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Der Terrorist im Zug …

… war gar keiner (hat er selbst behauptet).

Sehen wir uns mal an, was da alles an Fakten aufläuft:

Waffengesetz:

  • der Besitz von vollautomatischen Kriegswaffen ist verboten
  • der Besitz von Waffen ohne ordnungsgemäße Registrierung ist verboten
  • der Transport von geladenen Waffen ist verboten
  • Waffen dürfen nur von zuverlässigen, staatlich überprüften Personen besessen werden
  • Waffen dürfen in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht befördert werden

5 Punkte, nach denen man eigentlich annehmen sollte, daß so eine Tat ja gar nicht passieren kann – weder in Deutschland, noch sonst wo in Europa. Steht schließlich mit schwarzen Buchstaben auf weißem Papier und hat einen beeindruckenden Amtsstempel drunter. Der gutmenschliche Denkapparat scheint da ein paar gravierende Programmierungsfehler zu enthalten, denn er übersieht, daß Verbrecher gewohnheitsmäßig Gesetze brechen und sich überhaupt nicht für das Waffenrecht interessieren.

Hätte ein strengeres Waffengesetz die Tat (bzw. den Tatversuch – angeblich ging es nur um Überfall/Raub) verhindern können? Natürlich nicht, denn die Waffen waren nicht legal, der Täter schon gar nicht (ja, ja, … kein Mensch ist illegal …).

Warum eigentlich waren die zufällig mitfahrenden Amis die einzigen, die sich auf den Täter gestürzt haben?

Einfache Antwort: Amerikaner sind es eher gewohnt sich erst mal selbst zu helfen, denn sie wissen: ”Wenn Sekunden zählen, ist professionelle Hilfe nur Minuten entfernt”. Etwas was die europäischen Bürger mit ihrem obrigkeitsstaatlichen Denken nicht in ihre Köpfe reinkriegen.

Man kann von Glück sagen, daß der Täter recht ungeschickt vorging und die Helfer teilweise einen professionellen Hintergrund hatten. Aber jeder einfache Bürger hätte das ebenfalls tun können – wenn nicht Feigheit und Pazifismus das Denken vernebeln würden.

Mehr Sicherheit durch mehr Überwachung?

Die richtige Reaktion ist jetzt nicht, Bahnhöfe zu Hochsicherheitszonen zu erklären und sie abzuschirmen wie Flughäfen. Das ist schlichtweg nicht machbar und auch völlig sinnlos. Statt dessen sollte man den Menschen klar machen, daß die Welt kein Ponyhof ist und daß sie im Notfall erst mal auf sich selbst angewiesen sind. Der Staat ist bei solchen Taten prinzipiell nicht vor Ort – sonst würden diese Verbrechen ja gar nicht erst begangen. Aber einen totalitären Überwachungsstaat wollen wir ja auch nicht.

Richtig wäre es, den Zugang zu Waffenscheinen zu erleichtern. Tatsache ist, daß Waffen nicht unbedingt ein Verbrechen verhindern können (obwohl das häufiger vorkommt), sie können aber ein Szenario das nur aus wehrlosen Opfern besteht, durchaus zum positiven verändern.

Ich fürchte nur, daß besonders schlaue Behörden jetzt in jedem Zug Aufkleber mit der Aufschrift „waffenfreie Zone“ anbringen …

A land consists of sheep denying there may be a wolf. But a wolf is always there, lurking and preying. Can’t disarm the wolf. Arm the sheep.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/thalys-anschlagsversuch-kalaschnikow-des-angreifers-klemmte-a-1049370.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/thalys-angreifer-ayoub-k-war-mehrere-tage-in-deutschland-a-1049513.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/thalys-angriff-kommentar-zur-sicherheit-an-bahnhoefen-a-1049770.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article145657780/Thalys-Attentaeter-zahlte-das-Erste-Klasse-Ticket-bar.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article145628402/Angreifer-schaute-Dschihad-Video-auf-dem-Handy.html

FAZ-Blogs, Charlie Hebdo III, französisches Waffenrecht

Der von mir recht geschätzte Don Alphonso hat sich in diesem Artikel meiner Meinung nach ein bisschen verhoben.

http://blogs.faz.net/deus/2015/01/09/wehrhaft-gegen-twitter-wehrlos-gegen-kugeln-2323/

Er fordert strengere Waffengesetze für Frankreich um den Zugang zu Waffen für Terroristen einzuschränken. Wir erinnern uns an 1972 in Deutschland — das hat ja in Bezug zur RAF auch bestens funktioniert, oder? (Das war jetzt Zynismus!)

Wir haben also schon mal ein einschlägiges Beispiel, dass Waffenrechtsverschärfungen nicht gegen Terrorismus helfen. Sieht man sich Waffengesetze in Bezug auf Schußwaffenmißbrauch und Verbrechen an, so hat man eher eine negative Korrelation. Je strenger die Waffengesetze, desto stärker der Missbrauch. Wir haben gute statistische Hinweise für diese Behauptung. Dazu brauchen wir uns nur Städte und Länder mit strengen Waffengesetzen anzusehen. Nehmen wir England mit der Welt-Verbrechenshauptstadt London oder diverse Städte in den USA in denen ein recht strenges Waffengesetz herrscht.

Natürlich gibt es auch etliche zusätzliche Faktoren, die Verbrechen und Waffenmissbrauch begünstigen, das darf man nicht außen vor lassen. Es stellt sich jedoch immer wieder als Tatsache heraus, dass eine andere Korrelation wesentlich besser belegt werden kann: „More Guns – Less Crime!“

Wir erinnern uns an den Artikel in der „Zeit“, in der ein Journalist das Gegenteil zu belegen suchte und von seinen eigenen Daten lügen gestraft wurde.

Lieber Don Alphonso, ich bin gerne behilflich wenn es um Zahlen, Daten und Fakten zum Thema geht. Es ist ein äußerst komplexes und kompliziertes Thema, das sehr langwierige und gründliche Recherchen erfordert, damit man durchsteigt. Nur … mit den üblichen, leicht dahingesagten „Lösungen“ in Form von Verboten und Kontrollen kommt man in der realen Welt nicht weit. Dazu muß man sich im Thema auskennen und auch zur letzten Konsequenz weiterdenken.

Nur hört nach der Verbotsforderung das Denken meist auf. Da sind wir dann an der Stelle wo man nach ein paar Jahren, angesichts der Auswirkungen, sagt: „Das konnte doch niemand ahnen!“ – Ahnen vielleicht nicht, aber wissen, wenn man denn etwas weiter gedacht und auf Fachleute gehört hätte.