Schlagwort-Archive: Gesellschaft

Das große, rote „W“

Auch Waffenbesitzer haben Grundrechte.

In den Einwohnermeldeämtern gibt’s Kennzeichnungen für die Akten und Datenbankeinträge von diversen Personengruppen.

Bei Waffenbesitzern z.B. sind die Akten und DB-Einträge mit einem großen, roten „W“ gekennzeichnet. Aber da darf und muß das. Schließlich weiß jeder wie gefährlich die werden können. Die sollten doch auch zwecks Erhöhung der öffentlichen Sicherheit mit einem großen roten „W“ auf der Jacke herumlaufen müssen, oder? Evtl. sollte man auch deren Wohnungen markieren, damit man gleich weiß, woran man ist. Öffentliche Diskriminierung und Stigmatisierung in den Medien ist da ja schon längst guter Ton.

Hat ja schon in der Vergangenheit so gut funktioniert … nicht wahr?

Realität und Wahn

Wenn jemand etwas behauptet, was objektiv (und nachweisbar) nicht stimmt, dann lügt er.
Wenn jemand etwas behauptet, was objektiv (und nachweisbar) nicht stimmt und das sogar selbst glaubt, der erliegt einem Wahn.

Wenn viele Leute diesem Wahn erliegen und diesen Wahn als „Wahrheit“ propagieren, dann hat unsere Gesellschaft ein massives Problem. (Kreuzzüge, Hexenjagden, Psychiatrie, Gefängnis, Ausgrenzung, Verfolgung, usw.)

Das einzige was zählt, sind echte Fakten.
Das Fundament dieser Fakten muß stabil und falsifizierbar sein.
Ist dieses Fundament nicht stabil, dann sind diese Fakten mit Vorsicht zu genießen.

Aktuell haben wir das Problem, daß der „Glaube“ mancher Menschen zur Wahrheit erhoben wird. Wer dagegen opponiert, wird als wahnsinnig hingestellt, obwohl es genau anders herum ist. Die Wahnsinnigen sind längst an der Macht und verschiedene Fraktionen von Wahnsinnigen kämpfen mit- und gegeneinander.

Was tun?
Mitspielen und sich selbst verleugnen?
Opponieren und sich Repressionen aussetzen?

Ersteres würde bedeuten, sich selbst zu verbiegen und sich in die Gruppen der Schafe einzureihen, nur um nicht aufzufallen.
Zweiteres ist unangenehm und kann (unter Umständen) gefährlich sein.

Das ist ein klassisches Dilemma in unserer Gesellschaft, in der der Herdentrieb immer noch sehr ausgeprägt ist.

Das finstere Mittelalter des Denkens ist noch lange nicht vorbei. Noch immer regieren Urteile, die aufgrund von Unwissen, Annahmen und Vorurteilen gefällt werden.

Mythos Waffe

Warum reagieren manche Leute derart extrem, wenn man ihnen sagt, daß man Waffenbesitzer (Jäger, Sportschütze, Sammler) ist? Was spielt sich in den Köpfen von Waffengegnern ab?

Zuerst mal kann man davon ausgehen, daß für die meisten Menschen überhaupt keine Vorstellung davon haben, was eine Waffe ist, was Waffenbesitz bedeutet und was Waffenbesitzer für Menschen sind.

Das erste Bild, das der unbedarfte Bürger im Kopf hat sind die aus Action-Filmen und Kriegsberichte aus dem Fernsehen. Dieses Bild hat aber nichts mit der realen Welt zu tun. Es ist eine durch und durch mythische Vorstellung von Waffen und deren Besitzern.

In der Vorstellung von Waffengegnern muß – anhand dieser Vorstellung – ein Waffenbesitzer ein Mensch sein, der in den Krieg ziehen, kämpfen und töten will. Oder jemand, der die „Helden“ in den Action-Filmen nachäffen will – vielleicht um ein psychisches Defizit oder zu geringes Selbstbewusstsein zu kompensieren. Vielleicht gibt es auch die Vorstellung vom paranoiden Einzelgänger, der glaubt er müsse sich gegen eingebildete Feinde verteidigen.

Die Realität ist recht profan. Von Heldentum oder psychischen Defiziten keine Spur. Wahnsinn? Fehlanzeige. Obwohl manche Waffengegner schon den Besitz einer Waffe als Anzeichen von Wahn und Irrsinn interpretieren, auch wenn sie selbst von Psychologie überhaupt keine Ahnung haben.

Was macht diesen „Mythos Waffe“ aus, aufgrund dessen auf den Waffenbesitzer Eigenschaften und Bilder projiziert werden, die in der Realität überhaupt nicht vorhanden sind?

Sieht man sich die Situation aus der Sicht des Waffenbesitzers an, dann wird aus diesem sinistren, sensationsgeschwängerten und fehl-psychologisiertem Bild wieder ein ganz profanes:
Ein Waffenbesitzer hat seine Waffen zu einem bestimmten Zweck. Nämlich zur Jagd, zum Sport, als Sammelobjekt oder zum Selbstschutz.

Er interessiert sich dafür als Werkzeug zur Jagd, weil es gewisse Vorschriften gibt, die für unterschiedliches Wild auch unterschiedliche Waffen mit unterschiedlichen (Leistungs-)Merkmalen vorschreibt.

Er hat seine Waffen für den Sport, der durch eine große Vielfalt an Disziplinen ebenfalls unterschiedlichste Waffen erfordert. Mancher Sportler beschränkt sich auf wenige Disziplinen, andere wechseln nach Lust und Laune. Schließlich soll Sport Spaß machen und entspannen. Leistungssportler sind die wenigsten Schützen. In den USA nennt man die Hobby-Schützen „Recreational Shooter“. Dafür gibt es keinen angemessenen deutschen Begriff. „Freizeitschütze“ kommt dem nahe, aber es geht um Spaß, Spannung, Entspannung … auf eine erholsame Weise, ohne den Wettkampstreß, den andere Sportschützen dagegen sehr mögen.

Wieder andere sammeln Waffen aus technischem Interesse, aus ästhetischen Gründen oder als Wertanlage, wobei in Deutschland nur der Aufbau einer historisch wertvollen Sammlung als Begründung gilt und sehr engen Grenzen unterworfen ist.

In allen Fällen spielen neben technischen Daten, der Verwendungsbestimmung oder Historie auch die Ästhetik und ein – nennen wir es mal – Besitzbewusstsein herein.

Waffenbesitz ist den meisten Leuten wohl deshalb ein Buch mit sieben Siegeln, weil sie überhaupt keinen Bezug zu Waffen haben, weil sie sich nicht damit auskennen (oder gar auskennen wollen), weil sie Angst vor etwas haben, das sie nicht kennen, weil sie einer Ideologie folgen, die Waffen in jeder Form unterschiedslos ablehnt.

Deshalb wollen viele Leute reflexartig alles verbieten, was ihnen Angst macht – obwohl sie meist nichts drüber wissen. Dabei erliegen diese Menschen der Illusion, daß etwas, was verboten wird, auch tatsächlich verschwindet – was einiges über die Weltfremdheit solcher Forderungen – und der Realitätswahrnehmung der Leute, die so etwas wollen, aussagt.

Von der Lebensangst in der heutigen Gesellschaft

Vor ein paar Monaten bin ich über eine Leseprobe aus einem Buch von Juli Zeh gestolpert. Grundsätzlich geht es in dem Buch über den Überwachungswahn des Staates und Kontrolle durch Angst. Der Text steht für sich … keine weiteren Erläuterungen nötig:

 

Ich entziehe einer Gesellschaft das Vertrauen, die aus Menschen besteht und trotzdem auf der Angst vor dem Menschlichen gründet. Ich entziehe einer Zivilisation das Vertrauen, die den Geist an den Körper verraten hat. Ich entziehe einem Körper das Vertrauen, der nicht mein eigenes Fleisch und Blut, sondern eine kollektive Vision vom Normalkörper darstellen soll. Ich entziehe einer Normalität das Vertrauen, die sich selbst als Gesundheit definiert. Ich entziehe einer Gesundheit das Vertrauen, die sich selbst als Normalität definiert. Ich entziehe einem Herrschaftssystem das Vertrauen, das sich auf Zirkelschlüsse stützt. Ich entziehe einer Sicherheit das Vertrauen, die eine letztmögliche Antwort sein will, ohne zu verraten, wie die Frage lautet. Ich entziehe einer Philosophie das Vertrauen, die vorgibt, dass die Auseinandersetzung mit existentiellen Problemen beendet sei. Ich entziehe einer Moral das Vertrauen, die zu faul ist, sich dem Paradoxon von Gut und Böse zu stellen und sich lieber an »funktioniert« oder »funktioniert nicht« hält. Ich entziehe einem Recht das Vertrauen, das seine Erfolge einer vollständigen Kontrolle des Bürgers verdankt. Ich entziehe einem Volk das Vertrauen, das glaubt, totale Durchleuchtung schade nur dem, der etwas zu verbergen hat. Ich entziehe einer Methode das Vertrauen, die lieber der DNA eines Menschen als seinen Worten glaubt. Ich entziehe dem allgemeinen Wohl das Vertrauen, weil es Selbstbestimmtheit als untragbaren Kostenfaktor sieht. Ich entziehe dem persönlichen Wohl das Vertrauen, solange es nichts weiter als eine Variation auf den kleinsten gemeinsamen Nenner ist. Ich entziehe einer Politik das Vertrauen, die ihre Popularität allein auf das Versprechen eines risikofreien Lebens stützt. Ich entziehe einer Wissenschaft das Vertrauen, die behauptet, dass es keinen freien Willen gebe. Ich entziehe einer Liebe das Vertrauen, die sich für das Produkt eines immunologischen Optimierungsvorgangs hält. Ich entziehe Eltern das Vertrauen, die ein Baumhaus »Verletzungsgefahr« und ein Haustier »Ansteckungsrisiko« nennen. Ich entziehe einem Staat das Vertrauen, der besser weiß, was gut für mich ist, als ich selbst. Ich entziehe jenem Idioten das Vertrauen, der das Schild am Eingang unserer Welt abmontiert hat, auf dem stand: »Vorsicht! Leben kann zum Tode führen.«