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Philosophische Begründung

Oft tut man sich schwer wenn man den Besitz von Waffen begründen soll – vor allem gegen Leute, die philosophische und moralische Argumente ins Spiel bringen.

Michael Huemer hat sich dieses Problems angenommen und liefert sorgfältig ausgearbeitete Argumente die sachlich, vernünftig und nicht widerlegbar sind.

http://edition.leske.biz/waffen2/huemer_guncontrol.pdf

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Zivilcourage?

Eins der Probleme in der Rezeption von Verbrechens-Opfern scheint zu sein, daß jemand, der sich erfolgreich wehrt, in den Augen von Medienkonsumenten und Medienvertretern zum Täter avanciert. Nur ein Opfer, das auch eins bleibt, ist ein gutes Opfer. Wehrt sich das Opfer, dann wird es zum Täter umetikettiert und der eigentliche Täter wird zum „armen Opfer“. Daß das Recht eigentlich auf Seiten des Angegriffenen ist, wird dabei ausgeblendet oder verdrängt. Frei nach dem Motto: „Wer Gewalt einsetzt, hat unrecht!“

Da überlegt man sich zweimal, ob man hilft oder sich selbst verteidigt, wenn die Wahrscheinlichkeit groß ist, daß das Notwehrrecht extrem eng ausgelegt wird. Man hat teilweise das Gefühl, daß die Wahrnehmung dieses Naturrechtes durch die Bürger nicht gewünscht ist.

„Sei ein braves Opfer, sei Dir unseres Mitgefühles gewiss (so lange Du Dich nicht wehrst), und danke, daß Du die verlogene, pseudo-pazifistische Moral der Mehrheit damit unterstützt. Wir stehen auf Schafe, die sich nicht wehren.“

So macht man es den Tätern leicht. Diese nutzen die von oben empfohlene Schafsmentalität rücksichtslos aus.

Einerseits wird Zivilcourage vom Bürger erwartet und sogar gefordert – meist von Menschen, bei denen die Gefahr, daß sie mal einem Angriff ausgesetzt sein könnten, extrem gering ist, oder Leuten, die Personenschutz haben – andererseits werden das Notwehrrecht und die Regelungen für Nothilfe so eng ausgelegt, daß man fürchten muß, daß Zivilcourage zum eigenen Nachteil gereicht.

Im selben Tenor:
http://sagittarius-femininus.de/taeter-und-leichte-opfer/

Moralische Panik

https://de.wikipedia.org/wiki/Moralische_Panik

Hochinteressanter Artikel, mit dem sich die emotionalen Reaktionen nach einem Verbrechen, das mit einer legalen Waffe begangen wurde, erklären lassen.

Moralische Panik entsteht, wenn eine Bevölkerungsgruppe Angst davor hat, daß sich ihre eigene Lebens- oder Gesellschaftsform und vor allem ihre Moralvorstellungen durch Neuerungen verändern könnte. Daraus entstehen dann (im Wortsinne) Hexenjagden.

Die von der moralischen Panik Betroffenen sehen im Allgmeinen ihre persönlichen Glaubenssätze in Gefahr. Im Falle der Waffengegner ist es oft der „Pazifismus“ und die „öffentliche Ordnung“, im Falle der „Ausländerfeinde“ deren Bild von geordneten, homogenen Gesellschaftsformen (was in Teilbereichen nicht ganz falsch, aber einseitig ist), im Falle der Extremfeministen und Genderisten deren Scheinwelt aus längst widerlegten, aber teilweise schon institutionalisierten Postulaten, usw, etc. pp.

Daraus entwickeln sich dann, gelegentlich auch gewalttätige, Proteste um den Status Quo beizubehalten – egal, wie dysfunktional die aktuellen Zustände sind. Das „bekannte Übel“ ist eben leichter zu ertragen oder zu ignorieren als das „unbekannte Übel“, das nicht selten emotional überhöht und extrem dramatisch dargestellt wird.

Weil’s so schön ist, hier ein längeres Zitat aus dem Wikipedia-Artikel:

Merkmale

Ein zentrales Merkmal besteht in der als Spiraleffekt[1] bezeichneten Verlaufsform einer moralischen Panik. Dieser Spiraleffekt zieht sich folgendermaßen hin: Zunächst entstehen Befürchtungen über das Verhalten einer sozialen Gruppe oder Klasse, welche von Teilen der Bevölkerung als Bedrohung der gesellschaftlichen Werte und der moralischen Ordnung eingeordnet wird. Diese Bedrohung wird daraufhin in einer sensationslüsternen Berichterstattung von den Medien rezipiert und unterstützt dadurch das Ausmaß und die Intensität der gesellschaftlichen Befürchtung. An diesem Punkt folgt eine Reaktion von Autoritäten oder einflussreichen Meinungsmachern, welche zur Unterbindung des Verhaltens aufrufen.[1]

Die Soziologen Erich Goode und Nachman Ben-Yehuda arbeiten in ihrem Buch Moral Panics: The social construction of deviance fünf signifikante Merkmale heraus, welche einer moralischen Panik inhärent sind.[9]

Besorgnis

Innerhalb der Gesellschaft entstehen Befürchtungen über das spezifische Verhalten einer Gruppe. Dieses wird von den einzelnen Gesellschaftsmitgliedern als abweichend und bedrohlich empfunden. Die Befürchtungen kommen in Form öffentlicher Umfragen, Medienkommentaren, Gesetzgebungen oder sozialen Bewegungenzum Ausdruck.[9]

Feindseligkeit

Es liegt eine kollektiv geteilte Feindseligkeit gegenüber der als Bedrohungen und als grundsätzlich bösartig empfundenen, gesellschaftlichen Gruppe oder Klasse vor. Dabei entsteht eine Abgrenzung zwischen „uns“ und „denen“, welche durch die Bildung von Stereotypen verstärkt wird. Diese Stereotypenbildung weist in ihrer Struktur Ähnlichkeiten zu der Bildung von Stereotypen auf, welche im Rahmen von Verdächtigungen gegenüber Kriminellen durch die Polizei verwendet werden.[9]

Übereinstimmung

Da Gefahr eine subjektiv wahrgenommene Größe darstellt, kann es keine klare Definition darüber geben, wann deren Ausmaß grundlegende, moralische Werte ernsthaft bedroht. Zu welchem Zeitpunkt von einer Gefahrensituation gesprochen werden kann, ist relativ. Demzufolge gilt für das Auftreten einer moralischen Panik, dass ein substantieller Teil der Bevölkerung Besorgnis über das Verhalten einer gesellschaftlichen Gruppe zeigt und diese Sorge von spezifischen Akteuren[10] zum Ausdruck gebracht wird.[9]

Disproportionalität

Disproportionalität beschreibt die Unverhältnismäßigkeit zwischen dem in der Gesellschaft subjektiv wahrgenommenen und dem objektiven Ausmaß der Gefahr. Der Aspekt der Disproportionalität ist umstritten, da es sich hierbei um eine Größe handelt, die praktisch nicht messbar ist. Kritiker, vor allem Vertreter des Sozialkonstruktivismus[11] gehen davon aus, dass Disproportionalität sozial konstruiert ist und objektiv gesehen eine leere Hülle darstellt.[9] Die empirische Validität ist folglich fragwürdig. Yehuda und Goode zufolge kann ein gewisses Ausmaß an Disproportionalität allerdings mittels einer Gegenüberstellung von empirischem Datenmaterial und den im öffentlichen Diskurs geführten Aussagen festgestellt werden.

Ausmaß

Das Ausmaß einer moralischen Panik ist temporär begrenzt und von schwankender Intensität gekennzeichnet. Die dabei aufkommende extreme Feindseligkeit von Bevölkerungsteilen gegenüber sozialen Gruppen hält nur über einen begrenzten Zeitraum an. Oftmals bricht eine moralische Panik eruptiv aus und kann anschließend wieder zügig verschwinden oder, nachdem sie ihren Lauf genommen hat, institutionalisiert werden. In Zeiträumen, bei denen die Besorgnis anhält, können Phasen moralischer Panik hintereinander auftreten.[9] Anhand der Charakteristika Dauer und Schwankungen kann eine moralische Panik von anderen, öffentlichen Befürchtungen über mögliche Gefahren unterschieden werden.[9]

Der englische Wikipedia-Artikel glänzt noch durch ein paar hübsche, plakative Beispiele: https://en.wikipedia.org/wiki/Moral_panic