gar will – wie viele Zeitgenossen heutzutage. Wir haben eine Gesellschaft von hysterischen Feiglingen. Die Lieblingsbeleidigung der Jugendlichen heutzutage lautet: „Du Opfer“ oder „Du Jude“.

Da sollte man sich daran erinnern, daß die Nazis mit ihrem verschärften Waffengesetz ausdrücklich Juden und politische Gegner entwaffnet haben.

Ein restriktives Waffengesetz ist ein Instrument der Unterdrückung.

Ein liberales Waffenrecht dagegen würde belegen, daß die Regierung ihren Bürgern vertraut.

Was natürlich nicht übersehen werden darf:
Es gibt immer Menschen, die krank, verrückt oder verbrecherisch sind. Die lassen sich auch von den schärfsten Waffengesetzen nicht von ihrem Tun abhalten. Bisher konnte noch keine Statistik, keine Studie, eindeutig beweisen, daß Schußwaffenverbote nützlich sind. Dazu müsste Grundlagenforschung betrieben werden.

Eine Studie, die das deutsche Waffengesetz evaluieren sollte, wird von den Innenministern der Länder unter Verschluß gehalten. Sicher nicht, weil diese Studie so katastrophal ausgefallen wäre. Denn wäre der legale Waffenbesitz tatsächlich ein gesellschaftspolitisches oder kriminalpolitisches Problem, dann wäre das Wasser auf den Mühlen der meisten Politiker. So etwas wäre mit Triumphgeheul weitflächig veröffentlicht worden.

Man kann also vermuten, daß die bisherige Politik der permanenten Gesetzesverschärfungen ein Schlag ins Wasser war. Aber zugeben, daß man falsch lag? Daß man seit 1972 größtenteils unsinnige Regelungen ins Waffengesetz gepackt hat?

Da würde das Volk ja das Vertrauen in die Politik verlieren (längst passiert, aber das ignorieren die Politiker ja) – eine Politik die immer noch gebetsmühlenartig behauptet, daß mehr Waffen im Volk auch mehr Gewalt bedeuten. Die alte These ist längst widerlegt. Das allerdings ist noch nicht im Volk angekommen.

Mal nix über Waffen, aber auch was, was mich immer schön aufregt … die GEZ!

... Kaffee bei mir?

Unter der beeindruckenden Überschrift Neues Rundfunk-Finanzierungssystem · Beitrag „zum Erhalt der Demokratie“ durfte heute der juristische Direktor und stellvertretende Intendant des Bayerischen Rundfunks, Albrecht Hesse, einen Werbetext über die ab 2013 zu entrichtende Haushaltsabgabe auf sueddeutsche.de veröffentlichen.

Gleich eingangs heißt es dort:

Das neue Finanzierungssystem hat den Vorteil, dass es keine Geräte-Kontrollen mehr gibt und damit keinen Streit mehr darüber, ob es sich im Einzelfall um ein Rundfunk-Empfangsgerät handelt.

Verehrter Herr Hesse, was meinen Sie, wie wenig störend eine Gerätekontrolle im Vergleich mit einer permanenten Rasterfahndung wirkt? Oder mit der Verpflichtung der Vermieter, die persönlichen Daten ihrer Mieter herauszurücken?

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„Die gute, alte Zeit“ … War früher alles besser?

Das fragt Dr. Zakrajsek auf Querschüsse.at und kommt zu dem Schluß, daß wir zwar einer selektiven Wahrnehmung unterliegen, was früher besser war, aber das sich eins ganz sicher zum schlechteren verändert hat:

„Die Jugend“™ hat keine Manieren, keinen Respekt und keine Disziplin mehr. Höflichkeit oder Rücksichtnahme? Fehlanzeige! Anderen Leuten mal die Tür aufhalten, damit ihnen das Ding nicht ins Gesicht fällt? Wozu das denn? Selbstdarstellung per Twitter und Facebook sind da viel wichtiger als andere Leute. Elementare Freundlichkeit? Meist wird man einfach angeblafft. Sogar die 68er, die im Nachkriegsmuff aufgewachsen sind, hatten Manieren. Ihre Kinder und Enkel haben diese aber kaum noch.

Ich habe mir mal angesehen, wie sich Schüler heutzutage in der Schule verhalten und muß Dr. Zakrajsek beipflichten. So etwas wäre in meiner Schulzeit nicht durchgegangen. Wir waren „erzogen“ – d.h. wir haben in den 60ern und 70ern ein Set von Verhaltensregeln von unseren Eltern mitbekommen, das es uns ermöglichte reibungsloser, zumindest aber weit weniger rücksichtslos durch die Welt zu kommen. Da waren sicher auch ein paar veraltete und überkommene Regeln dabei – geschadet haben die aber nicht. Wenn’s mal eine Rauferei gab, dann war Schluß, wenn der Gegner am Boden lag – heute wird nachgetreten bis das Opfer schwer verletzt oder tot ist.

Die Eltern vieler Kids heutzutage sind meist nicht besser. Ich-bezogen, überfordert, unaufmerksam, aber extrem anspruchsvoll und sehr selektiv in ihrer Wahrnehmung.

Kein Wunder, daß es anscheinend üblich ist, nur noch die eigene Befindlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen. Was einem nicht passt wird ausgeblendet, ignoriert und bekämpft – wir leben in einem Zeitalter des Narzissmus und es ist kein Wunder, wenn diese Krankheit inzwischen grassiert und sogar noch von den Medien befeuerte wird. Und damit kommen wir zu einem der möglichen, vielleicht sogar wahrscheinlichsten Grund für Amokläufe.

Ein Kind, das keine Erziehung hat, das keine positiven Vorbilder von seinen Eltern bekommen hat, sucht sich Vorbilder. Dabei landet es aber nicht bei „Idealen“ sondern „Idolen“. Das sind keine Vorbilder – aber in Bezug auf Selbstdarstellung, Egoismus, Überheblichkeit geben sie den Kids ein Beispiel. Narzissten im Sinne der Definition. Ein bisschen Narzissmus schadet nicht – aber der übersteigerte, krankhafte Narzissmus, der uns aus den Medien entgegenschlägt, der beeinflusst unsere Kinder, die ja keine echten, positiven Vorbilder haben. Also imitieren sie diese „Idole“ und wenn sie dann nicht die Anerkennung bekommen, die sie erhoffen, erwarten, ja sogar fordern, dann bekommen wir im Extremfall einen pathologischen Narzissmus – eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Psychologen sehen diese Entwicklung mit Sorge (Zeitalter des Narzissmus – Christopher Lasch und „Narzissmus, die Wiederkehr – Bierhoff/Herner). Man braucht sich nur mal die Führungspersönlichkeiten von Konzernen oder Banken, Stars in den Medien und Politiker anzusehen um den Narzissmus grassieren zu sehen.

Das beeinflusst also unsere Kinder, die die meiste Zeit vor der Glotze verbringen und den Rest der Zeit bei Facebook ihre eigene eingebildete Wichtigkeit pflegen. Vor allem Social Communities wie Facebook unterstützen narzisstische Naturen und narzisstisches Verhalten. Das Beispiel von Fernseh-Formaten wie DSDS oder „Germanys Next Top Model“ ist prägend für viele Kinder und Jugendliche, die Aufmerksamkeit und Zuwendung von ihrer nächsten Umgebung wollen und glauben, daß dieses Blendwerk das ist, was sie brauchen um akzeptiert und anerkannt zu werden.

Manche Kinder/Jugendliche steigern sich derart in dieses falsche und verlogene Weltbild hinein, daß sie depressiv und/oder aggressiv werden, wenn sie nicht das bekommen, was sie erwarten. Narzissten halten sich selbst für die Größten und Besten. Sie halten sich für allen anderen Menschen überlegen und sind schnell beleidigt, wenn die eingebildete Grandiosität von außen nicht anerkannt wird. Psychologen nehmen an, daß die meisten Amokläufer Züge von krankhaftem Narzissmus aufwiesen. Fast jeder Amokläufer war bisher wegen Depressionen in psychologischer oder psychiatrischer Behandlung – oft mit Hilfe von Medikamenten.

Der Schluß liegt nahe – und etliche Publikationen und Forschungen scheinen das zu belegen – daß unsere Gesellschaft gewaltig fehlsteuert. Krankhafte oder falsche Verhaltens- und Denkweisen werden als normal und wünschenswert propagiert. Man braucht sich also nicht wundern … tut es aber doch …

Und da kommen die von Marshal McLuhan geprägten und von Andy Warhol propagierten „15 Minutes of Fame“ ins Spiel. Bekommt ein extremer Narzisst nicht seine gewünschte Aufmerksamkeit, dann kann es sein, daß er ein Fanal setzen will. Viele der Kranken, die nicht das Glück haben sachkundige, psychologische Hilfe zu bekommen, werden depressiv und/oder setzen ihrem Leben durch Suizid ein Ende – nach dem Motto „… jetzt zeige ich es Euch und dann tut es Euch leid“. Für einen sehr, sehr kleinen Teil dieser Narzissten reicht das nicht. Sie wollen sich an einem Teil der Welt, von der sie ihre eingebildete Kränkung erfahren haben, mitnehmen. Sie wollen sich „rächen“ und ein Zeichen setzen.

Das Ergebnis ist dann im schlimmsten Fall ein Massaker. Das ist aber nicht dem Tatmittel geschuldet, sondern einer kranken Gesellschaft, die nicht merkt, daß sie ihre DropOuts mit Verve selbst heranzüchtet.

Aurora und die Fakten

Aurora und die Fakten

Was passiert, wenn Leute einfach was nachplappern, was ihre eigenen Vorurteile zu bestätigen scheint, wird von Mike treffend beleuchtet.

Edit, weil’s definitiv stimmt:

Incidentally, no gun law change would have prevented the killer to buy guns, because he was a law abiding citizen until that moment … (via @ThomasRHart)

und:

http://dagarser.wordpress.com/2012/07/26/ein-radiointerview/

Darf Schießsport Spaß machen?

Manchmal stelle ich mir die Frage ob nicht nur die Waffengegner, sondern wir uns auch selbst einreden, daß man bei einem solchen Sport keinen Spaß haben darf. Schließlich geht man mit gefährlichen, ja tödlichen Waffen um. Da ist doch an Spaß gar nicht zu denken, oder?

Nach außen wird eher selten kommuniziert, daß Schützen Spaß haben, und wenn ich mir so manche meiner über-ernsthaften Schützenkollegen ansehe, dann könnte ich das fast glauben. Aber betreibt man einen Sport, wenn er keinen Spaß macht?

Während des Trainings und auch des Wettkampfes herrscht Ernsthaftigkeit vor, danach wird über die Presse und die Politik geschimpft oder gefachsimpelt.

Rumalbern, während man eine scharfe Waffe in der Hand hält? Undenkbar. Immer ist man darauf bedacht einerseits die Sicherheitsregeln einzuhalten (Priorität Nummer 1) und ordentlich zu schießen (Priorität Nummer 2). Das alles erfordert volle Konzentration und Aufmerksamkeit, Körperbeherrschung und Disziplin. Kann das Spaß machen?

Ja! Es macht sogar enormen Spaß. Das erschließt sich aber nicht für den Zuschauer, sondern nur dem, der diesen Sport betreibt.

Immer wieder weise ich Anfänger ein, die noch nie eine Waffe in der Hand hatten und diese meist nur aus irgendwelchen realitätsfernen Actionfilmen kennen. Nach einer gründlichen Unterweisung in die Sicherheitsregeln dürfen sie den ersten Schuß machen. Die erstaunten Blicke, wenn sie feststellen, daß der Rückstoß problemlos beherrschbar ist und bei weitem nicht so schlimm wie anfangs befürchtet. Die erste Freude überhaupt die Scheibe getroffen zu haben, bis hin zu wilder Begeisterung, wenn eine .357er Magnum sich mit lautem Krachen und riesigem Feuerball in Richtung Zielscheibe entlädt. Oder das breite Grinsen einer jungen Dame, die sich nach einigen Übungs-Schüssen mit kleineren Kalibern, an eine .44er Magnum gewagt hatte und erst damit aufhörte, als die Munition komplett verbraucht war. Dirty Harry lässt schön grüßen – da behauptet niemand mehr, daß die Super-Magnum-Klasse nur was für gestandene Mannsbilder ist.

Trotz allem ist diese Freude kontrolliert. Sie äußert sich nicht in wilden Kriegstänzen oder Umarmungsorgien wie auf dem Fußballfeld. Die Sicherheit geht immer vor. Und trotzdem macht es viel Spaß. Die tiefe Befriedigung, wenn die Treffer dicht nebeneinander nahe oder im Zentrum der Scheibe liegen. Das gute Gefühl, den eigenen Körper zu beherrschen, Atmung und Schuß mit dem Pulsschlag abzustimmen. Die innere Ruhe und Gelassenheit, die eintritt, wenn man das Ziel aufnimmt – ein meditatives, zen-artiges Erlebnis, das sich erst mit der Zeit allmählich entwickelt.

Bei jedem einzelnen Schuß muß neu abgestimmt werden … Körperhaltung … Puls … Atmung … zielen … abziehen in exakt dem richtigen Augenblick.

Das ist kein Sport für Leute, die ihre Emotionen oder ihre Handlungen samt allen möglichen Konsequenzen nicht im Griff haben. Es ist eine Art Meditation mit Knalleffekt. Es ist immer auch ein Kampf mit sich selbst – gegen den inneren Schweinehund, der zu Nachlässigkeit und Leichtsinn auffordert.

Nichts ist befriedigender und macht mehr Spaß, als diesen inneren Schweinehund zu besiegen. Egal, ob man sich im Wettkampf gegen andere misst, oder als Freizeit-Schütze gegen das eigene Ergebnis von letzter Woche.

Ja, verdammt! Schießen macht Spaß!

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