Waffen sind Männersache

Klar, muß ja so sein. Der Mann, als Archetyp des Ernährers/Jägers, als Familienvater/Verteidiger, aber auch als Soldat oder Gewalttäter hat traditionell eine Affinität zu Waffen. Wird von manchen Psychologen behauptet, wird wohl stimmen. (Der letzte Satz ist ironisch gemeint. Es gibt etliche, viel neuere Studien, die dieses alte Klischee durchaus in Frage stellen).

Klischees sind was wunderbares – sie mögen zwar, oberflächlich gesehen, einen wahren Kern haben, aber sorgfältig betrachtet sind sie halt nur grobe Holzschnitte, die der Realität nicht unbedingt gerecht werden.

Man redet Frauen seit Jahren ein, daß sie die weichen, nachgiebigen, vermittelnden und vor allem friedlicheren und pazifistischeren Persönlichkeiten wären. Außerdem sind Frauen generell gegen Waffen. Oberflächlich gesehen scheint das tatsächlich zuzutreffen. Das Bild wird von den Medien so gezeichnet, so stellt es sich in den Köpfen der Bevölkerung dar. Aber stimmt das Bild?

Gerade in den letzten Jahren nimmt der Anteil der Frauen bei den Sportschützen und vor allem bei den Jägern kontinuierlich zu. Warum halten sich die Frauen nicht an das Bild, das die Gesellschaft von ihnen hat (oder haben will)? Haben wir zu viele starke (nicht selten bewaffnete Frauen) in amerikanischen Action-Filmen, als neues Rollen-Beispiel?

Bei einigen wenigen Frauen mag das der Fall sein. Andere dagegen stellen die alten Rollenbilder in Frage und dringen ganz selbstverständlich in die sogenannten Männerdomänen ein. Das ist etwas, was den Soziologen auffällt und worüber sie dann Studien schreiben, die niemand liest.

Daß Frauen in den Schützenvereinen aber schon immer eine feste Größe waren – wenn auch als Minderheit – das wird gerne übersehen. Viele der Schützen bei Olympia sind Frauen. Sehr erfolgreiche übrigens. Beim schießen mit großkalibrigen Flinten (Trap & Skeet) spielen sie bei der Weltspitze ganz vorne mit, genauso wie bei den Druckluft- und Kleinkaliber-Disziplinen.

Auch der Biathlon ist eine der Paradedisziplinen für die Frauen. Da schweigt sogar der Waffengegner. Vermutlich weil er nicht weiß, daß da mit scharfen Waffen geschossen wird. Bis 1977 sogar mit Großkaliber-Gewehren. Übrigens: Biathlon ist, wie die meisten klassischen Sportarten, eine „militärische/kriegerische“ Disziplin. Denn sehr viele populäre Sportarten haben/hatten einmal einen militärischen Zweck.

Aber auch bei den Schießsportarten die nicht olympisch sind, haben die Frauen seit vielen Jahrzehnten einen festen Platz – im Allgemeinen ziemlich weit vorne. Korreliert man die sportlichen Ergebnisse mit denen der Männer, dann weiß man, warum es nach Geschlechtern getrennte Wettbewerbe gibt. In diesem Fall allerdings anders als bei den „physischen“ Sportarten, bei denen Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer den Männern meist einen Vorteil vor den Frauen geben. Beim Schießsport ist es auch mal anders herum. Denn die Frauen liegen bei diesem Sport mit den Männern oft Kopf an Kopf. Die Regelung sorgt also ausnahmsweise dafür, daß das Gros der Männer nicht unter „ferner liefen …“ in der Ergebnisliste steht. Manche Schießsportarten (wie das Silhouetten-Schießen) kennen gar keine geschlechtliche Trennungen zwischen Mann und Frau und das Alter ist im großen und ganzen sowieso egal.

Schießen (Sport und Jagd) ist also keine „unweibliche“ Betätigung. Es ist definitiv keine Sportart, die auch nur ansatzweise einer Gender-Trennung unterliegen sollte oder gar müsste. Diese Trennungen nehmen nur Ewiggestrige und Ideologen vor.

Seit einigen Jahren erlebe ich, daß nicht nur Töchter, Freundinnen und Lebensgefährtinnen von Sportschützen Pulverdampf schnuppern, was die häufigste Art ist, wie Frauen zum Schießsport kommen, sondern daß kleinere Gruppen von 2-5 Frauen auf dem Schießstand auftauchen, ganz gezielt nach einem Probetraining fragen, oder „einfach mal schießen“ wollen.

Das an sich ist schon, verglichen mit früher, ziemlich ungewöhnlich. Denn die erst mal distanzierte Atmosphäre und die Männerdominanz in den Vereinen lädt normalerweise nicht dazu ein, spontan und unbefangen einfach etwas neues auszuprobieren.

Es ist jedenfalls spannend zu sehen, wie selbstbewusst und unbefangen Frauen an etwas herangehen, was ihnen laut Rollenbild (sowohl dem traditionellen, als auch dem modernen) nicht zugestanden wird. Da bekommt man Fragen, die ein Mann kaum in dieser Form – wenn überhaupt – stellen würde:

Wie funktioniert das?
Wie hält man die Waffe richtig?
Wie lädt man richtig?
Gehört das Magazin so oder anders herum rein?
Wie stark ist der Rückstoß?
Wie fest muß ich zupacken?
Wie zielt man richtig?

Schon nach der mündlichen Einweisung (die fachkundig und didaktisch sein sollte) legt sich ein Großteil der Nervosität und nach den ersten Schüssen, erst in Kaliber .22 und dann auch diverse Großkaliber ist die unterbewusste Einstellung „… so was macht frau nicht“ völlig weg.

Statt dessen (wie bei allen Anfängern) Begeisterung, breites Grinsen und der Wunsch nach mehr.

Zugegeben … viele Frauen wollen nur mal ausprobieren, eine neue Erfahrung machen, und kommen dann nie wieder. Aber auch das ist völlig in Ordnung, denn es ist schon sehr viel wert, wenn man jemandem den Unterschied zwischen Kino und Realität begreiflich machen kann. Aber andere kommen immer mal wieder (und bringen Freunde und Bekannte mit) und manche bleiben, weil sie wirklich Spaß an der Sache haben.

Ich jedenfalls freue mich immer wieder darüber, wenn jemand eine neue Erfahrung machen will – egal ob männlich oder weiblich, egal ob „mal ausprobieren“ oder mit längerfristigem Interesse (das sich sowieso oft erst nach ein paar unverbindlichen Trainingseinheiten einstellt).

Also, werte Damen – keine falsche Scheu vor Dingen die Ihr nicht kennt und vor denen man Euch Angst macht, oder bei denen man Euch einreden möchte, es wäre nichts für Euch. Mitreden kann man am besten, wenn man es ausprobiert. Ich habe immer noch den Spruch einer Schnupperschützin (Dipl. Soz-Päd.), die ihre 2 Freundinnen eigentlich nur mit großen Vorbehalten begleitet hat, im Kopf: „Ich verstehe nicht, was jetzt daran so schlimm sein soll, macht doch Spaß!“

Und was die steigende Zahl an Jägerinnern angeht, da sprechen die Zeitungsberichte Bände:

Frauen und Jagd – Süddeutsche Zeitung

Wenn Frauen jagen – WamS

Johanna geht jagen – HAZ

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2 Kommentare zu “Waffen sind Männersache”

  1. Frauen sind sicherlich grundsätzlich schon eher pazifistischer eingestellt als Männer – haben daher auch mehr Berührungsängste was Waffen betrifft – das liegt einfach nicht in ihrer Natur. Dass im deutschsprachigen Raum eher wenige Frauen Schießsport betreiben od. Waffen gegenüber negativ eingestellt sind, ist, denke ich, auch Kulturell bedingt. Sieht man diesbezüglich nach Amerika, Canada bzw. Alaska, zeichnet sich auch ein anderes Bild ab. Wenn Frauen nun anfangen sich mehr für die Jagd usw. zu interessieren, ist das auch ein weiterer Beweis dafür, dass herkömmliche Geschlechterrollen immer weniger Bedeutung haben. Ich finde, die „Bewegung für legalen Waffenbesitz“ tät gut daran, Frauen mehr und mehr einzubinden bzw. anzusprechen. Toller Beitrag!

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