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Die amerikanischen Zustände

more gun laws stop criminalsIn unseren Medien werden immer die grässlichen „amerikanischen Zustände“ beschworen – nicht nur, aber vor allem, wenn es um Waffen geht.

Nun haben die USA zwar ihr 2nd Amendmend[1], das jedem Bürger zugesteht, Waffen zu besitzen und zu tragen – in der Praxis sieht das allerdings ganz anders aus. Jeder Staat in den USA hat ein eigenes Waffengesetz. Damit gibt es 50 unterschiedliche Waffengesetze[2]. Tatsächlich aber kann jede Stadt und jeder Verwaltungsbezirk eigene Regelungen erlassen. Aktuell gibt es rund 20.000 Waffengesetze in den USA, die von ausgesprochen lax bis zu Totalverbot reichen.

Auch in den USA gibt es viele Gruppierungen  wie Bloomberg[3] oder die Brady Campaign[4], die das Waffenrecht stark einschränken wollen. Sie berufen sich dabei auf die ausufernde Gewalt- und Waffenkriminalität. Dazu führen sie eine Liste mit den Staaten in denen ein strenges Waffengesetz herrscht und bezeichnen diese als „sichere Staaten“ weil nach deren Ansicht ein strenges Waffengesetz zu weniger Gewalt führt. Ein US-Youtuber hat sich diese Listen genauer angesehen:

Wie man sieht, haben die Daten der Waffengegner nur sehr wenig mit den tatsächlichen, offiziellen statistischen Zahlen zu tun. Gleiches kann man in Deutschland/Europa beobachten, wo Waffengegner mit plausibel aussehenden, aber verdrehten oder falschen Statistiken versuchen, ihre Behauptungen zu belegen.

Wenn schon ganz gewöhnliche Bürger anhand der öffentlich herausgegebenen Zahlen die Lügen von der Realität trennen können – was könnten da erst Journalisten herausfinden, wenn sie vorurteilslos an das Thema herangehen würden. Über zwei Drittel unserer Journalisten haben allerdings ein rot-grünes Weltbild – ein Weltbild, das kategorisch (aber unüberprüft) behauptet, daß mehr Waffen zu mehr Waffengewalt führen. Etwas, was der Journalist Wolf Wiedmann-Schmidt letztes Jahr mit einem datenjournalistischen Artikel[6] in der Zeit zu belegen versuchte, wobei seine eigenen Zahlen ihn Lügen straften und er, in der höchst unterhaltsam zu lesenden Kommentarsektion des Artikels, verdienterweise eins auf den Deckel bekam.

Links:
[1] 2nd Amendmend – Wikipedia
[2] 50 unterschiedliche Waffengesetze in den USA – Wikipedia
[3] Bloomberg’s Anti-Waffenwerbung belegt unabsichtlich das Gegenteil
[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Brady_Campaign
[5] Bloomberg steckt $50 Millionen in Anti-Waffen Kampagne
[6] Waffenland Deutschland – ZEIT
[7] http://volkert.caliber-corner.de/2013/09/20/amerikanische-verhaltnisse/
[8] http://volkert.caliber-corner.de/2013/04/06/eine-einfache-gleichung-teil-iii-die-amerikanischen-verhaltnisse/

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Provokateure in Flecktarn

… titelt die „Süddeutsche Zeitung“.

http://www.sueddeutsche.de/politik/usa-provokateure-in-flecktarn-1.2605510

Der Bericht ist wieder mal eine Glanzleistung des deutschen Qualitätsjournalismus (für die Leute, deren Ironiedetektor genau so kaputt ist wie meiner – das war Ironie!)

Wer sich mit den „amerikanischen Zuständen“ ein bisschen auskennt, der weiß, daß diese „obskuren“ Milizionäre nur ihre verfassungsgemäßen Rechte und Pflichten wahrnehmen und, daß sie vor allem die Verfassung der USA ganz besonders ernst nehmen. (Wir würden radikale Grundrechts-Schützer dazu sagen).

Die Oathkeepers sind ausschließlich Polizisten, Soldaten, Feuerwehrleute, Veteranen und andere Menschen, die im Staatsdienst einen Eid auf die Verfassung abgelegt haben und sich im Privatleben und im Dienst streng daran halten. Man kann sich kaum gesetzestreuere Menschen vorstellen. Nazis und Rassisten wird man in den Reihen der Oathkeepers eher nicht finden, dafür aber tatsächlich gelegentlich auch „Persons of Color“. Also Mitglieder von ethnischen Minderheiten. Der größte Anteil der US-Bevölkerung ist „weiß“, deshalb spieglt sich das Verhältnis auch in der Mitgliedschaft der Oathkeepers wieder.

Dem US-Staatsapparat und den Behörden sind die Oathkeepers deswegen suspekt, weil diese ein Auge auf die Aktionen des Staates und seiner Organe haben und alle Verstöße gegen die Verfassung und bürgerlichen Grundrechte (wovon es eine erkleckliche Menge gibt) beobachten und dokumentieren.

In den USA ist der Bürger der Staat, der Souverän – so wie es bei uns auch sein sollte. Das äußert sich z.B. darin, daß es der Bürgerschaft jederzeit möglich ist, einen unfähigen, dummen oder korrupten Politiker durch Votum aus dem Amt zu entfernen (etwas was ich mir für Deutschland sehr wünschen würde). Jeder Bundesstaat ist von Washington unabhängig (ähnlich wie die Staaten der EU) und hat eine eigene Miliz (die National Guard). Trotzdem gilt dazu das 2nd Amendment, das jedem Bürger erlaubt eine Waffe zu besitzen und zu tragen – etwas, was von staatlicher Seite heftig bekämpft wird. Dazu gibt es ein schönes Video, in dem erklärt wird, wie die Gründerväter es verstanden haben. Das geht auch eindeutig aus den Kommentaren zur Constitution hervor.

Jetzt regen sich die – mit dem US-Recht nicht vertrauten – deutschen Kommentatoren auf, wie sich Privatleute und irreguläre Milizionäre anmaßen können, auf der Straße offen Waffen zu tragen. Da hilft z.B. das Waffengesetz von Missouri weiter: https://en.wikipedia.org/wiki/Gun_laws_in_Missouri

Der entsetzte Deutsche kann daraus lesen, daß in Missouri die Behörden keinerlei Registrierungszwang wie in Deutschland kennen, daß Waffen dort von jedem unbescholtenen, volljährigen Bürger (schwarz, weiß, gelb, lila) gekauft und besessen werden dürfen – übrigens, ohne den FBI Background Check geht in den USA sowieso wenig. Und, daß Waffen offen getragen werden dürfen. Missouri ist einer der wenigen US-Bundesstaaten in denen es keine Restriktionen bezüglich vollautomatischer Waffen in Bürgerhand gibt. Es existiert sogar eine Regelung, die es an Waffen ausgebildeten Lehrern erlaubt, ihre Waffen in der Schule zu tragen, was, meiner unbescheidenen Meinung nach, einen potenziellen Amokläufer dazu bringen wird, sich ein leichteres Ziel zu suchen.

Was die Oathkeepers machen und was nicht in dem Artikel steht:

Sie schützen nicht etwa exklusiv die Viertel der Weißen, sondern sie schützen die Häuser und Geschäfte aller Bürger in Ferguson – egal ob die Besitzer schwarz oder weiß sind. Die Inhaber der kleinen Geschäfte – meistens Schwarze – finden jedenfalls die Professionalität und die Verfassungstreue der Milizionäre  sehr gut.

Auch spielen sie sich nicht als privater, elitärer Sicherheitsdienst für eine wohlhabende Minderheit auf, sondern sie schützen die Interessen und das Eigentum von Bürgern gegen Personen, die sich einen Spaß draus machen, zu brandschatzen und zu plündern um ihre Empörung gegenüber einer als repressiv empfundenen Staatsmacht auszudrücken. Die Empörung ist echt und durchaus gerechtfertigt – die Gewalt, ausgeübt gegen (nicht selten auch schwarze) Nachbaren ist es nicht.

Die Oathkeepers haben angeblich ein seltsames „Staatsverständnis“
Nach deutschen, obrigkeitshörigen, Kriterien mag das absolut zutreffen. Die Gründerväter der USA und Autoren der Verfassung waren der Meinung, daß man jeder Regierung genau auf die Finger sehen müsste, da man immer davon ausgehen kann, daß eine Regierung früher oder später korrupt und machtlüstern werden würde. Wer sich die Außenpolitik der USA ansieht, der wird dem nicht widersprechen können. Die Oathkeepers sehen sich als Grundrechtsbewahrer im eigenen Land und das zeigt auch die Liste mit den 10 Befehlen, die ein Mitglied der Oathkeepers als unkonstitutionell ansieht und nicht ausführen wird – auch wenn sie von einem Vorgesetzten kommt.

Den Oathkeepers gehen die permanenten Übergriffe und Gesetzesverstöße der US-Behörden gegenüber den Bürgern auf die Senkel. Vor allem der Mißbrauch der Privilegien, die das Machtmonopol mit sich bringt, ist in den USA offenkundig. Die Polizei (und die Gesetze) dürfen nicht gegen die Verfassung verstoßen – tun es aber, nicht selten auf Weisung von „oben“, viel zu oft. Wie bei uns sind Soldaten und Polizisten „Staatsbürger in Uniform“. Eigentlich wird selberdenken verlangt, trotzdem wird häufig ohne Nachdenken auf den Einsatzbefehl reagiert, statt erst darüber nachgedacht, ob der Befehl legitim und mit den geltenden Gesetzen im Einklang ist.

Um sich eine eigene Meinung zu bilden, sollte man sich unbedingt unterschiedliche Quellen mit unterschiedlichen Standpunkten zu Gemüte führen. Nur so kann man wirklich beurteilen, ob das, was man von den meist staatshörigen Mainstream-Medien vorgesetzt bekommt, wirklich wahr ist. Auch das, was hier verlinkt ist, könnte PR und Meinungsmache sein. Trotzdem sollte man sich die andere Seite anhören:

Oath Keepers In Ferguson The truth behind the lies

Wie auch bei uns sind die Medien und Journalisten weitgehend eher „links“ eingestellt (in Deutschland hat die Mehrzahl aller Journalisten eine rot-grüne Einstellung, was sich auch in der Tendenz der Medien niederschlägt). Entsprechend gefärbt sind die Ansichten und Meinungen. Die Oathkeepers werden gerne in die rechte Ecke gestellt, weil vielen Journalisten das Konzept der „Freiheit“ ziemlich fremd ist.

Weitere Quellen:

http://www.americanthinker.com/articles/2010/08/the_oath_keeper_villain_or_val.html

http://www.policemag.com/channel/patrol/articles/2013/04/who-are-the-oath-keepers.aspx

http://bearingarms.com/the-truth-about-the-oath-keepers/

Witness The 2nd Amendment In Action On The Streets Of Riot Plagued Ferguson. (Ja, ich weiß – Alex Jones. Aber Journalismus gemischt mit Aktivismus ist bei uns inzwischen genau so häufig. Daran müssen wir uns wohl gewöhnen und lernen zwischen den Zeilen zu lesen.)

 

Seriöser Journalismus

Bei der Welt gibt es wahrhaftig einen Artikel, der die tatsächlichen „amerikanischen Zustände“ sachlich und faktenorientiert beschreibt. Sauber recherchiert, wie man das von einem guten Journalisten erwarten darf.

http://www.welt.de/vermischtes/article143346240/Immer-mehr-Waffen-immer-weniger-Morde.html

Warum es nicht mehr solcher Artikel gibt? Jeder der sich mit dem Komplex Waffen-Waffenbesitz-Waffenrecht (und evtl. anderen kontroversen Themen) ein bisschen auskennt, weiß um die Faktoren, die zu verdrehter und falscher Berichterstattung führen:

  • persönliche Ängste
  • Vorurteile
  • unzureichende Informationen
  • ideologische Verblendung
  • Kontrollbestrebungen
  • Druck durch Redaktions- oder Verlagsvorgaben
  • eigene politische/ideologische Vorprägung
  • Konformitätszwang

Schön, daß es doch immer wieder echte Journalisten gibt, die es schaffen, ordentliche Recherche zu betreiben und saubere Ergebnisse abzuliefern. In diesem Falle gilt meine Hochachtung Herrn Ansgar Graw von der WELT.

So sieht Qualitätsjournalismus aus. (Wegen kleinerer Ungenauigkeiten im Originalartikel mache ich jetzt keinen Aufstand. Die wirklich wichtigen Fakten stimmen und sind nachprüfbar. Das ist das, was zählt).

Waffen und Selbstverteidigung

Das Cato-Institut hat eine interaktive Karte für die USA erstellt, auf der Selbstverteidigung mit Schusswaffen visualisiert wird. Die Karte belegt, dass jährlich eine ganze Menge Kriminalität alleine durch bewaffnete Bürger verhindert wird.

Ob die von der NRA und anderen pro-Gun-Organisationen postulierte Zahl von 2 – 2,5 Millionen Selbstverteidigungs-Fälle per Anno stimmt, kann wohl nicht belegt werden, da viele Verbrechen schon abgebrochen/verhindert werden, wenn dem Verbrecher klar wird, dass das Opfer eine Waffe hat und auch beabsichtig sie zu benutzen.

Ein Verbrechen, das nicht stattfindet, bzw. nicht beendet wird, ist natürlich weder für Medien noch Polizei interessant. Meist werden solche Fälle auch gar nicht erst gemeldet.

Die Karte ist trotzdem interessant:
http://www.cato.org/guns-and-self-defense

USA → Colorado → Waffen- und Drogengesetze

In den USA im Bundesstaat Colorado wurden vor einiger Zeit per Volksentscheid und vor Gericht zwei wichtige Regelungen geändert. Es wurde Marihuana (Cannabis) für den Genuß freigegeben und ein paar recht strikte, aber wirkungslose Waffengesetze wurden als „unconstitutional“ zurückgezogen. (Colorado Gun-Laws)

Sowohl die „Liberals“ (unser Equivalent wären die Sozis – mit unserem Begriff von „liberal“ hat das amerikanische Wort nichts zu tun – da wird der Begriff „libertär“ benutzt) als auch die republikanischen Parteigänger (bei uns die Konservativen – auch wenn das nur eine recht grobe Annäherung ist) sind jetzt sauer, daß sich ihre hysterischen, alarmistischen Vorhersagen nicht bestätigen.

– Die Linken behaupteten, durch die Lockerung der Waffengesetze würde es zu mehr Verbrechen, Mord- und Totschlag kommen.

– Die Konservativen behaupteten, durch die Freigabe von Drogen würde es zu mehr Verbrechen, Mord- und Totschlag kommen.

Statt dessen sinken die Verbrechensraten signifikant.

Jetzt behaupten die Linken, das läge daran, daß die sinkende Drogenkriminalität durch die Freigabe von Cannabis die Ursache wäre, während die Konservativen damit angeben, daß das freiere Waffengesetz und die großzügig vergebenen Waffenscheine, die Verbrecher besser in Schach halten würden.

Vermutlich haben beide Seiten teilweise recht – und das ist das eigentlich witzige daran.

Die Glaubenssätze dieser autoritären politischen Gruppierungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Trotzdem haben sie gemeinsam, daß ihre Behauptungen auf Annahmen und Vorurteilen beruhen, an denen sie – egal welche Gegenbeweise vorgelegt werden –  stur festhalten.

… wie bei uns in Europa oder in Deutschland auch.

 

Amerika erklärt

Viele Menschen haben ihr Amerika-Bild nur aus den Medien. Im Geschichtsunterricht lernt man kaum etwas darüber, über die politischen Verhältnisse glaubt man aus Nachrichten und Kommentaren Bescheid zu wissen. Tatsächlich wissen die meisten Leute nichts über Amerika.

Deshalb möchte ich das Blog „Amerika erklärt“ wärmstens empfehlen. Geschrieben von einem Amerikaner (in exzellentem Deutsch). Der weiß also, wovon er spricht.

Zum Einstieg lohnen sich die 5 Beiträge die ich hier verlinke, ganz besonders. Sie korrigieren das Bild, das wir von Amerika und „den Amis“ zu haben glauben:

http://usaerklaert.wordpress.com/die-funf-wichtigsten-und-hoffentlich-besten-eintrage/

Was hat das mit meinem Blog zu tun? Nun – die meisten Deutschen halten die USA für ein Land voller schießwütiger Deppen. Das stimmt natürlich nicht und die Lektüre dieses Blogs dürfte zum besseren Verständnis beitragen.

Mir gefallen deshalb auch Beiträge, wie dieser hier:

  • Zu Waffengesetzen: Dieser Autor verzweifelt etwas daran, Deutschen klar zu machen, dass die Einstellung zur Schusswaffe nicht einfach nach Parteigrenzen verläuft. Vielleicht hilft diese neue Umfrage von Zogby/O’Leary:

    A majority of Independent voters (86 percent), Democrats (80 percent), young voters age 18-29 (83 percent), Hispanic voters (80 percent), and those who voted for President Obama (80 percent) support the right to carry a firearm.

    (Spekulationen in den Kommentaren, dass die Studie eine Fälschung sein könnte, sind mit Google leicht zu widerlegen) Es dürfte nicht wundern, dass Befürworter von liberalen Gesetzen die Entwicklung so kommentieren: We’re winning.

Wenn man die Seite mal mit der Suchfunktion nach „Waffen“ oder „Waffengesetz“ durchsucht, findet man einige sehr interessante Informationen, die uns unsere Medien unterschlagen.

Auch empfinde ich den neutralen Informations-Stil des Blogs als sehr angenehm.