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2000 Waffen bei Rechtsextremen?

Die Polizeibehörden melden ca. 2000 sichergestellten Waffen, die bei Rechtsextremisten gefunden wurden.

„2000 Waffenfunde bei Rechtsextremisten im vergangenen Jahr“ – Focus

„So viele Waffenfunde bei Rechtsextremisten wie nie“ – ZEIT

„2000 Waffen bei Neonazis beschlagnahmt“ – FAZ

Sieht man sich die veröffentlichten Bilder der polizeilichen ”Gabentische” an, dann muß man sich als Fachmann sehr wundern. Diese Sammlungen bestehen häufig zu großen Teilen aus sogenannten ”Freien Waffen”, die ab 18 frei erhältlich sind, und Spielzeug aus Metall und Plastik.

Genauer:

  • Druckluftwaffen (Luftgewehre, Luftpistolen, CO2-Waffen)
  • Dekowaffen (nicht schußfähig)
  • AirSoft
  • Schreckschuß
  • Reizgas
  • etc.

Beispiel aus dem Focus:

Im niedersächsischen Winsen hat die Polizei bei der Durchsuchung mehrerer Wohnungen knapp 20 Waffen einer rechtsradikalen Gruppe sichergestellt. Dabei handelt es sich vor allem um Softair- und Deko-Waffen sowie ein Bajonett.

Aus einem Bericht an den Bayrischen Landtag 2011:

Bei der weit überwiegenden Anzahl handelte es sich dabei um funktionsunfähige Dekowaffen und erlaubnisfreie Waffen.

Hin und wieder liegt dazwischen dann die eine oder andere einsame, scharfe Schußwaffe, von der man nicht weiß, ob sie illegal ist, oder ein eigentlich registrierter und damit legaler ”Beifang” war. Ob das Ding dann auch noch funktionisfähig ist, weiß man auch nicht. So manche dieser Waffen sehen sehr nach Bodenfunden aus (aber auch eine völlig verrostete, funktionsunfähige Maschinenpistole gilt als Kriegswaffe, bis ein Gutachter das Gegenteil festgestellt hat).

Was man auch viel sieht, sind Schlagringe, Stahlruten, Shuriken, Nun-Chakus und diverse Messermodelle, die als verbotene Waffen eingestuft werden.
Etliche dieser Verbote sind sinnlos, da sie von Leuten durchgesetzt wurden, die weder Fachwissen noch Fachkompetenz auf diesem Gebiet haben. Viele Regelungen wurden aus dem Bauch heraus gemacht, weil ein Argument „plausibel klingt“ – auch, wenn es faktisch völliger Blödsinn ist.

Gelegentlich findet man ein paar alte Wehrmachtskarabiner, Pistolen und extrem selten vollautomatische Kriegswaffen.

Allem gemein ist, daß die meisten dieser „Waffen“ unter das Waffengesetz fallen – auch das, was weitgehend harmlos, nicht schußfähig oder als Spielzeug eingestuft ist. Trotzdem ist die Realität eine andere.

Mit „Waffen“ verbindet der Bürger primär das Bild von Feuerwaffen … Pistolen, Gewehre, Handgranaten, Kriegswaffen, etc. Das Bild entspricht aber nicht der Realität.
Jedes Haushaltsmesser ist Gegenstand des Waffengesetzes, so man es z.B. nach dem Kauf mit sich führt/transportiert.

Man kann davon ausgehen, daß also nur ein winziger Teil der bei Rechtsradikalen gefundenen Waffen die Spezifikation „scharfe Feuerwaffe“ erfüllt. Schätzungen sind schwierig, da die Medien häufig „Symbolbilder“ verwenden und man nicht immer die Originalbilder der Behörden zu sehen bekommt, geschweige denn die Fundstücke direkt ansehen kann.

Da die allermeisten Journalisten unfähig sind, verschiedene Typen von freien, registrierungspflichtigen und verbotenen Waffen zu unterscheiden, kann ihnen die Polizei alles hinlegen. Die Medienvertreter lassen sich von ein paar Luftgewehren mit Zielfernrohr, ein paar Dekowaffen und einem AirSoft-G36 bestens beeindrucken. Gleiches gilt für Munitionsfunde. So ein paar Dosen mit Diabolos werden dann schnell zu „einigen tausend Schuß Munition“.

Eigentlich ist das eine Null-Meldung, da hier ein Gefährdungsbild aufgebaut wird, das keine Entsprechung in der Realität hat.

Liebes BKA, dürfte ich bitte mal die Liste der gefundenen Waffen haben? Genau aufgeschlüsselt nach Typ und rechtlichem Status? Oder habt Ihr Angst, Euch zu blamieren?

Weitere Quellen:

http://www.sueddeutsche.de/politik/neonazis-und-waffen-was-da-zufaellig-auffliegt-ist-pillepalle-1.1222696

http://www.focus.de/politik/deutschland/extremismus-bremer-polizei-findet-waffen-bei-npd-mitgliedern_aid_691741.html

http://www.spiegel.de/fotostrecke/waffenfunde-bei-rechtsextremen-die-braunen-arsenale-fotostrecke-75704.html

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-11/waffen-neonazis-rechtsextremisten

https://quotenqueen.wordpress.com/2012/05/04/waffenfund-in-solinger-moschee-geheimgehalten/

Kleine Anfrage der LINKEN von 2007 und 2009

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/061/1606151.pdf

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/125/1612564.pdf

Kleine Anfrage der Piraten 2012 Landtag NRW

https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD16-803.pdf

 

Die Zahlen in der Kriminalstatistik

@stefanolix hat sich die Mühe gemacht in einigen Blogartikeln etwas tiefer in die „Polizeiliche Kriminalstatistik“ des BKA einzutauchen und bringt ernüchterndes zutage:

https://stefanolix.wordpress.com/2016/06/09/wie-das-bka-einmal-eine-statistik-zur-kriminalitaet-erstellte-und-wir-sie-nicht-lesen-sollten/

Mich stört die Unschärfe und teilweise auch Oberflächlichkeit der Polizeistatistiken schon lange. Etwas genauere Zahlen scheint es zu geben – aber die sind „unter Verschluß“. (Wahrscheinlich, damit sie fremdenfeindlichen Kreisen nicht in die Hände spielen, oder die weil sie die Unfähigkeit der Behörden belegen könnten. Die offiziellen „Begründungen“ sind nämlich Spiegelfechterei).

Behördliche und staatliche Verschleierung ist eine Methode, die aufmerksame Bürger, die transparent informiert werden wollen, regelmäßig – und mit Recht – auf die Palme bringt. Vor allem, weil die Gerüchteküche dann erst recht überkocht. Regierung und Behörden haben die grundlegenden Regeln der Kommunikation immer noch nicht kapiert und bilden sich anscheinend ein, daß offensichtliches geheimgehalten werden kann.

Polizeiliche Kriminalstatistik 2015

Der Bundesinnenminister hat heute die PKS 2015 vorgestellt. Noch ist sie nicht auf den Webseiten des BKA abrufbar, aber das dürfte innerhalb der nächsten Tage erfolgen.

http://www.bka.de/

Wie üblich sollte man dieses Dokument sehr kritisch lesen, denn die Formulierungen und Darstellungen der Zahlen auf Basis der Rohdaten kann zu Fehlschlüssen führen.

Bundeslagebild Waffenkriminalität für 2013 veröffentlicht

Die Freigabe der letzten 2 Bundeslagebilder musste von der AG Waffenrecht bei den Piraten quasi erzwungen werden. Dieses Jahr hat das BKA das Dokument recht zeitnah zur PKS veröffentlicht, ohne, daß von Bürgerseite nachgeholfen werden musste. Vielleicht kriegen wir es auch mal hin, daß das BKA sauber und klar zwischen legalen, illegalen und Behördenwaffen aufschlüsselt. Wir wissen ja inzwischen, daß diese Daten erfasst werden – was über die Qualität allerdings nichts aussagt

Hier ist das aktuelle Dokument zu finden:

Bundeslagebild Waffenkriminalität 2013

Immer noch finden sich die Kriterien „mit Waffe gedroht“ und „mit Waffe geschossen“, die auch angewendet werden, wenn ein Täter mit einer AirSoft-Pistole und Plastikkügelchen schießt. Das ist einfach albern und weltfremd. Meiner Meinung nach hat „gefühlte“ Gefährdung nichts in so einem Dokument zu suchen, auch wenn drohen und schießen mit Spielzeug in Bezug auf ein Verbrechen bewertet wird. So eine Akkumulierung von Daten verwirrt den uninformierten Leser und verfälscht die Realität.

Zum Inhalt des Bundeslagebildes: Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort. Obwohl weiterhin viele legale und noch sehr viel mehr illegale Waffen in Bürgerhänden sind, passiert sehr wenig. Das BKA schätzt die Gefährdung durch Waffen als „gering“ ein.

Würde man versuchen, die geringe Mißbrauchsrate bei den vorhandenen Schußwaffen in einem realistischen Verhältnis als Diagramm darzustellen, dann wären die paar wenigen Verbrechen, die mit Waffen begangen werden, gar nicht darstellbar.

Statistische Realität trifft auf mediale Hysterie. Die harten, trockenen Zahlen belegen, daß man sich in Bezug auf Schußwaffen keine Sorgen zu machen braucht. Die Medien dagegen stellen das genau umgekehrt dar. Lernfähig sind die meisten Journalisten und Medienformate in Bezug auf das Thema leider immer noch nicht.

Polizeiliche Kriminalstatistik 2013

Volkert hat sich wieder mal die aktuelle Kriminalstatistik in Bezug auf Schußwaffenmißbrauch vorgenommen. Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort …

http://volkert.caliber-corner.de/2014/06/04/polizeiliche-kriminalstatistik-2013/

Trotzdem muß die PKS dringend weiter aufgeschlüsselt werden um ein genaueres Bild zu zeichnen. Andere Länder kriegen das ja auch hin.

Waffen aus dem 3D-Drucker

So viel zu der Hysterie der Grünen, die 3D-Drucker und Druckmaterial streng regulieren oder gar verbieten wollen. Typisch „Grün“ – keine Ahnung, keine sachlichen Fakten, aber kräftig hyperventilieren, sich ins Bockshorn jagen lassen und tapfer Verbote formulieren, die völlig am Thema vorbei gehen.

Gleiches gilt für das BKA. Die Beamten sind „höchst besorgt“, daß mal jemand eine solche Plastik-Waffe durch den Check-In am Flughafen schmuggelt. Hallo? Die Munition ist immer noch aus Metall und die schmuggelt man nicht einfach durch den Scanner. Da muß das Personal schon arg unaufmerksam sein.

Bundeslagebild Waffenkriminalität 2012

Bundeslagebild Waffenkriminalität 2012

Das BKA hat vor einiger Zeit das Bundeslagebild Waffenkriminalität 2012 veröffentlicht.

Ergebnis:
Wie immer: sinkende Fallzahlen – ganz unabhängig vom Waffenrecht und unabhängig von der Anzahl der Waffen (ob legal oder illegal).

Wie üblich wird nur in einem Nebensatz zwischen legalen, illegalen und freien Waffen unterschieden, obwohl die genauen Zahlen immer erfasst werden. (Jeder Polizist muß ein entsprechendes Formblatt ausfüllen, wenn bei einer Straftat eine Schußwaffe im Spiel war – selbst, wenn es eine Spielzeugpistole für Saugnapfpfeile war). Erfahrungsgemäß kann man davon ausgehen, daß die Mißbrauchsquote von Legalwaffen sich im niedrigen, einstelligen Promillebereich finden wird.

Wie üblich wird die bescheuerte Formulierung „mit Schußwaffe gedroht“ & „mit Schußwaffe geschossen“ verwendet. Auch wenn mit einer Spielzeugpistole gedroht und mit Plastikkügelchen geschossen wurde, dann zählt das so, als wäre eine scharfe Waffe beteiligt gewesen.

Im Berichtsjahr 2012 wurden 431 Waffen an Tatorten i. Z. m. Straftaten nach dem StGB sichergestellt. In 68,5 % der Fälle handelte es sich um erlaubnisfreie Gas-/Alarm- und Luftdruckwaffen. Der Anteil der erlaubnispflichtigen Schusswaffen betrug 31,5 %. Von diesen befanden sich 3,9 % in legalem Besitz.

Kleine Rechenaufgabe: Wie viele legale Waffen waren beteiligt? Sind zwei einfache Dreisätze – sollte auch für Rechenlegastheniker zu schaffen sein.

Um eine Relation herzustellen:

Es gibt in unseren Landen rund 5.500.000 legale, registrierte Waffen in den Händen von 1,45 Millionen Bürgern. Fünf dieser legalen Waffen wurden missbräuchlich verwendet. Dabei ist noch nicht mal aufgeführt, ob es Opfer gab, oder nicht. Dazu gibt es mindestens 20.000.000, aber bis zu 40.000.000 illegale Waffen. Davon sind ~124 Stück zu Verbrechen verwendet worden. Sowohl bei den legalen, wie auch bei den illegalen Waffen sind die Mißbrauchszahlen lächerlich niedrig. Weit, weit niedriger, als man anhand der Menge annehmen/befürchten könnte.

Das oben verlinkte PDF behauptet außerdem, daß das Nationale Waffenregister (NWR) im „Wirkbetrieb“ einen Nutzen entfalten würde. Daß das nicht stimmt, steht hier. Die Kanadier haben ihr Waffenregister wieder eingestampft, nachdem sie 2 Milliarden kanadische Dollar reingepumpt hatten und sich letztendlich herausstellte, daß es keinerlei Sicherheitsgewinn gab. Deutschland hätte auf das zentrale, unsichere Register leicht verzichten und sehr viel billiger die einzelnen Waffenbehörden vernetzen können.

Fazit:
Wieder mal macht die Benutzung von scharfen Schußwaffen bei allen erfassten Straftaten grade mal 0,2% aus. Wer da eine erhöhte Gefährdung für die Bevölkerung durch illegale oder gar legale Schußwaffen reininterpretieren will, der sollte dringend einen Anfängerkurs in Statistik besuchen.