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Der Schuß in’s Schwarze

Da sitzt man in gemütlicher Runde und irgendwie kommt das Thema auf den letzten Action-Film und wie cool die Gangster oder die Helden mit ihren Waffen sind. Bis dann mal die Bemerkung „Ein Schuß, ein Treffer“ fällt. Nämlich in dem Sinne, daß es wohl ausreicht, die Waffe grob in die Richtung des Zieles zu halten, um damit unweigerlich in’s Schwarze zu treffen.

Mein Versuch ein Auflachen in ein halbwegs neutrales Schnauben zu verwandeln, ging fehl und führte zu einem der üblichen Stammtischdispute über die Gefährlichkeit, Letalität und vor allem die Treffsicherheit von Waffen.

Die meisten modernen Waffen sind schon von der Bauart her sehr präzise. Der unsichere Faktor sind die Fähigkeiten des Schützen. Das Ganze endete damit, daß ich einige Tage später 5 Anfänger mit unrealistischen Vorstellungen und diversen Vorurteilen auf den Schießstand verfrachtete und zusammen mit einem Schützenkollegen erst Sicherheitsregeln und Handhabung durchexerzierte, bis es zum Augenblick der Wahrheit kam.

Das Ende vom Lied: Überraschung darüber, wie viel Konzentration, Kraft, Disziplin und Körperbeherrschung im Umgang mit der Waffe benötigt wird. Und daß man dabei trotzdem eine Menge Spaß haben kann. Sogar die 2 Damen hörten erst auf, als meine Vorräte an .22er Munition aufgebraucht waren und die 9 mm Murmeln ebenfalls zur Neige gingen. Besonders viel Spaß machte die Fallscheiben-Anlage mit einer Marlin 1994c.

Ich fürchten nur, ich habe den Damen und Herren die Freude an unrealistischen Kino-Filmen etwas verdorben. Sie werden diese Filme nun mit ganz anderen Augen sehen und sicher gelegentlich mal den Schießstand besuchen. Sportschützen-Ambitionen sind zwar nicht vorhanden, aber Interesse an gelegentlichem Schießen zum Spaß besteht. Mehr kann man nicht erwarten.

Dazu auch lesenswert:

https://minigolfhooligan.wordpress.com/2016/04/30/nicht-ganz-so-actionreiche-action/

http://sagittarius-femininus.de/experten-nur-leider-zum-falschen-thema/

Mark Twain und der „wilde“ Westen

Ein nettes Zitat aus einem Zeitungsinterview mit Mark Twain:

The Southern communities are just as peaceful and religious as the Northern. The Southerner may be more highly cultured, and anything he does is naturally conspicuous. Carrying a revolver is a fad, just a fad or a fashion; but the revolvers are mightly harmless. Of course there are desperadoes on the frontier, but that is the only part of the world they live in. Their deeds give a false character to their district. I have carried a revolver; lots of us do, but they are the most innocent things in the world.

– „Mark Twain Put to the Question“ interview, Adelaide South Australian Register, 10/14/1895

Den sogenannten „wilden Westen“ und die „Wildwest-Zustände“, die wir aus unzähligen Kino-Filmen kennen und die gerne in den Medien kolportiert werden, wenn es um Schußwaffen und Amerika geht, haben mit der Realität im damaligen “ wilden Westen“ nur sehr, sehr wenig zu tun.

Wie das halt so ist mit Kino und TV. Nicht selten ersetzen Bilder, die man in den Medien gesehen hat, die Realität. Eine Realität, von der man weder in der Schule gelernt, oder über die man sich unabhängig informiert hat. Man glaubt halt, was man sieht oder liest. Karl May oder Cooper (Lederstrumpf); Filme wie Ringo, Rio Grande, 40 Wagen westwärts, „Rauchende Colts“, Bonanza, Spiel mir das Lied vom Tod, Leichen pflastern seinen Weg, My Name is Nobody, Django, The Good, The Bad, And The Ugly,  … und was der Titel mehr sind.

Unterhaltsam, aber weit von der Wirklichkeit des „wilden Westens“ entfernt.

Deshalb ist die Darstellung von Waffengebrauch in Filmen auch mit allerhöchster Vorsicht zu genießen. Denn Kino und TV sind immer Illusion und gerade was Waffen, Waffenbenutzung und die „Drehbuchrealität“ angeht, mehr als unrealistisch.

Zwar kann ich so einen US-Action-Film mit viel Geballer und Explosionen oder einen „Western“ durchaus genießen, aber dazu muß ich teilweise schon mein Hirn ausschalten. Nicht selten ärgere ich mich trotzdem maßlos darüber, was da für ein hanebüchener Unsinn suggeriert wird.

Nichtsdestotrotz sind das die Bilder, die ein normaler Bürger im Kopf und vor Augen hat, wenn es um Waffen, die „Wildwest-Zustände“ und Amerika geht – Bilder, die völlig falsch sind und mit Realität nichts zu tun haben.