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Die FAZ und die Statistik

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat sich mal wieder zu einem populistischen Artikel hinreißen lassen. Sie vergleicht Todesopfer durch Schußwaffen und mit Opfern durch Terrorismus in den USA. Wieder werden die insgesamt 30.000 Schußwaffentoten der USA bemüht. Eingeschlossen in diese Zahl sind Suizide (60-65%) und Unfälle.

Kann mir jemand erklären, was für eine nützliche Erkenntnis man aus diesem konstruierten Vergleich ziehen kann? Denn schon die Todesursache durch Terroranschläge hat im Großen und Ganzen mit Schußwaffen nichts zu tun. Die meisten der Terroropfer kamen durch Bomben und durch den Einsturz zweier Hochhäuser um und nicht durch Schußwaffen. Da ist sogar der Vergleich Schußwaffenopfer – Verkehrsopfer wesentlich legitimer.

Groß kommentieren muß man das wohl nicht. Jeder, der sich ein bisschen mit dem Thema auskennt, weiß Bescheid:

http://www.faz.net/aktuell/politik/waffengewalt-in-amerika-die-ernuechternde-sprache-der-zahlen-13838146.html

Wieder mal ein Beitrag aus dem „Qualitätsjournalismus“ der ausschließlich Stimmungs- und Meinungsmache ist. Und dann beschweren sich die Medien, wenn man sie als Lügenpresse beschimpft …

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Die amerikanischen Zustände

more gun laws stop criminalsIn unseren Medien werden immer die grässlichen „amerikanischen Zustände“ beschworen – nicht nur, aber vor allem, wenn es um Waffen geht.

Nun haben die USA zwar ihr 2nd Amendmend[1], das jedem Bürger zugesteht, Waffen zu besitzen und zu tragen – in der Praxis sieht das allerdings ganz anders aus. Jeder Staat in den USA hat ein eigenes Waffengesetz. Damit gibt es 50 unterschiedliche Waffengesetze[2]. Tatsächlich aber kann jede Stadt und jeder Verwaltungsbezirk eigene Regelungen erlassen. Aktuell gibt es rund 20.000 Waffengesetze in den USA, die von ausgesprochen lax bis zu Totalverbot reichen.

Auch in den USA gibt es viele Gruppierungen  wie Bloomberg[3] oder die Brady Campaign[4], die das Waffenrecht stark einschränken wollen. Sie berufen sich dabei auf die ausufernde Gewalt- und Waffenkriminalität. Dazu führen sie eine Liste mit den Staaten in denen ein strenges Waffengesetz herrscht und bezeichnen diese als „sichere Staaten“ weil nach deren Ansicht ein strenges Waffengesetz zu weniger Gewalt führt. Ein US-Youtuber hat sich diese Listen genauer angesehen:

Wie man sieht, haben die Daten der Waffengegner nur sehr wenig mit den tatsächlichen, offiziellen statistischen Zahlen zu tun. Gleiches kann man in Deutschland/Europa beobachten, wo Waffengegner mit plausibel aussehenden, aber verdrehten oder falschen Statistiken versuchen, ihre Behauptungen zu belegen.

Wenn schon ganz gewöhnliche Bürger anhand der öffentlich herausgegebenen Zahlen die Lügen von der Realität trennen können – was könnten da erst Journalisten herausfinden, wenn sie vorurteilslos an das Thema herangehen würden. Über zwei Drittel unserer Journalisten haben allerdings ein rot-grünes Weltbild – ein Weltbild, das kategorisch (aber unüberprüft) behauptet, daß mehr Waffen zu mehr Waffengewalt führen. Etwas, was der Journalist Wolf Wiedmann-Schmidt letztes Jahr mit einem datenjournalistischen Artikel[6] in der Zeit zu belegen versuchte, wobei seine eigenen Zahlen ihn Lügen straften und er, in der höchst unterhaltsam zu lesenden Kommentarsektion des Artikels, verdienterweise eins auf den Deckel bekam.

Links:
[1] 2nd Amendmend – Wikipedia
[2] 50 unterschiedliche Waffengesetze in den USA – Wikipedia
[3] Bloomberg’s Anti-Waffenwerbung belegt unabsichtlich das Gegenteil
[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Brady_Campaign
[5] Bloomberg steckt $50 Millionen in Anti-Waffen Kampagne
[6] Waffenland Deutschland – ZEIT
[7] http://volkert.caliber-corner.de/2013/09/20/amerikanische-verhaltnisse/
[8] http://volkert.caliber-corner.de/2013/04/06/eine-einfache-gleichung-teil-iii-die-amerikanischen-verhaltnisse/

Bundeslagebild Waffenkriminalität 2014

Das „Bundeslagebild Waffenkriminalität 2014“ wurde veröffentlicht. Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort.

http://volkert.caliber-corner.de/2015/06/10/bundeslagebild-waffenkriminalitaet-2014/

Trotzdem hätte ich sowohl im Bundeslagebild, wie auch in der PKS gerne eine saubere Aufschlüsselung der Fälle. Das BKA schmeißt einfach einen Großteil der Zahlen auf einen Haufen und Interessierte müssen sich das, was wirklich interessant ist, selbst zusammensuchen.

Die Daten sind vorhanden, warum werden sie so stiefmütterlich behandelt. In anderen Ländern werden von den Behörden sogar die Rohdaten zur Verfügung gestellt …

Die Sterbeursachen-Statistik

Waffengegner betonen ja immer die ungeheuren Gefahren, die von legal besessenen Schußwaffen ausgehen sollen. Dabei ignorieren sie, daß es einen gravierenden Unterschied zwischen potenzieller Gefährdung und realer Gefahr gibt.

Ein Blick in die Sterbeursachen-Statistik des Bundesamtes für Statistik dagegen zeigt, daß Schußwaffen bei den „unnatürlichen“ Todesursachen völlig im statistischen Grundrauschen untergehen – nicht mal School-Shootings ändern etwas daran. Es passiert einfach viel zu selten etwas mit Waffen, als daß man ernsthaft behaupten könnte, es gäbe ein ernsthaftes Problem. Nicht mal die hohe Anzahl der verfügbaren legalen und illegalen Waffen ändert etwas an dieser Tatsache.

Seit einiger Zeit trage ich mich mit dem Gedanken die offiziellen Statistiken auszuwerten, konnte mich aber wegen der Datenfülle nie dazu aufraffen. (Außerdem bin ich eine Niete, was Excel angeht). Die Arbeit hat mir jetzt dankenswerter Weise Volker abgenommen und der kommt zu wenig überraschenden Ergebnissen, die allerdings die Hysterie von Medien, Politikern und Waffengegnern Lügen strafen.

Zwar werden diese Tatsachen von Waffengegnern weiterhin ignoriert werden, aber es gibt genügend intelligente Menschen, die sich lieber an die Fakten halten, statt blind der Masse der Hysteriker und Ideologen nachzulaufen.

Viel Spaß bei der Lektüre:
http://volkert.caliber-corner.de/2015/04/06/sterbeursachenstatistik-nach-icd-10/

Weitere Links:
Todesursache Schußwaffe
Unnatürliche Todesursachen 1998-2013

Bundeslagebild Waffenkriminalität für 2013 veröffentlicht

Die Freigabe der letzten 2 Bundeslagebilder musste von der AG Waffenrecht bei den Piraten quasi erzwungen werden. Dieses Jahr hat das BKA das Dokument recht zeitnah zur PKS veröffentlicht, ohne, daß von Bürgerseite nachgeholfen werden musste. Vielleicht kriegen wir es auch mal hin, daß das BKA sauber und klar zwischen legalen, illegalen und Behördenwaffen aufschlüsselt. Wir wissen ja inzwischen, daß diese Daten erfasst werden – was über die Qualität allerdings nichts aussagt

Hier ist das aktuelle Dokument zu finden:

Bundeslagebild Waffenkriminalität 2013

Immer noch finden sich die Kriterien „mit Waffe gedroht“ und „mit Waffe geschossen“, die auch angewendet werden, wenn ein Täter mit einer AirSoft-Pistole und Plastikkügelchen schießt. Das ist einfach albern und weltfremd. Meiner Meinung nach hat „gefühlte“ Gefährdung nichts in so einem Dokument zu suchen, auch wenn drohen und schießen mit Spielzeug in Bezug auf ein Verbrechen bewertet wird. So eine Akkumulierung von Daten verwirrt den uninformierten Leser und verfälscht die Realität.

Zum Inhalt des Bundeslagebildes: Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort. Obwohl weiterhin viele legale und noch sehr viel mehr illegale Waffen in Bürgerhänden sind, passiert sehr wenig. Das BKA schätzt die Gefährdung durch Waffen als „gering“ ein.

Würde man versuchen, die geringe Mißbrauchsrate bei den vorhandenen Schußwaffen in einem realistischen Verhältnis als Diagramm darzustellen, dann wären die paar wenigen Verbrechen, die mit Waffen begangen werden, gar nicht darstellbar.

Statistische Realität trifft auf mediale Hysterie. Die harten, trockenen Zahlen belegen, daß man sich in Bezug auf Schußwaffen keine Sorgen zu machen braucht. Die Medien dagegen stellen das genau umgekehrt dar. Lernfähig sind die meisten Journalisten und Medienformate in Bezug auf das Thema leider immer noch nicht.

Der „gesunde“ Menschenverstand

Man kennt das … da kommen einem die Leute mit ihrem „gesunden Menschenverstand“. Wirft man zur Kontrolle von Behauptungen, die mit „gesundem Menschenverstand“ gemacht wurden, einen Blick in die Statistiken, dann merkt man schnell, daß es mit diesem Konstrukt „gesund“ und „Verstand“ bei vielen Menschen nicht weit her ist.

Über die Jahre habe ich etliche meiner Meinungen, Vorurteile und Prägungen zu den Akten legen müssen. Manchmal war das schmerzhaft, wenn man sich in der Öffentlichkeit mit einer offensichtlich falschen Meinung lächerlich gemacht hat, oder wenn eine seriöse, wissenschaftliche Statistik genau das Gegenteil eines tiefsitzenden Vorurteiles belegte. Es ist hart, wenn man sich eine falsche Haltung angewöhnt hat, und diese dann verändern muß.

Leider halten sehr viele Menschen an ihrem „gesunden Menschenverstand“ fest, selbst dann, wenn man ihnen klipp und klar beweisen kann, daß ihre Meinung falsch und vorurteilsbehaftet ist. Dann hört man den alten Satz „glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“, und ähnlichen billigen Gemeinplätzen, die eine Aussage ungeprüft und pauschal diskreditieren sollen.

Der „gesunde“ Menschenverstand war früher vielleicht mal gesünder (was ich persönlich bezweifle, bis ich statistische Beweise dafür habe). Heutzutage ist es nichts weiter als eine Ausrede, das eigene Denken und Handeln nicht verändern zu müssen.

Es gibt natürlich falsche und gefälschte und missinterpretierte Statistiken. Ein Mensch mit wirklich „gesundem Menschenverstand“ wird diese Daten selbst überprüfen und ihnen nicht blind vertrauen. Als prominentes Beispiel kann man das statistische Material, das die Waffengegner verwenden, genauer ansehen.

Da findet man sehr schnell falsche bzw. verdrehte Zahlen und Behauptungen, die seit Jahrzehnten nicht korrigiert wurden. Dazu Studien, deren wissenschaftlicher Anspruch mehr als zweifelhaft ist, da Quellen, Rahmenbedingungen und Methodik nicht offengelegt sind. Zusätzlich werden alte, überholte psychologische „Erkenntnisse“ bis zum erbrechen widerholt, was diese auch nicht richtiger macht, da neuere Studien längst das Gegenteil belegt haben.

Das sind dann die falschen Studien, denen die Waffengegner vertrauen. Da hegt deren „gesunder Menschenverstand“ keine Zweifel an den Zahlen – schließlich passen sie wunderbar zu den Vorurteilen. Da wird kein Verdacht gehegt, daß die Statistiken, die psychologischen Studien, die soziologischen Behauptungen, überholt, falsch oder gefälscht sein könnten.

Gesunder Menschenverstand? Wer sich darauf beruft, der verwendet ihn meist nicht richtig.

Für simple, primitive Sachen, wie z.B. seine Hand nicht ins Feuer zu legen, reicht der Menschenverstand aus. Sobald es komplex wird, versagt dieser Mechanismus auf ganzer Linie.